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Schön sachlich sein. Das wird von Tierschützern erwartet. Aber manchmal muss Frau auch sagen dürfen was sie denkt. Daher gibt es jetzt auf der animal public Homepage Karins Kolumne.
Karin Hutter beschäftigt sich als Sachbuchautorin seit Jahren mit Themen des Tier- und Artenschutzes. Bekannt wurde sie durch ihr jagdkritisches Buch "Ein Reh hat Augen wie ein 16-jähriges Mädchen". Zur Zeit lebt und arbeitet die Autorin und Mitbegründerin von animal public in Berlin.
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Langsam sickert es durch: Im Fall des Jägers, der am 06. Juni 2009 bei Tucheim im Jerichower Land/Sachsen-Anhalt einen wild lebenden Wolf tötete, hat das zuständige Amtsgericht die Klage abgewiesen. (Az 21a Ds 444 Js 8652/09). Angeblich ist dem Waidmann, der auf das geschützte Tier feuerte, weder Vorsatz noch Fahrlässigkeit nachzuweisen.
Fassungslosigkeit bei allen, die diesen Fall vor Ort und in den Medien verfolgt und Anzeige erstattet hatten. Dass die illegale Tötung einer geschützten Tierart – das Naturschutzrecht sieht dafür eine Höchststrafe von fünf Jahren vor - möglicherweise ungesühnt bleiben soll, ist ein Skandal. Und so mancher fragt sich, wozu nützen die besten Gesetze, wenn sie nicht angewandt werden. Sollte dieser Schütze wirklich straffrei bleiben, wäre das ein Freibrief für zahlreiche bewaffnete Wolfsgegner.
Die Begründung des Amtsgerichts Burg, ebenso jägerfreundlich wie abenteuerlich, spricht geltendem Natur-, Arten- und Tierschutzrecht Hohn. Sie stellt nämlich darauf ab, dass der 48-jährige Schütze, der während einer Gemeinschaftsjagd gegen 21.30 vom Hochsitz aus den Wolf tötete, davon ausgehen konnte, es handele sich um einen Hund, der hinter Rehen her war. Obwohl zu dieser Zeit die Dunkelheit bereits eingesetzt hatte, schoß er auf eine Entfernung von etwa 42 Metern einem hundeähnlichen Tier frontal in den Kopf. Dass er einen Wolf getötet hatte, will der Hobby-Jäger erst am nächsten Tag erfahren haben.
Das passt schlecht zu jenem Insider-Wissen, das kurz darauf in einem Online-Jägerforum ausposaunt wird: Demnach war ursprünglich geplant, das eindeutig als Wolf erkannte tote Tier stillschweigend zu verbuddeln. Da aber bereits zu viele der über 50 Mitjäger von der Tat wussten und der Täter auch bereits zugegeben hatte, den Wolf erschossen zu haben, hängte man das Tier zunächst bis zur weiteren Verwendung in eine Kühlzelle - wie das bei erlegtem Wild üblich ist.
Es ist kaum zu glauben: Was jedem Jagdscheinanwärter eingeschärft wird, nämlich unter gar keinen Umständen auf etwas zu schießen, was man nicht eindeutig als jagdbar erkannt hat, wird in der Begründung des Gerichts zu Gunsten der Täters ausgelegt. Es müsse berücksichtigt werden, heißt es da, dass die veränderten Lichtverhältnisse die Erkennbarkeit des Tieres beeinträchtigten und dass dem Schützen nur wenige Sekunden für seine Reaktion zur Verfügung stand. Das reinste Jägerlatein! Ob es nun ein Wolf oder ein Hund war, der an jenem Abend im Feuer lag, ist dabei zweitrangig. Dieser Schuß hätte überhaupt nicht fallen dürfen.
Es kommt aber noch schlimmer: Dem Jäger war es auch nicht erlaubt, einen Hund zu töten. Er war nämlich als Gastjäger gar nicht berechtigt den sogenannten Jagdschutz auszuüben, wonach Jäger unter bestimmten Umständen freilaufende Hunde erschießen dürfen. Dazu wäre eine schriftliche Erlaubnis der Jagdleiters notwendig gewesen. Die aber lag eindeutig nicht vor. Das ist der Mitteilung des Verwaltungsgerichts Magdeburg zu entnehmen, in der der sofortige „Entzug des Jagdscheins wegen Tötung eines Wolfes“ gerechtfertigt wird. (Offenbar wollte der Wolfstöter seinen eingezogenen Jagdschein baldmöglichst zurück. Az 3 B 211/09 MD). Und was nicht ganz unwesentlich ist: Unter diesen Umständen wäre auch der Abschuss eines Hundes nicht rechtens und ohne „vernünftigen Grund“.
Außerdem betont der fassungslose Landrat des Kreises Jerichower Land in seiner Pressemitteilung vom 09.06.2009, dass ihm dieses „jagdliche Fehlverhalten“ völlig unverständlich sei, weil er umfangreiche Informationen zur Wolfsthematik an die Jägerschaft gegeben und umfassend aufgeklärt habe. Schon deswegen sei es jagdliche Praxis in seinem Landkreis, dass auf freilaufende Hunde nicht geschossen wird. Daher könne sich der Jäger auch nicht auf eine Verwechslung mit einem Hund beziehen. Die Aussage des „ahnungslosen“ Schützen wie auch seiner Waidgenossen, es hätte bis zum Tatzeitpunkt niemand gewusst, dass Wölfe in ihrem Jagdgebiet vorkommen, ist demnach als Notlüge entlarvt.
Gleich nach Bekanntwerden der Tat, setzte eine ausführliche Berichterstattung in regionalen und überregionalen Medien ein. Die öffentliche Empörung, die sich anschließend in zahlreichen Kommentaren und Leserbriefen Luft machte, war auch der Nachricht geschuldet, dass der erschossenen Wolfsrüde auf dem nahen Truppenübungsplatz mit einer Partnerin lebte und Junge zu versorgen hatte.
