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Täuschung der Öffentlichkeit

Um über offensichtliche Missstände in der Tierhaltung hinwegzutäuschen ziehen die Zirkusunternehmen alle erdenklichen Register. Von Schönfärberei kann dabei keine Rede mehr sein, sondern vielmehr von systematischer Täuschung der Öffentlichkeit. So wird immer wieder angegeben, das Unternehmen sei von einem Tierschutzverein für seine vorbildliche Tierhaltung ausgezeichnet worden. Bis jetzt konnte diese Behauptung noch nie einer Überprüfung standhalten.
Auch wird der Presse gerne erzählt, man gehe regelmäßig mit den Elefanten oder Tigern spazieren oder ließe die Affen auf die umstehenden Bäume klettern. Die Presse berichtet natürlich gerne. Doch auf Nachfrage stellt sich dann heraus, dass die Journalisten dies gar nicht gesehen haben, sondern gerade eintrafen, als der Elefant sich vom Spaziergang erholte oder die Affen nur auf Bäume klettern, wenn keine Fremden anwesend sind. Und bei genauerer Nachforschung stellt sich dann heraus, dass der Elefant nur für den fünfminütigen Manegenauftritt aus seinem LKW kommt und der Affenkäfig schon solange nicht geöffnet wurde, dass er bereits zugerostet ist. Doch das Publikum glaubt der Berichterstattung und zahlt, um den Zauber der Zirkuswelt zu erleben.

Besonders dreist versuchte der Zirkus Don Carlos im August 2001 die Presse und die Öffentlichkeit zu täuschen. Die Geburt eines Elefantenbabys wurde verkündet. Der lokale Radiosender rief die Hörer auf einen Namen für das Tier zu finden und lud zu einer Taufparty ein. Dabei gibt es in ganz Deutschland nur einen Elefanten, der im Zirkus geboren wurde und dies vor nunmehr über zwanzig Jahren. Alle anderen Elefanten, die im Zirkus gehalten werden und wurden sind Wildfänge, die als Jungtiere gewaltsam ihrer Herde entrissen wurden. So auch die Elefanten des Zirkus Don Carlos. Auf kritische Nachfrage der Journalisten gab das Unternehmen erst einmal an, Elefanten seien bei der Geburt sehr groß und die Geburt würde schon etwas zurückliegen, deshalb sähe das zu taufende Elefantenbaby nicht richtig wie ein Baby aus. Kein Wunder, der jüngste Elefant des Zirkusunternehmens war zu diesem Zeitpunkt sechzehn Jahre alt. Erst als Tierschützer den Radiosender auf die Unmöglichkeit einer Elefantengeburt aufmerksam machten und darauf hinwiesen, dass der Direktor dieses Zirkus wegen Tierquälerei vorbestraft ist, wurde die Taufe abgesagt. Wenige Wochen später rief das Unternehmen in einer anderen Stadt erneut in der Lokalpresse zur Namenssuche für einen seiner Elefanten auf. Und auch anerkannte Wissenschaftler tragen zur Täuschung der Öffentlichkeit bei. So schreibt Prof. Dr. Klaus Zeeb, Vorsitzender der Sachverständigengruppe für die Zirkusleitlinien, in seinem Buch (Prof. Dr. Klaus Zeeb: „Wie man Tiere im Zirkus ausbildet“, Stuttgart 2001, Seite 50): „Ebenso wie bei Pferden beginnt die Erziehung schon beim Elefantenbaby wenige Tage nach der Geburt. […] Das Baby muss lernen, der Mutter auf den Wegen, die der Tierlehrer vorgibt zu folgen. Zu diesem Zweck wird ihm ein Halsband mit einem Seil daran umgelegt, dessen anderes Ende die Mutter im Maul hält.“ Welch beschauliches Bild. Doch die Realität sieht anders aus. Von den 250 in Europa gehaltenen Zirkuselefanten wurden nur drei in Gefangenschaft geboren. Alle anderen sind Wildfänge, die nicht von ihrer Mutter in die Manege geführt, sondern ihr auf brutale Weise entrissen wurden. Um sie gefügig zu machen, werden die wild gefangenen Elefanten traditionell „eingebrochen“. Das heißt nichts anderes, als dass die Tiere an Vorder- und Hinterbeinen festgekettet, über Wochen mit Stöcken, Peitschen und spitzen Haken geschlagen werden, bis sie sich dem Menschen bedingungslos unterordnen. Erst wenn ihr Wille gebrochen ist, sind sie für den Zirkus brauchbar. Und auch dort werden sie mit roher Gewalt dressiert. Doch dies erwähnt Prof. Dr. Zeeb mit keinem Wort.

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