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Elefanten – unschuldige Kettensträflinge

Übermächtig hebt sich die Silhouette einer Elefantenherde vom Rot des afrikanischen Abendhimmel ab. Gemächlich ziehen die imposanten Tiere dahin, verweilen immer wieder für einen Moment. Sie nehmen Rücksicht auf die Kälber, die miteinander
spielen. Elefantenkinder werden nicht nur von ihren Müttern umsorgt und behütet, sie stehen unter dem Schutz der ganzen Herde. Liebevoll werden sie von ihren Tanten und älteren Schwestern beschützt und erzogen. Spielerisch und ohne Furcht erkunden sie so mit unbändiger Lebensfreude ihre Welt.

Ganz anders sieht das Leben von Elefanten in Gefangenschaft aus. Als Publikumsmagneten sollen sie die Kassen von Zoos und Zirkussen füllen. Doch wie es den Tieren dabei ergeht, weiß kaum ein Besucher.

Die meiste Zeit im Zirkuswagen oder im Elefantenhaus angekettet, fristen Elefanten ein monotones Dasein, fern ihrer Heimat. Ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Wandern, Nahrungssuche, Baden, Suhlen, intensive Körperpflege, Spielen und zärtlichen Kontakte zu ihren Artgenossen können sie nicht ausleben. Soziale Gruppen, die ihr Leben in Freiheit prägen, fehlen. In vielen Zirkussen mangelt es zudem noch am Futter und Schutz vor der ungewohnten rauhen Witterung. Aber auch den Zooelefanten geht es kaum besser.

Die intelligenten Tiere leiden unter der Enge, der Monotonie und der unnatürlichen Umgebung. Sie werden darüber krank,
verhaltensgestört, ja wahnsinnig. Stereotypien, wie das ständige Weben mit dem mächtigen Kopf, sind in jedem Zoo zu beobachten.

Die meisten grauen Riesen, die heute in Gefangenschaft leben müssen, wurden in Freiheit geboren. Im Kindesalter entriss man sie ihren Müttern, um die traumatisierten Elefantenbabys – je jünger, desto begehrter – an Zoos und Zirkusse zu verkaufen. Doch bevor man sie zur Schau stellen oder mit ihnen auftreten kann, werden sie eingebrochen. So wird es genannt, wenn die Tiere mit Peitschenhieben, Futter- und Wasserentzug gefügig gemacht werden. Denn nur wenn die starken – und ganz und gar nicht
ungefährlichen Kolosse gelernt haben, sich vor „ihrem“ Menschen zu fürchten und sich ihm bedingungslos zu unterwerfen, können sie in Gefangenschaft gehalten werden. Ein Leben lang erinnert sie der Elefantenhaken des Dompteurs oder Trainers an ihre Verwundbarkeit.

Heben sie nicht auf Kommando das Bein oder den Rüssel, bohrt sich die eiserne Spitze in die hochempfindliche Haut hinter dem Ohr oder über dem Auge. Nicht selten nimmt ein so gutmütig wirkender grauer Riese schreckliche Rache an seinem Peiniger. Elefantenangriffe in Zoos und Zirkussen sind keine Seltenheit, gelangen aber kaum an die Öffentlichkeit. Es sei denn, es ist ein Todesfall zu beklagen.

Dank strengerer Schutzgesetze ist der Elefantennachschub aus freier Wildbahn nahezu versiegt. Der Asiatische als auch der Afrikanische Elefant ist vom Aussterben bedroht. Daher bemühen sich manche Zoos Elefanten zu züchten. Erhaltungszucht ist das Zauberwort. Doch so leicht mag das nicht gelingen. Zum einen mangelt es an passenden Bullen und zum anderen fehlt den oft sehr jungen unerfahrenen Müttern der Rückhalt der Sippe. Keine erfahrene Mutter beruhigt die Gebärende, keine Tanten stehen ihr zur Seite um das Kleine auf die Welt zu bringen. Allein gelassen, in einer sterilen Umgebung angekettet, nehmen viele Elefantinnen ihre Kälber nicht an. Nicht selten versuchen sie sie sogar sofort nach der Geburt zu töten. Man könnte meinen, sie wollten ihren
Kindern ein Leben in Gefangenschaft ersparen. Andere sind vom Stress geschwächt oder haben Infektionskrankheiten auf das Ungeborene übertragen, so dass ihr Baby tot zur Welt kommt. Eine der selten geglückten Elefantengeburten ist immer ein Ereignis, das von den Zoos als willkommener Werbefeldzug genutzt wird.

Die in Gefangenschaft geborenen Elefanten haben alles andere als eine glückliche Kindheit. Oftmals wurden sie von der Mutter verstoßen und müssen „künstlich“ ernährt werden. Sie wachsen ohne den Schutz einer Herde auf. Ein Ball oder ein Autoreifen soll ihnen die fehlenden Spielgefährten ersetzen. Viele Dinge, die das Leben der wilden Elefanten bestimmen und lebenswert machen, lernen diese Kleinen nie kennen. Sie schwimmen nicht durch Seen oder Flüsse, klettern nicht auf Hügel und haben keine Bäume an deren Ästen sie knabbern können. Stattdessen fallen sie in Absperrgraben, haben Fußprobleme, entzündete Gelenke, leiden und sterben an Herpes-Virusinfektionen und anderen ansteckenden Krankheiten. Nur äußerlich sind sie noch Elefanten. Traurige Botschafter ihrer Art.

Vom Leiden der Tiere unbeeindruckt, versuchen Zoos weiter zu züchten. Da Elefantenbullen in Gefangenschaft ohne aufwändige
Sicherheitsmaßnahmen kaum zu halten sind, experimentiert man seit einiger Zeit mit künstlicher Besamung. Von den Inzuchtproblemen einmal abgesehen, läuft hier ein von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenes fragwürdiges und teures Forschungsexperiment am lebenden Tier. Ein Tierversuch großen Ausmaßes zur besseren kommerziellen Nutzung einer vom Aussterben bedrohten Tierart.

animal public ist davon überzeugt, dass eine artgerechte und tierfreundliche Haltung von Elefanten in Gefangenschaft nicht möglich ist. Damit ein Ende der Zoo- und Zirkushaltung absehbar ist, fordert animal public:

  • Das Einfuhrverbot von Wildfängen aus den Ursprungsländern sowie von Zuchttieren aus anderen Staaten.
  • Das Unterlassen von Zuchtbemühungen. Ein Verbot, Elefanten im Zirkus zu halten, sie zu dressieren, mit ihnen
    aufzutreten und sie zur Schau zu stellen.
  • Die Einrichtung eines Elephant-Sanctuary, wo „ausgediente“, kranke, misshandelte oder von Behörden beschlagnahmte graue Riesen in Frieden leben können.
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