Auch aus Jägersicht hat der Wolfstöter verantwortungslos gehandelt. Er verstieß nicht nur gegen die ungeschriebenen Gesetze deutscher Waidgerechtigkeit, sondern gleichzeitig gegen festgeschriebene jagdrechtliche Vorschriften. Das bescheinigt ihm der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt am 08.06.2009 in ungewohnt scharfer Form und droht schnelle und harte Konsequenzen an. Der Schütze habe dem öffentlichen Ansehen und der Glaubwürdigkeit des Verbandes schweren Schaden zugefügt. Und auch hier wieder der Hinweis, dass die Mitglieder in vielfältiger Weise über Wolfsvorkommen informiert und aufgeklärt worden seien.
Der ortsansässige Hobby-Jäger hätte also längst wissen können, dass sich in seinem Landkreis eine Wolfspopulation etabliert. Soviel Interesse am Artenschutz muss man von Mitgliedern eines Jagdverbands, der auf seinem Briefkopf als Naturschutzverband firmiert, schon verlangen. Was noch dazu kommt: Bereits im November 2005 veröffentlichte der Nordkurier unter der Überschrift „Altmark wieder Wolfsrevier“ einen Artikel, in dem u.a. das Jerichower Land als Wolfsgebiet ausgewiesen wird – und auch hier schon ein Appell des Landesverwaltungsamts an die Jäger, im Rahmen des Jagdschutzes aus Verwechslungsgründen auf die Verfolgung von Hunde zu verzichten.
Es ist höchste Zeit, dass Jägern endlich gesetzlich untersagt wird, auf Haustiere zu schießen – zum Wohl von Wölfen sowie von Hunden. Nur so wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Appelle nützen nichts. Auf freiwilligen „Verzicht“ ist kein Verlass. Ein entsprechendes Verbot auf Bundes- und Länderebene ist nötig und längst überfällig. Wenn es bestimmte Interessengruppen auch nicht wahrhaben wollen: Deutschland ist Einwanderungsland – auch für Wölfe!
soll der geier vergissmeinicht fressen?
was verlangt ihr vom schakal,
dass er sich häute, vom wolf? soll
er sich selber ziehen die zähne?
Hans Magnus Enzensberger - Verteidigung der Wölfe
© 05.07.2010 - Karin Hutter
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Zirkus ist Tradition. Zirkus ist Kultur. Zirkus ist erhaltenswertes Kulturgut. Ja, bitte sehr, hochverehrtes Publikum, herrreinspaziert! Und Manege frei – von wilden Tieren!
Es besteht kein Zweifel: Durch die Vorführung dressierter Wildtiere im Zirkus, wird Gewalt verschleiert und konsumierbar gemacht. Wer ein Herz für Tiere hat, sollte diese Art Volksbelustigung meiden. Trotzdem muss niemand auf den „Zauber der Manege“ und ein wenig Nervenkitzel verzichten. Es gibt genug Zirkus-Alternativen mit freiwilligen menschlichen Artisten, Clowns, Künstlern.
Durch Deutschland ziehen an die 370 Zirkusunternehmen und machen sich gegenseitig Konkurrenz. Die meisten treten mit Tieren auf, 150 sogar mit Wildtieren. Tiger, Löwen, Elefanten und Giraffen, Bären, Affen, Seelöwen und Robben, Zebras, Schlangen und Krokodile, Flußpferde, Nashörner ... Kaum eine exotische Tierart, die nicht in irgendeinem Zirkus ihr Leben fristet, und sei es in der dunkelsten Ecke. Nicht alle haben ihren kurzen Auftritt in der Manege. Einige werden nur in Tierschauen in Käfigen gezeigt und manche befinden sich in nicht einsehbaren Transportwagen – den kritischen Blicken des Publikums, aber auch der kontrollierenden Veterinäre entzogen.
 Sie haben es nicht leicht, die Amtsveterinäre, die neben ihrer täglichen Routinearbeit auch noch den Tierbestand gastierender Zirkusse in Augenschein nehmen müssen. Selten besitzen sie das Fachwissen und die Erfahrung, um den Zustand und das Wohlergehen von exotischen Tieren zu beurteilen und Mißstände abzustellen. Oft reicht es ihnen schon, wenn sie scheinbar gutgenährte Tiere antreffen, die keine offensichtlichen Verletzungen haben. Und mancher ist heilfroh, wenn der Zirkus nach ein paar Tagen wieder über alle Berge ist. Beanstandungen? Soll sich doch der Nächste mit den Zirkusleuten herumschlagen. Welch undankbarer Knochenjob! Wer ihn ernst nimmt, stößt bald an seine Grenzen. Wohin mit Zirkustieren, die wegen miserabeler Haltung beschlagnahmt werden müßten?
Als Richtschnur gelten die sogenannten Zirkus-Leitlinien. Es sind Leid-Linien im Wortsinne. Völlig unzureichende Minimalvorgaben und Empfehlungen, die zudem nicht einmal rechtsverbindlich sind. Auslegungssache eben. Was fängt ein Kontrolleur, der Tiger und Löwen zu beurteilen hat, zum Beispiel mit folgendem Leitlinien-Hinweis an: „Häufig zu beobachtendes nervöses Schwanzschlagen weist auf unqualifizierten Umgang mit den Tieren hin.“ Welcher Zirkusbesucher hat das nicht schon beobachtet? Und nun? Wer geht dem nach, wer stellt ihn ab, diesen unqualifizierten Umgang, unter dem Tiere zu leiden haben?
Man muss wissen, was das heisst, wenn sich Zirkusse brüsten, besagte Leitlinien einzuhalten, ja sie sogar noch zu übertreffen. Das ist kein Kunstück, wenn beispielsweise für Großkatzen eine Mindestkäfiggrundfläche von 12 qm für ein bis zwei Tiere, für jedes weitere Tier 4 qm zusätzlich empfohlen wird. Den Elefanten wird im Stallzelt eine Fläche von 2.5 x 4 Meter pro Tier eingeräumt. Hier sollen die grauen Riesen mit zwei Ketten, eine am Hinterbein und eine am entgegengesetzten Vorderbein, angekettet werden. Und so stehen sie dann, die Stars der Manege, Stunde um Stunde, tagein, tagaus – nur mit kurzen Unterbrechungen. Und langweilen sich und schaukeln und weben und schlagen mit dem Rüssel. Manchmal wird einem Tier das Zirkusleben unerträglich. Dann passiert ein Unglück. Aber: „Arbeitsunfälle gibt es in jeder Branche“, das hörte man kürzlich aus Zirkuskreisen, nachdem ein Dompteur von seinen Tigern nahezu zerfleischt worden war. Ein Zynismus, der kaum mehr zu überbieten ist. Wer hart zu Tieren ist, ist es vermutlich auch zu Menschen. Mitgefühl, Mitleid? Ein Luxus, den man sich hier offenbar nicht leisten kann.
