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Scharfe Kritik an Schweriner Elefanten-Oper

Tierschutzverbände fordern Kultusminister Brodkorb auf, Elefanteneinsatz zu untersagen

03.03.2016 – Die Pläne des Mecklenburgischen Staatstheaters, für die Aida-Aufführungen im Juli und August dieses Jahres einen Elefanten nutzen zu wollen, hat heftigen Protest von Tier- und Artenschutzorganisationen hervorgerufen. An insgesamt 23 Spieltagen soll ein Elefant des Zirkusdompteur Sonni Frankello auf einem LKW aus dem rund 65 Kilometer entfernten Platschow herbeigeschafft werden. In einem gemeinsamen Schreiben, unterzeichnet von animal public, Bund gegen Missbrauch der Tiere, Elefanten-Schutz-Europa, PETA, Pro Wildlife und Vier Pfoten, fordern die Verbände Kultusminister Mathias Brodkorb auf, die Elefantennutzung aus Gründen des Tierschutzes sowie wegen der hohen Unfallgefahr zu untersagen. Im Juni vergangenen Jahres hatte ein Elefant, der von Behörden und Schaustellern stets als ungefährlich bezeichnet wurde, in Baden-Württemberg einen Passanten angegriffen und getötet. In Schwerin dürfen Elefanten nach einem vor wenigen Wochen gefassten Beschluss der Stadtvertretung künftig nicht mehr auf städtischen Flächen auftreten.

„Die Verwendung eines Elefanten für die Schlossfestspiele wäre ein Schlag ins Gesicht für den Tierschutz. Ob Zirkusmanege oder Aida-Oper, eine Elefantennummer ist und bleibt Tierquälerei“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA Deutschland e.V.

„Unfälle mit Elefanten im Zirkus betreffen nicht nur Dresseure“, so Olaf Töffels vom Verein Elefanten-Schutz Europa. Kein Tierlehrer könne mit Gewissheit voraussagen, welcher Elefant immer und in jeder Situation handzahm bleibt, wie der jüngste Todesfall in Buchen beweist. „Auch Mitwirkende und Publikum in Schwerin könnten durch den Elefanten zu Schaden kommen. Zudem liegen die Transportbelastungen – hin und zurück 130 km jeden Tag oder fast 3.000 km in wenig mehr als einem Monat – nochmal weit höher, als Elefanten im Zirkus sonst ertragen müssen. Erschwerend käme hinzu, dass die Elefantin an jedem Auftrittstag von ihren gewohnten Artgenossinnen getrennt werden würde.“

Allein in den Jahren 2009 bis 2013 wurden 23 Ausbrüche von Elefanten aus deutschen Zirkusbetrieben bekannt; die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt und es entstand erheblicher Sachschaden [1]. Statistiken des Vereins Elefanten-Schutz-Europa e.V. zufolge wurden in Zirkus- und Showbetrieben in Europa und Nordamerika seit 1980 mindestens 52 Personen von Elefanten getötet und ca. 145 Personen teilweise schwer verletzt [2]. Die Gefährlichkeit von Elefanten im Zirkus beruht vor allem auf der Unterwerfung der Tiere mit tierschutzwidrigen Mitteln. Dazu zählt der Einsatz des Elefantenhakens, ein Stock mit einem spitzen Metallhaken, mit dem die Tiere bei Bedarf zum Gehorsam gezwungen werden. Dadurch besteht jederzeit die Gefahr, dass auch Elefanten, die jahrelang als friedlich gelten, plötzlich „ausrasten“ und Menschen angreifen.

In der vergangenen Woche hat das Land Hessen einen Entschließungsantrag für ein Wildtierverbot im Zirkus in den Bundesrat eingebracht. Die Länderkammer hatte bereits 2003 und 2011 entsprechende Entschließungsanträge gefasst. Die Bundesregierung hat die Forderung bis heute nicht umgesetzt – im Gegensatz zu 18 europäischen Ländern wie beispielsweise Belgien, die Niederlande und Österreich, die bereits bestimmte Tierarten im Zirkus verboten haben. Einer repräsentativen FORSA-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten 82 % der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere im Zirkus nicht artgerecht gehalten werden können. Auch die Bundestierärztekammer spricht sich für ein Wildtierverbot im Zirkus aus.

animal public

Bund gegen Missbrauch der Tiere

Elefanten-Schutz-Europa

PETA Deutschland e.V.

Pro Wildlife

Vier Pfoten

 

[1] www.peta.de/zirkusunfaelleelefanten

[2] www.european-elephant-group.com/hintergrund_unfall.htm

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