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Auffangstation statt Qualhaltung: Schimpansen aus dem Tierpark Nadermann gerettet

Organisationen animal public, Great Ape Project, PETA und Pro Wildlife erleichtert nach Kampagnenerfolg

Delbrück, 3. Dezember 2015 – Rettung für Schimpansen: Viele Jahre stand der Delbrücker Tierpark Nadermann wegen der unzureichenden Haltungsbedingungen für seine beiden Schimpansen Kaspar (32) und Uschi (34) in der Kritik. Als Anfang 2015 Pläne bekannt wurden, wonach die Menschenaffen nach China verkauft werden sollten, starteten animal public, Great Ape Project, PETA Deutschland e.V. und Pro Wildlife eine Kampagne zur Rettung der beiden Tiere. Die Tierrechts- und Artenschutzorganisationen kritisierten vor allem das zu kleine und zu dürftig ausgestattete Gehege ohne ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten sowie die von den Verantwortlichen tolerierte ständige Fütterung der stark übergewichtigen Tiere mit Süßigkeiten durch die Besucher des Parks. Im September forderten die Organisationen die Behörden erneut auf, die tierschutzwidrige Haltung zu beenden und präsentierten das Wales Ape & Monkey Sanctuary in Großbritannien als mögliche Auffangstation. Der Einsatz zeigte Wirkung: Das Geschwisterpaar verließ den Tierpark Nadermann und kam am gestrigen Mittwoch wohlbehalten in der walisischen Auffangstation an, um – auf Dauer dort untergebracht – ein schimpansengerechtes Leben fernab jeder Zurschaustellung in einem Zoo führen zu können. In der Institution leben derzeit elf Schimpansen sowie 80 andere Affen – Gibbons, Paviane, Kapuzineraffen, Meerkatzen, Tamarine u.v.m. –, die aus schlechter Haltung befreit wurden.

Great Ape Project„Die Rettung der Schimpansen aus ihrem schrecklichen Gefängnis kommt Jahre zu spät“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA Deutschland e.V. „Wir hoffen aber, dass die intelligenten Menschenaffen nun in ihrem neuen Zuhause einen schönen Lebensabend verbringen können.“

Die Tiere werden, wie Colin Goldner vom Great Ape Project ergänzt, „Schritt für Schritt mit den anderen Schimpansen bekannt gemacht, um zu sehen, mit welchen Artgenossen sie am besten zurechtkommen. Sie erhalten die bestmögliche Betreuung und das größte Maß an Freiheit und Selbstbestimmung, das ein Refugium zu bieten vermag.“

Adeline Fischer, Wildtiermanagerin von Pro Wildlife sagt: „Wir haben so lange gehofft und dafür gekämpft, dass der Tierpark die Schimpansen in eine Auffangstation gibt – endlich wurde im Sinne der Tiere entschieden!“

Der Tierpark Nadermann stand viele Jahre in der Kritik, weil der Privatzoo die behördlich vorgeschriebenen Mindesthaltungsstandards für die Schimpansen nicht erfüllen konnte. Die karge Einrichtung bot den intelligenten Menschenaffen in dem kleinen Käfig kaum Kletter- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Während der Winterzeit ist der Park geschlossen; die Tiere wurden in einem düsteren, heruntergekommenen Innenkäfig untergebracht. Nach vielen Jahren unter tierquälerischen Bedingungen weisen die Menschenaffen Symptome schwerer psychischer Störungen auf. Bewegungsmangel sowie die Fütterung mit Pommes frites und Süßigkeiten durch Besucher haben die beiden Schimpansen übergewichtig werden lassen.

Im September 2015 veröffentlichten die Organisationen ein neues Video über die Zustände im Tierpark: Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie die Tiere weiterhin ständig mit schädlichen Süßigkeiten wie Popcorn, Bonbons und Schokolade von Besuchern gefüttert werden. Zudem äußerte sich der renommierte Primatologe Professor Dr. Volker Sommer, der die Schimpansen vor Anfang Juli dieses Jahres besuchte. Der Wissenschaftler bezeichnete die Unterbringung als „Quälgehege“. Sommer fand bei den sensiblen Tieren deutliche Anzeichen einer tiefen Depression und beobachtete das anhaltende Ausrupfen selbst winziger Körperhärchen. Ähnliche Beobachtungen machte auch der Psychologe Dr. Colin Goldner, der Kaspar und Uschi seit 2011 mehrfach besuchte: „Der Zustand der beiden verschlechterte sich zusehends, sie wurden immer dicker und zeigten Symptome schwerer psychischer Belastungsstörungen.“ Goldner reiste im August nach Wales, um die Übersiedelung der Schimpansen in das Refugium einzufädeln.

 

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