Zirkusleute sind inzwischen Kritik sowie Vor-und Anwürfe gewohnt und begegnen diesen mit verblüffender Ignoranz und haarsträubenden Erklärungen:
Wildtiere? Das sind doch schon lange keine Wildtiere mehr. Die stammen alle aus Nachzuchten. Die meisten wurden von Hand aufgezogen und sind völlig zahm. Die können sich gar nicht mehr an die Freiheit erinnern.
Das Weben der Elefanten? Unsinn, das ist doch keine Verhaltensstörung, das ist nichts anderes als Vorfreude auf den Manegenauftritt – vergleichbar mit dem Schwanzwedeln des Hundes vor dem Gassigehen.
Bewegungsmangel? Warum sollten die Tiere kilometerweit laufen wollen, wenn sie täglich ihr Futter serviert bekommen?
Langeweile? Wirklich nicht. Bei uns ist doch viel mehr los als im Zoo. Proben, Auftritte, Transporte, Ortswechsel. Den Tieren gefällt das.
Anketten von Elefanten? Nur zu ihrer und der anderen Tiere Sicherheit. Vergleichbar mit den Sicherheitsgurten, die ja auch Menschen im Auto anlegen müssen.
 Tierbändiger oder Dompteure nennen sich heute lieber Tierlehrer. Das klingt neutral, nicht so gewalttätig und soll wohl den Eindruck erwecken, als hätten sie ein partnerschaftliches, fürsorgliches Verhältnis zu ihren „Schülern“. Tierlehrer ist allerdings kein anerkannter Ausbildungsberuf. Tierlehrer kann sich jeder schimpfen, der mit Tieren arbeitet, ob er nun Hunde zum Männchenmachen bringt, Bären zum Radfahren oder Elefanten zum Kopfstand. „Als Alpha-Tier muss ihnen der Dompteur immer wieder klar machen, dass er der Chef ist“, so klingt es aus ihrem Berufsverband. Das hört sich nicht nach sanften Lehrmethoden an. Und in der Tat kommen - meist hinter den Kulissen - Dressur-Werkzeuge wie Elefantenhaken, Seile, Ketten, Elektroschocker, Schlagstöcke und Peitschen nach wie vor zum Einsatz. Freundliches Zureden und ein paar Leckerbissen reichen eben nicht aus, um den Willen von wilden Tiere zu brechen, sie zum Gehorsam zu zwingen und ihnen völlig artwidriges Verhalten anzutrainieren. Auch Futterentzug, Zufügen von Schmerzen und nicht zuletzt Angst sind altbewährte Zuchtmeister.
Es gibt noch ein anderes Problem, das die Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis nimmt. Es sind die unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken, die von Wildtierzirkussen ausgehen. In anderen Bereichen des täglichen Lebens existieren enorm strenge Vorschriften – von der Hundehaltung bis zur Zootierhaltung. Für Zirkusse haben sie offenbar keine Gültigkeit. Man stelle sich vor, ein Tierpark, direkt an einer Durchgangsstraße gelegen, würde seine Elefanten nur mit dünner, stromführender Litze vor Besuchern und Straßenverkehr sichern. Undenkbar! Zirkusse dagegen führen auch Elefanten völlig ungeschützt zum Schau-Füttern auf öffentliche Plätze, lassen in der Manege Kinder darauf reiten oder machen mal eben mit vier grauen Riesen einen Abendspaziergang neben einer vielbefahrenen Straße. Sind ja zahm, die Tiere. Als gäbe es nicht zahllose Beispiele von ausgebrochenen, ausgerasteten Zirkustieren, von Verletzten und Toten – unter Tieren wie Menschen. Zudem hat es den Anschein, als würden manche Zirkusse Tierausbrüche während ihrer Gastspiele inszenieren und zu Werbezwecken nutzen. Polizei und Feuerwehr können ein Lied davon singen.
Ein Wildtierverbot in Zirkussen ist längst überfällig. Und es ist unverantwortlich, dass der entsprechene Bundesratsbeschluss von 2003 immer noch nicht umgesetzt wurde. Wer da wen im zuständigen Verbraucherschutz-Ministerium blockiert, ist nicht ganz klar. Aber auch unabhängig davon können die politisch Verantwortlichen auf landes- und kommunaler Ebene tätig werden und Wildtierzirkusse mit Gastspielverbot belegen. Sie müssen es nur wollen.
© 28.12.2009 - Karin Hutter
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Man hätte es sich denken können: Kaum gibt es hierzulande ein paar bestätigte Wolfsrudel und da und dort einen gesichteten Wanderwolf, wird die alte Angst vorm bösen Wolf wieder geschürt. Gefährliche Raubtiere sind unter uns! Rotkäppchen lässt schön grüßen. Und wo Hobby-Jäger rudelweise auftreten, sei es auf Jägertagen, Trophäenschauen oder am Stammtisch, fordern sie lautstark „Wölfe rein ins Jagdrecht!“ Dem möchte ich entgegen halten: Hobby-Jäger raus aus Wolfs Revier!
Wölfe dürfen nicht weiterhin Gefahr laufen, von einem Waffenträger ums Leben gebracht zu werden, sei es vorsätzlich oder aus Versehen. Und ver- sehen haben sich nachweislich nicht wenige Waidmänner, seit der Wolf versucht, bei uns wieder heimisch zu werden. (Liste der Todesschüsse)
Den jüngsten Todesschuss - zielgenau in den Kopf eines jungen Wolfsrüden, feuerte kürzlich ein Gastjäger in Sachsen-Anhalt ab. Widerrechtlich, illegal und in Anwesenheit von Zeugen. Zudem noch während einer Bockjagd mit über 50 Teilnehmern! Angeblich hielt der Jäger den Wolf für einen Hund, der hinter einem Reh her war. Schon aus diesem Grund ist es höchste Zeit, dass Jägern das Recht genommen wird, auf Hunde zu schießen. Grundsätzlich! Und das nicht nur in Wolfs Revier, sondern bundesweit.
