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Exotenbörsen – Tiere als Wühltischware

Elf Uhr morgens in Hamm Westfalen. Stimmengewirr schlägt mir entgegen, als ich die Zentralhallen betrete. Hunderte Menschen unterhalten sich lebhaft, stehen dicht gedrängt um Verkaufsstände herum. Die Luft ist stickig. Auf den ersten Blick sind nur Köpfe und Rücken zu  erkennen. Sie versperren die Sicht auf die Ware. Nur das Blöken eines Schafes erinnert daran, was hier gehandelt wird – lebende Tiere. Ich bin bei einer Exotenbörse, das ist ein Börse, bei der Tiere aus aller Welt zum Verkauf angeboten werden. Solche Veranstaltungen finden mehrmals im Jahr statt. Bei manchen werden Reptilien und Amphibien, wie Schildkröten, kleine Frösche oder Krokodile, bei anderen Säugetiere, wie Waschbären, Affen oder Stinktiere verkauft. Heute sind es Säugetiere.

Gleich auf dem ersten Tisch sehen ich einen kleinen Gitterkäfig, an dessen Oberteil sich einige Flughunde festklammern. Flughunde sehen so ähnlich aus wie Fledermäuse. Sie sind nachtaktiv und leben zumeist in großen Kolonien bis zu einer Millionen Tiere. Die Flughunde versuchen vor sich vor dem hellen Licht, das in ihren Käfig dringt, zu verstecken. „Wildfang“ steht auf einem kleinen Hinweisschild. Bis vor kurzem haben die Tiere noch in Afrika in Palmen gelebt, bis man sie eingefangen und einmal um die halbe Welt verschickt hat, um sie bei der Exotenbörse zu verkaufen. Nicht besser ergeht es den anderen Tieren. Langohrigel aus den Steppengebieten am Rande der Sahara werden neben Gürteltieren aus Argentinien und Wüstenspringmäusen aus Marokko angeboten. Fast alle Tiere, die bei solchen Börsen verkauft werden, sind Wildtiere. Viele von Ihnen wurden aus der freien Wildbahn gefangen, manche sind auch die Nachkommen von solchen wild gefangen Tieren, doch das ändert nichts daran, dass sie anders als Hunde oder Katzen nicht an ein Leben mit dem Menschen gewöhnt sind. Sie sind Regen, Sonne und auch Stürme gewöhnt, sie sind es gewöhnt sich ihr Futter und Wasser selbst zu suchen, in luftigen Baumwipfeln, an sumpfigen Flussufern oder gar unter der Erde zu
leben. Nicht gewöhnt sind sie die Nähe des Menschen, das Eingesperrt sein in einen kleinen Käfig, das Fehlen ihrer natürlichen Umwelt. Das alles bedeutet für sie Stress. Dennoch verkauft man die Wildtiere bei Exotenbörsen in kleine Plastikdosen, Käfige oder Glaskästen gepackt. Oft fehlt sogar eine Rückzugsmöglichkeit, Futter und Wasser.

Hilflos wirkt der Blick einer kleinen Ginsterkatze. Immer wieder rennt sie aufgeregt durch ihren Käfig. Hin her, hin her. Sie versucht den Blicken der vielen Menschen zu entrinnen, kauert sich neben ihre Artgenossin. Doch die Besucher der Exotenbörse wollen die Tiere sehen. Sie stecken ihre Hände in die Käfige und schubsen die Tiere, damit diese sich bewegen. Neben mir reicht ein Händler einen kleinen Präriehund herum, um die Kunden zum Kauf anzuregen. Auch er ist ein Wildfang. Zwei Sugar-Glider wechseln den Besitzer. Der Verkäufer packt die nachtaktiven Tiere in eine kleine Plastikbox, nimmt dankend das Geld entgegen. „Und was sind das jetzt für Tiere?“ fragt der Käufer. Er weiß nicht, dass diese Tiere aus den bewaldeten, heißen Klimazonen Papua-Neu-Guineas, Indonesiens oder Australiens stammen. „Gleitbeutler“, lautet die knappe Antwort des Händlers. Wie Wühltischware werden die Tiere bei der Börse verkauft. An Menschen, die nicht wissen was sie füttern sollen, welches Klima die Tiere brauchen und welche arttypischen Bewegungsbedürfnisse die Tiere haben. Noch schlimmer geht es bei den Tierbörsen zu, bei denen Reptilien und Amphibien verkauft werden. Zumeist sitzen die Tiere in kleinen Plastikdosen, die immer wieder hochgehoben und auch geschüttelt werden. Wasser, Futter oder Rückzugsmöglichkeiten fehlen in vielen Fällen. Manche der Tiere machen einen kranken Eindruck oder haben sogar offene Wunden. Um mich herum wechseln immer mehr Tiere den Besitzer.

Mit Tüten, Schachteln und Kisten beladen verlassen die Käufer die Börse. Die frisch erworbenen Wildtiere sehen einem ungewissen Schicksal entgegen. Manche von ihnen werden schon bald sterben, da ihr neuer Halter nicht mit ihnen umzugehen weiß und sie aus Versehen verhungern, verdursten, erfrieren oder verbrennen lässt. Andere werden in einem viel zu kleinen Käfig, wahnsinnig vor Langeweile und Einsamkeit. Sie dämmern ihrem Tod entgegen. Traurig verlasse die Exotenbörse, lasse die lauten Stimmen, die Menschenmassen und die der stickigen Luft hinter mir. Ich muss an all die Tiere denken, die einem ungewissen Schicksal entgegen gehen und die, die nicht verkauft wurden und bald wieder bei einer solchen Börse landen.

Probleme bei Exotenbörsen:

  • Die Tiere werden über lange Strecken, manchmal sogar aus dem Ausland, zu den Börsen gebracht. Während des ganzen
    Transportes befinden sie sich in kleinen Dosen oder Käfigen, in denen sie sich kaum richtig bewegen können.
  • Bei der Börse sind die Tiere in kleinen Käfigen untergebracht, die ihren Bedürfnissen nicht entsprechen. Vielen
    fehlt sogar die Möglichkeit sich vor den Blicken und Berührungen der vielen Menschen zurückzuziehen.
  • Sehr viele Tiere sind Wildfänge, die extra für den Verkauf bei einer Börse aus ihrer Familie und ihrer Heimat gerissen
    wurden und ganz besonders unter der Gefangenschaft leiden.

Das könnt Ihr tun:

  • Kauft keine Wildtiere! Bittet auch Eure Freunde und Verwandte vom Kauf eines Wildtieres abzusehen. Auch wenn die Tiere noch so niedlich aussehen, sie fühlen sich nur in Freiheit und nicht bei Menschen Zuhause wohl.
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