Update Juni 2020

Die Problematik wird auch politisch gesehen. Lobenswerterweise hat die Europäische Linke einen Änderungsantrag zur Europäischen Resolution vom 17. April 2020 eingereicht, um auf die Missstände des Wildtierhandels hinzuweisen und ganz aktuell seine Verknüpfung zur Coronakrise zu verdeutlichen.

Der Schwerpunkt lag auf dem weltweiten Verbot von Wildtiermärkten und auf der Verwendung von Wildtieren in der traditionellen Medizin.

Wortlaut des Antrages

Der Änderungsantrag betont, dass der Handel mit und die Zucht von Wildtieren die Risiken für die öffentliche Gesundheit verstärken und kritische Faktoren für das Auftreten von Zoonosen darstellen. Daher forderten die Initiatoren ein weltweites Verbot der Märkte für Wildtiere und der Verwendung von Wildtieren in der traditionellen Medizin. Ziel war eine nachdrückliche Aufforderung der Kommission, Rechtsvorschläge für ein Verbot der Einfuhr, des Handels sowie der Haltung und des Verzehrs von Wildtieren in der EU vorzulegen, um das Risiko künftiger Zoonoseausbrüche zu verringern.

Leider erhielt der Antrag der Fraktion keine Mehrheit und wurde daher nicht angenommen. Dennoch zeigt er eindrucksvoll, dass einige Politiker*innen das Problem nicht nur erkennen, sondern auch umgehend aktiv dagegen vorgehen wollen.

Auch animal public ist aktiv geworden und bleibet weiterhin an diesem wichtigen Thema dran.

Helfen Sie uns dabei?


Was sind Lebendtiermärkte und was ist das Problem?

Lebendtiermärkte (engl. sogenannte wet markets) sind überall auf der Welt vorkommende „Lebensmittel“-Märkte, auf denen Wildtiere und sogenannte Haus- und Nutztiere gehandelt und brutal getötet werden. Besonders häufig kommen sie in Regionen vor, in denen es keine Möglichkeit gibt Fleisch über längere Zeit zu konservieren. Diese Märkte sind gefährlich und eine weltweite Bedrohung für Menschen und Tiere, da sie die Entstehung und Verbreitung tödlicher Infektionserreger begünstigen.

(c) Animal Equality

Der Name wet markets („nasse, feuchte Märkte“) beruht teilweise auf das tierische Blut, das auf den Boden fließt, wenn ein verkauftes Tier direkt an Ort und Stelle geschlachtet wird. Unzählige Tiere fristen ihr Dasein auf solchen Märkten in verdreckten Käfigen und völlig überfüllten Buchten – ein idealer Nährboden für die Entstehung todbringender Krankheitserreger.

Wie genau wird die Ausbreitung (und Entstehung) von Krankheitserregern auf diesen Märkten begünstigt?

Zoonosen sind vom Tier auf den Menschen übertragene Krankheiten. Covid-19 ist eine derartige Zoonose, genauso wie die Pest, Malaria, Ebola und Aids. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sind bis zu 50 % der menschlichen Infektionskrankheiten zoonotischen Ursprungs und etwa 75 % der neuen Krankheiten, die in den letzten 10 Jahren beim Menschen auftraten, stammen von Tieren oder Erzeugnissen von Tieren. Lebendtiermärkte mit Ausscheidungen und Blut von auf engstem Raum eingesperrten, gestressten und immungeschwächten Tieren unterschiedlicher Arten, bieten ideale Bedingungen für die Bildung und Verbreitung neuer Zoonosen.

(c) Animal Equality

Das Robert Koch-Institut hat kürzlich deutlich gemacht, dass die Nähe des Menschen zu Wildtieren ein Problem darstellt und lobenswerterweise gefordert, den Import von Schleichkatzen oder Affen zu verhindern. Präsident des Institutes, Lothar Wieler, studierter Veterinärmediziner, sieht ebenso das gefahrbringende Potential solcher Märkte. Er erklärte, dass beispielsweise das Ernährungsverhalten in einigen Kulturen, vor allem in Asien, heikel sei,

“wo die Menschen alle möglichen Tiere verzehren, auch solche, die kurz vor dem Essen noch leben, sodass beim Schlachten Blut übertragen wird”.

Und ein weiteres Problem: Wildtiere werden immer weiter zurückgedrängt, da ihre Lebensräume zerstört werden und man ihnen skrupellos nachstellt. Dadurch leben plötzlich unterschiedlichste Wildtierarten eng beieinander. Die Massentierhaltung ist einer der Hauptverursacher dieses Problems, da die Gewinnung von Ackerfläche zur Deckung des Futterbedarfs in der industriellen Tierhaltung der Grund für die Zerstörung vieler natürlicher Lebensräume ist.

Auch die Entstehung und Verbreitung des tödlichen Krankheitserregers Corona Virus, welches aktuell die gefährliche Krankheit Covid-19 beim Menschen auslöst, ist höchstwahrscheinlich auf den Fang und den Handel mit Wildtieren auf zurückzuführen. 

Was fordert animal public und wie kann ich helfen?

Aufgrund der Gefährdung der menschlichen Gesundheit weltweit und des immensen Tierleids müssen Lebendtiermärkte sofort verboten und unverzüglich geschlossen werden. Der internationale Handel mit Wildtieren, z.B. für die Heimtierhaltung muss unterbunden werden.

Gleichzeitig muss auch eine Abkehr von der industriellen Massentierhaltung vollzogen werden. Jeder Verbraucher (und Tierhalter) kann selbst dazu beitragen, den Handel einzudämmen und die Zerstörung der Lebensräume zu verlangsamen, indem er versucht sich – wann immer möglich – pflanzlich zu ernähren und sich keine Wildtiere (vor allem Wildfänge und Importe, aber auch ihre Nachkommen) als Haustiere hält.

Stand: 24.04.2020

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