Es stimmt schon: Auf den ersten Blick haben es Wölfe und Jäger auf die gleiche Beute abgesehen- hauptsächlich Reh, Hirsch und Wildschwein. Allerdings jagen Wölfe völlig anders als Menschen mit Jagdschein. Sie sind eher hinter schwachen, kranken, jungen oder alten Tieren her und nicht hinter besonders prächtigen oder skurrilen Trophäenträgern. Und zweifellos verändert sich durch die Anwesenheit von Wölfen das Verhalten der Beutetiere. Sie werden scheuer. Sie flüchten eher. Sie sind öfter in Bewegung. Jäger haben mehr Aufwand, zu Schuss zu kommen. Schon aus diesem Grund sind Wölfe für die meisten Hobby-Jäger ein ständiges Ärgernis. Sie sehen ihr Revier durch ihre Anwesenheit nicht auf – sondern abgewertet!
In Sachsen hatten Jäger durch die angeblich explosionsartige Vermehrung der Wölfe tatsächlich die Stirn, wegen verringerter Ertrags-Chancen Entschädigungsanspruch anzumelden, genauso wie Schafhalter, die da und dort Tiere durch Wölfe verlieren. Da mussten sie sich schon sagen lassen, dass ihnen keine Entschädigung zusteht, weil die Hobby-Jagd kein Erwerbszweig ist und lebendes Wild als herrenlos gilt und nicht dem Jäger gehört.
Auch das Jäger-Argument, der Wolf sei im Jagdrecht besser geschützt, ist völlig absurd. Da sollten diejenigen, die sich bei jeder Gelegenheit mit ihrem „Grünen Abitur“ brüsten, schnellstens Nachhilfeunterricht nehmen. Der Wolf genießt nämlich schon jetzt den höchsten Schutzstatus, den unsere Gesetze hergeben. Daran würde sich auch im Jagdrecht nichts ändern. Selbst das Strafmaß bliebe gleich. (Die fünfjährige Höchststrafe wurde allerdings noch nie nach einem illegalen Wolfsabschuss verhängt). Der Wolf unterliegt dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen, er ist zudem durch die Berner Konvention sowie durch das Naturschutzgesetz und die Artenschutz-Verordnung geschützt. Beim Wolf handelt es sich um das seltenste Säugetier Deutschlands und er gilt als vom Aussterben bedroht. Was soll er zusätzlich auf der Liste jagdbarer Tierarten – wenn auch zunächst ohne Jagdzeit?
Wäre der Wolf dem Jagdrecht unterstellt, würde die Zunahme des Bestandes - ob nun jägerisch gefühlt oder nachweislich, Begehrlichkeiten wecken. Es wäre dann nur ein kleiner Schritt, eine Jagdzeit einzuführen. Hobby-Jägern sollte aber nicht die Entscheidung überlassen werden, ob eine Wolfspopulation eine Bejagung verträgt oder wann und wo sich angeblich zu viele Wölfe aufhalten und welche, wie viele, entnommen werden können oder müssen.
Zudem würde die Hemmschwelle für illegale Wolfsabschüsse gesenkt. Die Möglichkeit zur Vertuschung wäre noch größer als jetzt schon. Nach dem Motto: was wir einmal haben, das gehört uns und damit können wir im Dunkel der Reviere machen, was wir für richtig halten. Und die drei „S“, nämlich schießen, schaufeln, schweigen, wären noch leichter anwendbar.
In Sachsen wurden zwischen 2000 und 2008 nachweislich achtzig Wolfswelpen geboren. Aber nur acht tote Tiere sowie ein verletzter Jungwolf wurden wieder aufgefunden. Die übrigen sind verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Gut möglich, dass sich einige auf leisen Sohlen davon gemacht haben. Zurück nach Polen, wo sie ursprünglich herkamen. Aber der Verdacht, dass nicht wenige mit Vorsatz oder als wildernde Hunde erschossen und beseitigt wurden, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Zeitung mit den blutroten Überschriften weiß es aber besser. Sie zitiert am 26.05.09 unter dem Titel „Die Wolfs-Lüge“ , was Jäger angeblich seit langem behaupten: „Bei uns leben mindestens 100 der gefährlichen Raubtiere!“
Wenn der Wolf im Jagdrecht wäre, könnte auch das eigenmächtige Töten von verletzten, in der Jägersprache kranken Individuen, als waidgerechte Hege-Abschüsse ausgegeben werden. Obwohl bekannt ist, dass sich auch verletzte Wildtiere durchaus wieder erholen oder mit ihrer Verletzung leben können. Ob ein Wolf eine Chance auf Genesung hat, behandelt werden kann oder getötet werden muss, soll und kann nicht ein Hobby-Jäger, sondern nur ein Tierarzt beurteilen.
Ich bleibe dabei: Hobby-Jäger raus aus Wolfs Revier! Die Zunft, die den Wolf einst ausgerottet hat, sollte nicht noch einmal das Recht bekommen, über Leben oder Tod dieses faszinierenden Wildtiers zu entscheiden.
© 26.06.2009 - Karin Hutter
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Seine Mutter, Tosca, ist eine ehemalige Zirkus-Artistin. Als die DDR und ihr Zirkus Pleite machte, kam die Eisbärin vom Regen (Zirkus) in die Traufe (Zoo). Bereits 2005 brachte sie im Berliner Zoo Drillinge zur Welt. Die waren tot. Im nächsten Jahr, 2006, bekam sie zwei Junge, um die sie sich nicht kümmerte. Offensichtlich wollte sie diese beiden auch sterben lassen. Hatte sie keine Lust auf Mutterfreuden in dieser artfremden Umgebung? Wollte sie ihren Kinder das Leben in Gefangenschaft ersparen? Wir wissen es nicht. Ein Bärchen starb, das andere bekam exklusiv einen Babysitter und wurde auf den Namen „Knut“ getauft. Die Bilder eines kleinen, mutterlosen Eisbären, betreut von seinem menschlichen Ziehvater, gingen um die Welt und lösten eine unbeschreibliche Massenhysterie aus.
Medienleute und Zoo-Fans überschlugen sich vor Begeisterung. Sie balgten sich um die besten Plätze vor einem provisorischen Gehege, aus dem man eiligst weniger attraktive Tiere ausquartiert hatte. Selbst ein Umweltminister drängte sich an Knuts Seite und behauptete, er sei nun sein Pate. Wofür ihn der Kleine in einem unbeobachteten Moment kräftig in die Hand biss.
