Nach RTL-Reportage: Tierrechtsverbände veröffentlichen neues Video über mangelhafte Schimpansenhaltung im Tierpark Nadermann

Organisationen fordern sofortige Beschlagnahmung durch Veterinärbehörden

Nach der RTL-Reportage am gestrigen Abend, in der tierschutzwidrige Zustände bei der Haltung der Schimpansen im Tierpark Nadermann gezeigt wurden, veröffentlichen heute die Tierrechtsorganisationen animal public, Great Ape Project und PETA Deutschland e.V. ein neues Video über die beiden Menschenaffen in der Delbrücker Einrichtung. Darauf ist zu sehen, wie die Tiere wiederholt von Besuchern mit Süßigkeiten wie Popcorn und Bonbons gefüttert werden. Obwohl die Schimpansen stark übergewichtig sind, lassen die Veterinärbehörden und die Tierpark-Verantwortlichen zu, dass die adipösen Tiere weiterhin schädliche Nahrung erhalten. Den Organisationen liegt zudem eine Stellungnahme des renommierten Primatologen Professor Dr. Volker Sommer vor, der die Schimpansen vor Anfang Juli besuchte. Demnach bezeichnet der Wissenschaftler die Unterbringung als „Quälgehege“. Sommer fand bei den sensiblen Tieren deutliche Anzeichen einer tiefen Depression und beobachtete das anhaltende Ausrupfen selbst winziger Körperhärchen. Die Tierrechtsorganisationen forderten heute das Kreisveterinäramt auf, die Tiere unverzüglich zu beschlagnahmen und in eine anerkannte Auffangstation zu überführen.

„Die Schimpansenhaltung im Tierpark Nadermann ist pure Tierquälerei. Die Menschenaffen verstümmeln sich mittlerweile selber, leiden an tiefer Depression und werden von respektlosen Besuchern den ganzen Tag mit Süßigkeiten beworfen“, so Wildtierexperte Peter Höffken, Fachreferent bei PETA Deutschland e.V.

Mittlerweile liegen Aufnahmeangebote zweier renommierter Auffangstationen für die beiden Tiere vor: Die Stiftung AAP in den Niederlanden ist seit Jahrzehnten spezialisiert auf die Rehabilitation von Schimpansen aus mangelhafter Haltung. Das „Ape & Monkey Sanctuary“ in Wales (GB) hat ein schriftliches Aufnahmeangebot abgegeben. Nach Protesten von Tierrechts- und Artenschutzverbänden zog der Tierpark Nadermann seinen Antrag an das Bundesamt für Naturschutz – wonach die Schimpansen nach China verkauft werden sollten – Anfang des Jahres zurück.

Der Tierpark Nadermann steht schon seit langem in der Kritik, weil der Privatzoo die behördlich vorgeschriebenen Mindesthaltungsstandards für die Schimpansen nicht erfüllen kann. Die karge Einrichtung bietet den intelligenten Menschenaffen in dem kleinen Käfig kaum Kletter- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Während der Winterzeit ist der Park geschlossen und die Tiere sind in einem düsteren, heruntergekommenen Innenkäfig untergebracht. Nach vielen Jahren unter tierquälerischen Bedingungen weisen die Menschenaffen Symptome schwerer psychischer Störungen auf. Bewegungsmangel sowie die Fütterung mit Pommes frites und Süßigkeiten durch Besucher haben die beiden Schimpansen übergewichtig werden lassen.

„Den Zustand dürfen die Behörden nicht länger hinnehmen“, so Laura Zodrow von animal public, „es muss endlich gehandelt werden. Insbesondere da es alternative Unterbringungsmöglichkeiten gibt.“

Update 07.12.2015: Vor einer Woche wurden die beiden Schimpansen Kaspar und Uschi aus dem Delbrücker Tierpark Nadermann gerettet und in die Auffangstation „Wales Ape and Monkey Sanctuary“ nach Großbritannien gebracht.

Nun können die Tiere ihren Lebensabend in einer artgerechten Umgebung, fernab der Vergnügungsindustrie verbringen. Wir freuen uns über den glücklichen Ausgang und möchten allen Unterstützern unserer Protestaktion von Herzen danken!

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