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Zootiere – unschuldig hinter Gittern

Über den Köpfen der staunenden Großstädter kreischt eine Vogelschar. Die Luft ist warm und schwül, erfüllt von dem süßlichen Geruch hunderter Blüten. Wasserdampf beschlägt die Brillengläser und Fotolinsen. Unter dem plätschernden Wasserfall räkelt sich ein Krokodil, kaum zu erkennen zwischen den dichten grünen Ranken. Auf einem Schild an der Glastür, die hinaus ins kalte deutsche Wetter führt, dankt der Zoo dem Sponsor der Vogelstimmen – einem großen Telekommunikationsunternehmen.

Zoos sind auch heute noch das, was sie schon immer waren – Vergnügungsstätten für zahlendes Publikum – und nicht, wie sie es gerne behaupten, eine Arche Noah. Zoos, daran lässt sich nicht rütteln, sind nicht für Tiere, sondern für Menschen geschaffen worden. Panzerglasscheiben, Wassergräben, grüne Ranken und Torfboden, können vielleicht Zoobesucher darüber hinwegtäuschen, dass die Tiere nicht in ihrer natürlichen Umgebung leben, aber die Bedürfnisse der Zootiere können sie nicht befriedigen.

Tiger, deren natürlicher Lebensraum mehrere Dutzend Quadratkilometer bemisst, müssen im Zoo ihr Dasein auf wenigen Quadratmetern fristen. Auch heute noch sind die Elefanten, die in Freiheit täglich weite Strecken wandern, im Zoo nachts festgekettet. Ein gekachelter Wandvorsprung ist die einzige Klettermöglichkeit, die den Schimpansen im Zoo bleibt, in  ihrer natürlichen Heimat verbringen sie einen großen Teil ihrer Zeit in den Wipfeln der Bäume. Königspinguine leiden unter den ungewohnt warmen, Breitmaulnashörner unter den ungewohnten kalten Temperaturen. Den Bären fehlt die Erde zum graben, den Elefanten die Savanne und den Vögeln der Himmel zum fliegen. Aber die Zooarchitektur engt die Tiere nicht nur ein, sondern wird ihnen auch immer wieder zum Verhängnis. Zahlreiche Elefanten, Giraffen, Affen und Nashörner stürzten in den letzten Jahrzehnten in die besucherfreundlichen Absperrgräben – nicht selten tödlich.

Die räumliche Enge, die Monotonie, die künstliche Umgebung und nicht zuletzt das Fehlen eines intakten Sozialgefüges machen die Zootiere krank. An einer handfesten psychischen Störungen, leiden all die Elefanten, die Stunde um Stunde mit dem Kopf weben, die Tiger, die den immer gleichen Kreis beschreiten und die Affen die einen Salto nach dem anderen schlagen. Diese Stereotypien kommen bei Tieren in freier Wildbahn nicht vor. Sie haben ihren Ursprung in der Anmaßung des Menschen Wildtiere ihrer Freiheit zu berauben und in einer vollkommen unnatürlichen, künstlichen Umgebung zu halten.

Es ist wenig verwunderlich, dass die selbsternannten Noahs ihre Arche unter diesen Bedingungen nicht auf Kurs halten können. Immer wieder macht ihnen die Natur einen Strich durch die Rechnung. So wollen gerade kommerziell interessante Tiere sich nicht so recht vermehren. Andere Tierarten hingegen bringen so oft Nachwuchs zur Welt, dass in keinem Zoo mehr ein Platz für sie zu finden ist. Also wird auf der einen Seite künstlich besamt, während auf der anderen Seite Tierkinder umgebracht werden, wenn sie nicht mehr niedlich genug sind, um als Publikumsmagneten Geld zu bringen. Klappt die Zucht nicht, dann scheuen sich die Zoos auch nicht, sich an der ohnehin schon arg geplünderten Natur fremder Länder zu bedienen. So ließen in jüngster Zeit deutsche Zoos Elefantenkinder aus freier Wildbahn von ihren Müttern wegfangen, mit roher Gewalt gefügig machen, um sie dann auf engstem Raum zur Schau zu stellen.

Auch mit der Arterhaltungszucht der Zoos ist es nicht weit her. Die gezüchteten Tiere sind nach Ansicht von Experten in   der  Natur   kaum  überlebensfähig. In die künstliche Zooumgebung hineingeboren, können sie nur unzureichend soziale Beziehungen aufbauen, erlernen keine überlebenswichtigen Traditionen und nicht selten verkümmern sogar wichtige Sinnesorgane, da sie sie nicht einsetzen können. In dieser Hinsicht gleichen die Zoos weniger einer Arche, als einer Titanic.

Die Haltung von Tieren unter Lebensumständen, die sie physisch und psychisch krank machen, nur um sie kommerziell zu nutzen, ist mit dem Tierschutz nicht zu vereinbaren und gehört dringend abgeschafft.

animal public fordert ein Import- und Zuchtverbot von Wildtieren. So ist die Schließung der herkömmlichen Zoos nur noch eine Frage der Zeit. Die vorhandenen Anlagen können in Informationszentren für Tier- und Artenschutz umgewandelt werden. In diesen Einrichtungen können sich Tierschützer, Artenschützer und Wissenschaftler gemeinsam für den Schutz von Wildtieren in ihrem natürlichen Lebensraum engagieren.

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