Ein junger Eisbär spülte Geld in die notorisch klammen Zoo-Kassen, wurde gar zur eingetragenen „Marke“. Der Knut-Hype brachte dem Berliner Zoo Millionen ein. Viele Millionen! Sogar so viele, dass der Landesrechnungshof jetzt zwei Millionen Steuerzahler-Euro wieder zurückfordert. Durch die zusätzlichen Knut-Einnahmen habe sich der übliche Zuwendungsbedarf des Zoos reduziert. Wohl wahr!
Das schöne Geld weckt aber noch andere Begehrlichkeiten. Der Tierpark Neumünster beansprucht seinen Teil. Dazu muss man wissen: Knuts Vater Lars wurde von dort an den Berliner Zoo nur ausgeliehen - als Samenspender. Im „Einstellungsvertrag“ von 1999 wurde vereinbart, dass der erste lebende Lars-Nachkomme (sowie alle weiteren in ungerader Zahl) seinem Heimatzoo gehört. Durchaus übliche Praxis in Zoo-Kreisen. Eine Ablöse- oder Kaufsumme ist in derlei Fällen nicht vorgesehen. Nun ist Knut, dieser wertvolle Sohn, der erste Nachkömmling, der am Leben blieb. Wenn auch unter großem Aufwand. Also, was jetzt?
Dass die beiden Zoo-Leiter die Diplomatie nicht erfunden haben, ist inzwischen bekannt. Sie erinnern stark an zwei Gefängnis-Direktoren, die sich um den Verbleib eines liebgewonnenen, weil unbezahlbaren Insassen streiten. Besser, ihre Rechtsanwälten streiten lassen. Neulich sogar vor Gericht. Obwohl sie sich jahrelang kennen, würdigten sich die zwei Doctores während der Verhandlung keines Blickes. Eisiges Schweigen zur Causa Ursus maritimus. Wie meistens, wenn sich zwei Parteien in etwas verbeißen, geht es um Geld. In diesem Fall nicht unbedingt um die Millionen, die, Knut sei Dank, in Berlin gescheffelt wurden, aber um einige Hunderttausende, die der klagende Tierpark Neumünster als Anteil beansprucht. Wie viel ihm genau zusteht, darüber wird wohl erst in einige Monate Klarheit herrschen. Mit dem flapsigen Angebot aus Berlin, die bekommen ein paar Pinguine, und dann ist die Sache in Ordnung, lässt der sich allerdings nicht abspeisen. Zur Zeit geht der Poker hinter den Kulissen weiter. Obwohl die Verhandlung vor dem Berliner Landgericht noch kein Ergebnis brachte und wenig spektakulär war, erschienen dazu über 250 Medien-Beiträge ...
 Werte Kollegen, hier nochmal ganz langsam zum Mitschreiben: Eisbären gehören nicht in Zoos!
Genauso wenig wie Elefanten oder Delfine und viele Wildtierarten mehr. Dieser Meinung sind nicht nur Tierschützer und Tierrechtler, sondern auch gestandene Zoo-Biologen. Trotzdem wird mit Eisbären gezüchtet auf Teufel komm raus. Immer wieder! Auch Knuts Mutter Tosca brachte vor ein paar Monaten schon wieder zwei Junge zur Welt. Sie starben, bevor man sie „retten“ konnte. Obwohl kaum ein Zoo einen halbwegs optimalen Platz für Eisbären vorhält, wird weitergemacht. Von artgerechter Haltung kann sowieso keine Rede sein. Dabei steht fest, dass diese Nachzuchten – sollten sie am Leben bleiben - niemals in die Freiheit entlassen werden können.
Von wegen „Artenschutz“! Dieses gern gebrauchte Argument zur Rechtfertigung von Zoo-Zuchten ist völlig fehl am Platze. Eisbären in Gefangenschaft als Botschafter der Arktis oder Symbol des Klimawandels? Einfach lächerlich in Anbetracht fantastischer, leicht zugänglicher Wildlife-Filme. Es geht hier einzig und allein um die Einnahmen aus der Zurschaustellung eines attraktiven und bei Besuchern beliebten Großraubtiers – ohne Rücksicht auf Verluste.
Und die gibt es, die Verluste, meine ich: In den vergangenen 25 Jahren wurden in europäischen Zoos ca. 60 Eisbären-Babys mit der Hand aufgezogen. Davon hat jedoch nur die Hälfe überlebt und in nur fünf Fällen bekamen die Tiere eigenen Nachwuchs. Verhaltensstörungen inklusive. Wahrlich eine erschreckende Bilanz.
Optimale, artgerechte Haltung in Gefangenschaft kann es für dieses Wildtier, dessen Jagdrevier sich über einen Radius von 150 Kilometern erstreckt und das als Langstreckenschwimmer 65 km überwindet, nicht geben. Man kann ihm jedoch das Leben nach den neuesten Erkenntnissen der Tiergarten-Biologie gestalten – mit allem, was dazu gehört. An welchem Ort auch immer. Das kostet natürlich Geld. Viel Geld. Aber dieses Geld hat Knut ja bereits verdient!
Ein besseres Leben, das hätten sich auch die beiden Berliner Braunbärinnen längst verdient, die - von Öffentlichkeit und Medien nahezu unbeachtet - seit über 20 Jahren im Bärenzwinger im Köllnischen Park dahinvegetieren. Lebendige Berliner Bären als „erhaltenswertes Kulturgut“? Es ist eine Schande!
© Karin Hutter, 25.05.2009
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Ich begrüße den Aufruf der organisierten Jägerschaft, im beginnenden neuen Jagdjahr in Streik zu treten. Demnach soll ab 1. April kein einziger Schuß - weder auf ein Wildtier, noch auf ein Haustier – abgefeuert werden.
Wie aus ungewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, wollen die Waidmänner der nichtjagenden Bevölkerung endlich einmal drastisch vor Augen führen, was passiert, wenn sich die Jägerschaft weigert, weiterhin für Ruhe, Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit in Feld, Flur und Wald zu sorgen.
Nach eigenen Aussagen, fühlen sich Hobby-Jäger im Moment zu Unrecht an den Pranger gestellt. Sie haben den Sportschützen, die sie bisher als Waffen-Brüder im Geiste betrachtet haben, die Solidarität aufgekündigt.
