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Newsletter 28.01.2018

Seit Wochen sorgt die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Osteuropa hierzulande für Schlagzeilen. Um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern, fordert der Bauernverband vorsorglich 70% aller Wildscheine abzuschießen, selbst Muttertiere und ihre Jungen. Auch viele Politiker stoßen ins gleiche Horn. Mecklenburg-Vorpommern hat bereits eine „Pürzelprämie“ eingeführt. Für jeden „Pürzel“, Jägersprache für den abgehackten Schwanz eines Wildschweins, erhalten Waidmänner dort 25 Euro vom Forstamt. Niedersachsens neue Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) will zudem die Schutzzeiten für Wildschweine aufheben und hat öffentlich an die Verbraucher appelliert, mehr Fleisch von Wildschweinen zu verzehren, damit sich der Massenabschuss für die Jäger auch finanziell lohnt.

Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest vollkommen ungefährlich. Grund für den Aktionismus ist die Sorge um den Wirtschaftsfaktor Schweinefleisch. Bricht die anzeigepflichtige Seuche in einem Maststall aus, werden alle dort gehaltenen Tiere unverzüglich getötet. Sperrgebiete würden die sonst üblichen Tiertransporte durch die halbe BRD unmöglich machen. Zudem würde der Export von Schweinefleisch aus Deutschland reglementiert, um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Die deutschen Schweinemäster fürchten Milliardenschäden.

Der Massenabschuss von Wildschweinen wird die Ausbreitung der Seuche jedoch nicht verhindern können, denn der größte Risikofaktor ist der Mensch selbst. Eine Einschleppung durch Reisende, Berufskraftfahrer oder Jagdtouristen gilt als wahrscheinlich. An Schuhen, Kleidern oder Fahrzeugen können die widerstandsfähigen Viren haften bleiben. Besonders riskant ist importierte Nahrung, die unachtsam an Rastplätzen entsorgt wird.
Aufklärung, bessere Grenzkontrollen und solide Wildschutzzäune an Rastplätzen sind daher wesentlich sinnvollere Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest, als der prophylaktische Abschuss von Millionen Wildtieren. Dass dieser ernsthaft diskutiert wird, liegt am enormen Einfluss der Jagd- und der Agrarlobby auf die deutsche Politik.

animal public setzt sich seit Jahren dafür ein, dass modernen wildbiologischen Erkenntnissen mehr Rechnung getragen wird, als überholten Parolen und Panikmache. Die aktuelle Debatte zeigt einmal mehr, wie dringend dies nötig ist. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns mit einer Spende helfen würden, den verfolgten Tieren in Wald und Flur eine Stimme zu geben.

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