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Tier- und Naturschutzverbände begrüßen Gefahrtiergesetz in NRW

Düsseldorf/Bonn/Aachen, 9. Dezember 2014 – Zwölf Tier- und Naturschutzverbände appellieren an den Landtag von Nordrhein-Westfalen, das geplante Gefahrtiergesetz bald zu verabschieden und auch die private Haltung großwüchsiger Riesenschlangen zu verbieten. „Wir sehen sowohl die Notwendigkeit als auch die Verhältnismäßigkeit dieses Gesetzes“, heißt es in einer Stellungnahme, die die Verbände am 4. Dezember an alle Abgeordneten des Landtags geschickt haben. Acht Bundesländer haben die Gefahrtierhaltung bereits geregelt. Nordrhein-Westfalen als neuntes Land hat nun einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der von den Tier- und Naturschutzverbänden ausdrücklich gelobt wird.

Erst vor wenigen Tagen sorgte der Fund von 30 Schlangen, darunter fünf Giftschlangen, in einer Düsseldorfer Wohnung für Schlagzeilen. Exotische Tiere privat zu halten, ist in den letzten 20 Jahren immer beliebter geworden. Die meisten Tiere sind harmlos, doch mittlerweile leben unter deutschen Dächern tausende Tiere, die für Menschen sehr gefährlich werden können, wie Kobras, große Riesenpythons und sogar Tiger. Laura Zodrow, Vorsitzende von Animal Public sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: „Gerade Nordrhein-Westfalen hat sich in den letzten Jahren zu einem der weltweiten Hauptumschlagplätze für den Handel mit bedrohten und gefährlichen Tierarten entwickelt. Daher ist es höchste Zeit, dass der Gesetzgeber handelt“.

Wachsende Tierschutzprobleme
Schätzungen zufolge werden in Deutschland rund 100.000 Giftschlangen, 200.000 Riesenschlangen und unzählige giftige Skorpione und Spinnen in Privathand gehalten. „Unsere Tierschutzvereine werden immer häufiger mit ausgesetzten oder abgegebenen Exoten, darunter sogar Giftschlangen oder mehrere Meter langen Pythons konfrontiert – das stellt sie vor schier unlösbare Aufgaben. Auf solche Tiere sind sie nicht eingestellt“, berichtet Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund.

Das Terrarium als Arche Noah?
Halter exotischer Tiere argumentieren oft, sie würden mit ihrem Hobby einen essenziellen Beitrag zum Artenschutz leisten. Diesem Argument widersprechen die Naturschützer: „Bedrohte Arten müssen in ihren Herkunftsländern geschützt werden – Terrarien und Käfige in deutschen Wohnzimmern können diese Tiere nicht retten“, sagt Josef Tumbrinck vom NABU-Landesverband NRW. Der Vorsitzende des BUND NRW, Holger Sticht, ergänzt: „Ganz im Gegenteil: Der Exotenboom ist eine steigende Gefahr auch für die hiesige Biodiversität. Denn ausgesetzte oder entwichene Tiere, die in unserer Natur überleben, können zu einem Problem für die heimische Tierwelt werden.“

Bundesregierung muss Wildwuchs im Wildtierhandel beenden
Für Beschränkungen des Handels und der Haltung von Wildtieren ist die Bundesregierung zuständig, lediglich die Haltung gefährlicher Tiere fällt in die Regelungskompetenz der Bundesländer. „Die Bundesregierung hat bislang wenig unternommen, um den außer Kontrolle geratenen Wildtierhandel zu reglementieren – immer mehr Bundesländer schöpfen nun ihre Möglichkeiten aus, um wenigstens die Haltung gefährlicher Wildtiere einzudämmen“, so Sandra Altherr von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

Die Verbände begrüßen, dass das Land Nordrhein-Westfalen die Haltung besonders gefährlicher Tiere ausnahmslos verbieten möchte. Nur so ist aus Sicht der Verbände ein konsequenter Vollzug des Gesetzes möglich.

Folgende Verbände und Organisationen haben die gemeinsame Stellungnahme unterzeichnet:

Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt
Animal Public
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Landesverband NRW (BUND)
Bund gegen Missbrauch der Tiere
Bundesverband Tierschutz
Deutscher Tierschutzbund
Eurogroup against Birdcrime
Menschen für Tierrechte
Naturschutzbund Deutschland Landesverband NRW (NABU)
PETA Deutschland
Pro Wildlife
Vier Pfoten

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