„Wir brauchen keine schärferen Waffengesetze! Wir lassen uns nicht vorschreiben, wieviele Langwaffen wir anschaffen und zu Hause lagern dürfen und wieviel Schuss Munition uns zusteht. Wir passionierten Jäger sind keine Waffennarren“, empöret sich ein Lodengrüner, der lieber anonym bleiben will.
Dem Vernehmen nach, wollen die Hobby-Jäger ihren Streik so lange fortsetzen, bis ihre Lobbyisten die leidige Waffengesetz-Diskussion zum Verstummen gebracht haben. Erst wenn aus dieser Richtung keine Gefahr mehr droht, seien sie gewillt, ihre gesellschaftlich wichtige Aufgabe wieder wahrzunehmen, auf die Jagd zu gehen und Tiere zu schießen.
01.04.2009
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Als ich ein kleines Mädchen war, kam eine entfernte Tante zu Besuch. Es war Winter und sie trug etwas Merkwürdiges um Hals und Schultern. Als sie sich zu mir herunterbeugte, um mich zur Begrüßung zu küssen, schrie ich auf und wich entsetzt zurück. Ich hatte in die starren Augen eines Tieres geblickt. Die Erwachsenen lachten und wollten mich beruhigen. Der ist doch tot, der Fuchs, der tut dir doch nichts!
Eben, er war tot. Das hatte das Kind sofort begriffen und deswegen war es ja den Tränen nahe. Dieser bedauernswerte Fuchs mit seinen herunterhängenden, schlappen Pfötchen, den glasigen Augen und der glänzend schwarzen Schnauze, mit der er sich selbst in den Schwanz biss. Ein Bild, das sich tief ins kindliche Gedächtnis eingegraben hat.
Neulich ist es mir wieder begegnet – dieses Bild des Jammers. Ein Berliner, der sich gerne Künstler nennen läßt, hat diese mottenzerfressene Mode-Idee wiederbelebt. Füchse, Füchse, überall tote Füchse mit bunten Glasaugen! Nur sollen sie nicht ein altbackenes Schneiderkostüm, wie das meiner Tante, zur Geltung bringen, sondern die nackte Haut aufgehübschter Models – weiblichen wie männlichen.
Oh, ja, modebewusste Menschen sollen sich schmücken, wenn ihnen danach ist. Aber mit Tierleichen? Auf nackter Haut? Da kann es einem doch nur kalt den Rücken herunterlaufen.
Der Modekünstler muß geahnt haben, dass ihm derlei Vorbehalte begegnen werden. Denn er propagiert seine Fuchskreationen kaltblütig als „Öko-Pelz“. Frisch und frei aus der Natur, statt aus der Zuchtfarm. Die angeblich so ökologisch korrekte Fuchspelz-Ernte werde von verantwortungsbewußten Jägern durch kontrollierte Jagd in heimischen Revieren vorgenommen. Sogar ein großer Naturschutzverband habe dazu seine Segen gegeben.
Da horchen passionierte Fuchsjäger auf. Die soll es geben – sie bezeichnen sich sogar selber so. Seit die Tollwut erloschen ist, die unzähligen Füchsen das Leben gekostet hat, sehen sie nämlich rot, fuchsrot. Nichts als Füchse, Füchse, die sich an des Jägers Beute gütlich tun wollen! Dass Reinekes Hauptnahrung aus Mäusen und anderem Kleingetier besteht, wird in Jagdkreisen geflissentlich ignoriert. Angeblich muss der „roten Freibeuter“ kurzgehalten werden, sonst ... Ja, was sonst? Durch die Öko-Pelz-Propaganda wittern Hobby-Jäger endlich wieder die Chance, ein paar Kröten für einen „reifen Fuchsbalg“ zu verdienen. Der hatte nämlich jahrelang keinen Marktwert, wurde vergraben oder landete auf dem Müll.
Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Jäger angewiesen sind, beim Hantieren mit Fuchsleichen Handschuhe und Mundschutz zu tragen, um nicht mit Eiern des für Menschen lebensbedrohlichen Fuchsbandwurms in Berührung zu kommen oder sie einzuatmen.
Wäre es möglich, dass die sogenannten Öko-Pelze auch in dieser Hinsicht nicht ganz koscher sind?
Inzwischen machte der schon erwähnte Naturschutzverband einen etwas g'schamigen Rückzieher in Sachen „Öko-Pelz“. Offensichtlich roch es ihm ein wenig zu sehr nach Vereinnahmung durch einen geschäftstüchtigen Designer. Obwohl dessen Geschäftsidee recht gut mit der in Öko-Kreisen propagierte „nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen“ harmoniert. Im Prinzip passt doch alles: Der Fuchs ist keine vom Aussterben bedrohte Tierart, kann also bedenkenlos gnadenlos bejagt werde. Die Hobby-Jagd wird von Naturschützern in der Regel akzeptiert, solange die getöteten Wildtiere einer vernünftigen Verwertung zugeführt werden. Damit ist wohl in erster Linie der Kochtopf oder die Bratpfanne gemeint. Ob es vernünftig ist, sich Fuchsfelle um den Hals zu hängen, naja, das wäre eine Streitfrage. Trotzdem, die Nähe zu Kommerz und Luxus könnte Spender abschrecken. Die sind ja auch nicht selten der Meinung, wer sich für den Natur- und Artenschutz engagiert, dem müssen auch Tierschutzbelange am Herzen liegen. Ein Irrtum, der fatal sein kann...
Niemand, auch nicht der Mode-Schöpfer mit seiner Mickey-Maus Vorstellung von Ökologie, kann allen Ernstes der Auffassung sein, dass Pelze auf Bäumen wachsen, die man nur schütteln muß, um ihrer habhaft zu werden. Die „Pelzernte“ bedeutet immer Angst, Qual und Tod von Wildtieren. Und Füchse, aus denen Pelze werden sollen, bringt man mit Sicherheit nicht mit Schüssen um. Durchlöchert, deformiert und blutig wären sie für diesen Zweck unbrauchbar. Sie werden in Totschlagfallen gefangen, gequält, getötet. Entgegen landläufiger Meinung ist der Einsatz von Schlagfallen, diesen mittelalterlichen Folterwerkzeugen, immer noch erlaubt. Nur im Land Berlin wurden sie inzwischen verboten. Aber auch Lebendfallen sind nicht „tierfreundlicher“. Denn auch hier muss das gefangene, gestresste und oft vor Angst halb wahnsinnige Tier vom Leben zum Tod gebracht werden. Selbstverständlich nach guter jägerischer Praxis. Wie die aussieht, das ist wahrhaftig nichts für empfindsame Gemüter ...
Aber davon redet niemand. Und das macht mich fuchsteufelswild!
© Karin Hutter, 08.01.2009
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Angeblich lebt ganz Deutschland in Angst vor grunzenden Terroristen in schwarzen Kitteln. Von Plage ist die Rede und von Gefahr. Und auch die Forderung nach der Todesstrafe wird wieder laut. Sogar Exekutionen in Wohngebieten sollen kein Tabu mehr sein. Die Schlagzeilen der letzten Wochen zeigen das überdeutlich. Hier nur eine kleine Auswahl:
Über 1000 Wildschweine zum Abschuss frei
Wildschweine tyrannisieren Deutschland !
Wildschweine machen Wohngebiete unsicher
Die Wildschweine kommen
Wildschweinplage in Deutschland
Landrat fordert Wildschwein-Jagd
Schwarzkitteln geht es an den Kragen
Polizei auf Wildschweinjagd
Lange blieben sie unauffällig. Sie hausten versteckt im Dunkel der Reviere und ernährten sich von dem, was die Natur zu bieten hat. Pflanzliches wie Eicheln, Pilze, Kastanien, Bucheckern. Tierisches wie Insekten, Regenwürmer, Engerlinge, Mäuse und da und dort ein wenig Aas. Die Nachlese auf Kartoffel- oder Maisäckern war willkommene Abwechslung im Speiseplan. Immer öfter gab es allerdings ganze Wagenladungen mit Waffelbruch aus der Keksfabrik oder altbackenes Brot oder Mais satt. Das schickten wohlmeinende Spender. Nicht ganz uneigennützig und eindeutig illegal. Doch wo kein Kläger, da kein Richter. So ist das nun mal in unserem Land.
Obwohl durchaus vermehrungsfreudig, hielt sich die Zahl der wilden Schweine in Grenzen. Nach altem Sittenkodex war Sex nämlich nur mit erfahrenen Matriarchinnen erlaubt. Nur sie durften Babys in die Welt setzen. Das junge Gemüse musste sich erst noch bewähren und war mit dem Kinderkriegen noch nicht an der Reihe. Eine weise Regelung. Zudem waren die Winter lang und hart und forderten manches Opfer. Vorbei, vorbei!
Seit das ganze Jahr über zur Jagd geblasen wird, ist die alte Ordnung dahin. Es sind meist die Besten, die ins Gras beißen müssen. Die Rotten wurden auseinander gerissen, viele haben den Wald verlassen und sind auf der Flucht. Zunächst orientierungslos. Weil sie jedoch ungeheuer schlau sind, finden sie sich schnell zurecht in der Anonymität der Wohngebiete. Von wegen „Unwirtlichkeit der Städte“! Nicht selten treffen sie auf Helfeshelfer, die ihnen Unterschlupf gewähren, ihre längsgestreiften Jungen herzen und sie mit dem Notwendigsten versorgen. Dass auch das illegal ist, muss nicht extra betont werden. Sobald sich die Schwarzkittel sicher fühlen, geben sie ihre Heimlichkeit auf und scheuen nicht länger das Sonnenlicht. Sie werden tagaktiv. Und zeigen jetzt ein dermaßen verwildertes Benehmen, das jeder Beschreibung spottet:
Sie besetzen Bahn- und Schulhöfe.
Rotten sich zusammen und lagern in Parks.
Schrecken vor gefährlichen Eingriffen in den Straßenverkehr nicht zurück.
Stürzen sich todesmutig in Swimmingpools, nur um ein Bad zu nehmen.
Flanieren am hellichten Tag mitsamt ihrem Nachwuchs über Plätze und Einkaufsstraßen.
Grunzen aufdringlich, wenn man ihnen in den Weg verstellt.
Riechen streng, als würden sie jeden Tag literweise Maggi saufen.
Springen mit der Grazie der Schwergewichtigen geschickt über Stock und Stein und walzen Zäune nieder.
Ruinieren Golf- und andere Rasen.
Zerstören, was anderen heilig ist, Kleingärten, Fußballstadien, Friedhöfe.
Plündern frech Kartoffeläcker und Weinberge.
Erschrecken Omas und ihre Fiffis bei der abendlichen Gassi-Runde.
 Werden sie aber selbst erschreckt, entfernen sie sich in einem Schweinsgalopp, der die Erde beben lässt, als wäre eine Büffelherde unterwegs. In die Enge getrieben, vor allem, wenn der Nachwuchs dabei ist, greifen sie auch an und kämpfen geschickt mit äußerst scharfen Waffen. Dann kann schon mal Blut fließen.
Angeblich haben sie bereits Verletzte und zumindest einen Toten auf dem Gewissen. „Hier hängt das Killer-Schwein“, so titelte die Zeitung mit den Balken-Überschriften, als der vermeintliche Übeltäter gefasst und exekutiert war. Doch den Keiler traf keine Schuld!
Wer nämlich – wie geschehen - den Feind anschießt und verletzt, um dann im Dunkeln nachzusehen, wie's im geht, darf sich nicht wundern. Wildschweine erkennen Jäger! Das ist kein Jägerlatein! Mit ihrer hervorragend guten Nase riechen sie vermutlich auf eine Entfernung von Kilometern, Blut und Schweiß und Angst und Gier. Alles Gerüche, die wohl immer in eines Waidmanns Lodenjoppe hängen.
Dass Wildschweine zunehmend die Städte „heimsuchen“, wo sie nicht mit allen Mitteln bekämpft werden, wo das Nahrungsangebot vielseitig ist und wo es noch Zweibeiner gibt, die ihnen mit Respekt und Toleranz begegnet - wer will ihnen das verdenken? Und vielleicht lernen die wilden Schweine auch noch, was manche nie lernen: gutes Benehmen.
23.10.08
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Manches glaubt man einfach nicht, bis man es mit eigenen Augen gesehen hat. Meine Freundin Katharina zum Beispiel, Ur-Berlinerin aus dem Westteil der Stadt und eine große Tierfreundin, hatte keine Ahnung. Neulich stand sie das erste Mal am Bärenzwinger im Köllnischen Park, sah die Tiere und brach in Tränen aus. Ich bin überzeugt, wüssten viel mehr Menschen, dass in Berlin noch immer Braunbären im Zwinger gehalten werden, die öffentliche Empörung wäre riesengroß.
Sie werden ja nicht irgendwo auf dem Balkan zur Volksbelustigung präsentiert, sondern hier und heute in Berlins schicker Mitte, frei zugänglich, gleich neben dem Märkischen Museum. Und das in einer Zeit, in der der Tierschutz Verfassungsrang hat und mittelalterliche Taditionen der Vergangenheit angehören dürften.
Seit der Eröffnung dieses Bärenzwingers im Jahre 1939 hausten dort insgesamt zwölf erwachsene Tiere, die die unvorstellbare Zahl von 55 Jungen in diese beschränkte Welt setzen mussten. Was blieb ihnen anderes übrig? Die meisten Jungbären wurden an Zoos und Zirkusse im In- und Ausland verschenkt, verschickt, verschachert. Sicher wurde auch so mancher Staatsbesuch mit einem echten Berliner Wappentier bedacht. Bärenbabys sind – wie wir spätestens seit Knut wissen - sehr beliebt...
Heute gibt es nur noch Schnute und Maxi. Es sind Mutter (27) und Tochter (22). Der Vater war der Bruder der Mutter. Obwohl Bären in Gefangenschaft nicht selten 35 bis 45 Jahre alt werden, lebt Maxis Vater schon lange nicht mehr. Auch der letzte Bärenmann, Tilo, erkrankte schwer an Lymphdrüsenkrebs und wurde 2007 euthanasiert. „Eingeschläfert“ ist das nettere Wort dafür.
Die verbliebenen beiden Bärinnen trotten seit über 20 Jahren auf zwei U-förmigen Betonstreifen am Grabenrand entlang. Zehn schlurfende Schritte hin und wieder zurück. Auf Naturboden hätten sie längst eine tiefe Rinne getreten. Immer wieder werfen sie mit einer kleinen Drehung den Kopf nach hinten. Typische Stereotypien von Bären in Gefangenschaft. Ein paar Autoreifen, zwei Alu-Bierfässer, die in einer Art Kinderplanschbecken dümpeln und der Aufenthalt im Stallgebäude dienen als Abwechslung. Manchmal kommen Kinder vom nahen Spielplatz an den Grabenrand und versuchen die Bärinnen durch Schreien und Pfeifen aus ihrer Lethargie zu locken. Meist vergebens. Den Höhepunkt des Tages bildet die Fütterung um die Mittagszeit. Die ist offensichtlich gut und reichlich. Dazwischen aber herrscht gähnende Langeweile. Die paar Touristen, die sich gelegentlich in den Park verirren, den Zwinger und die Bären entdecken, ändern daran nichts.
Während sich alle Welt um das Wohlergehen eines jungen Eisbären im Berliner Zoo sorgt und jede seiner Lebensäußerungen kommentiert und dokumentiert, wird den beiden Braunbärinnen kaum öffentliche Aufmerksamkeit zuteil. Von der nahezu wortgleichen Berichterstattung der regionalen Medien, alle Jahre wieder zum Bären-Geburtstag, einmal abgesehen.
Natürlich existieren Auflagen und Vorschriften für die Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft. Die minimalen Richtwerte jedoch, nach denen beispielsweise zwei Braunbären ein Außengehege von lächerlichen 150 qm und jedem weiteren Bären 20 qm zusätzlich zugestanden wird, sind leicht einzuhalten. Angeblich werden sie im Berliner Zwinger sogar überschritten – was wiederum ein Einschreiten von Amts wegen unnötig macht. Keine Beanstandungen. Alles in bester Ordnung. Selbst eine teure Fußbodenheizung im Stall gönnte man den für Arthrose anfälligen Petzen.
Aber ist das ein Bärenleben? Reduziert auf regelmäßige Mahlzeiten, ein paar Schritte Hofgang, ab und zu Besuchszeit und ein Dach über dem Kopf? Auf Menschen angewandt, hieße das Gefängnis – und zwar lebenslänglich. Unschuldig zweimal lebenslänglich!
Ohne Zweifel: Diese Bären-Haltung ist nicht artgerecht. Das sieht jeder, der sich ein wenig Mitgefühl bewahrt hat und sich an Bilder und Filme von Braunbären im Freileben erinnert. Doch läuft die Forderung nach einer „artgerechteren“ Haltung der lebendigen Berliner Wappentiere ins Leere. Die Gefangenschaftshaltung von Braunbären – wie auch von Elefanten, Eisbären, Delfinen - kann niemals artgerecht sein. Artgerecht ist nur die Freiheit. In Zirkussen, Zoos und Zwingern geborenen Bären können nicht ausgewildert und in die Freiheit entlassen werden. Aber man kann ihnen ein besseres Leben ermöglichen. Ein Leben, in dem sie ihr zwanghaftes Verhalten verlernen und ihre arttypischen Bedürfnisse wieder entdecken und befriedigen können: die Umwelt mit allen Sinnen erleben, Natur riechen und schmecken, auf Futtersuche gehen, nach Lust und Laune baden und schwimmern, Kontakt mit Artgenossen aufnehmen, sich – auch vor Menschen - verstecken, eine Höhle graben, Winterruhe halten. Das alles kommt einem Bärenleben in freier Wildbahn schon sehr nahe.
Dass dies keine Utopie sein muss, beweisen Bärenschutzzentren in Deutschland und anderswo. Dort finden Braunbären aus schlechter Haltung ein neues Zuhause. Und auch die letzten Berliner Zwinger-Bärinnen sollten schnellstens ihre Chance bekommen auf ein paar schöne, bärige Jahre! Die haben sie wahrlich verdient!
Dann könnte aus dem Berliner Bärenzwinger das werden, was er längst schon ist: ein Bären-Museum – jedoch endlich ohne lebende Tiere. Das wäre eine echte Touristenattraktion, eine gute Werbung für Berlin und die sprichwörtliche Tierliebe der Berliner.
08.10.2008
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