Archive for Dezember 2015

Vögel in deutschen Zoos: für Schauzwecke verstümmelt

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Zoos und Tierparks versprechen ein hautnahes Naturerlebnis. Und tatsächlich scheinen viele Tiere zum Greifen nah oder kreuzen sogar die Wege der Besucher. Doch was idyllisch anmutet, ist in Wirklichkeit grausame Tierquälerei.

Wer den Tierpark Berlin besucht, dem bietet sich ein beschauliches Bild. Vollkommen frei, ohne von Gittern oder Netzen am Wegfliegen gehindert zu werden, laufen auf den Besucherwegen zahlreiche Pelikane umher. Erst auf den IMGA0021zweiten Blick fällt auf, dass mit den Tieren etwas nicht stimmt. Immer wieder breiten sie die Flügel aus, verlieren nach einigen Schlägen das Gleichgewicht, taumeln hin und her, unfähig zu fliegen.

Wie fast alle Pelikane, Flamingos, Kraniche und Störche in deutschen Zoos, wurden auch diese Vögel flugunfähig gemacht, um sie den Besuchern aus nächster Nähe präsentieren zu können.

Dabei kommen verschiedene Methoden zur Anwendung. Man unterscheidet zwischen irreversiblen Eingriffen, also solchen die sich nicht rückgängig machen lassen, und reversiblen Eingriffen, die nur eine vorübergehende Flugunfähigkeit zur Folge haben.

Zu den irreversiblen Eingriffen gehören die Amputation von Teilen des Flügels und das Herausziehen der Schwungfedern mit anschließender Verödung der Federpapillen. Diese Methoden verbietet das Tierschutzgesetz seit IMGA00441998 eindeutig. Verstöße sind als Ordnungswidrigkeit zu ahnden. Ausnahmen sind nur im Einzelfall bei Vorliegen einer tierärztlichen Indikation gestattet.

Zu den reversibel Methoden gehört das Stutzen der Schwungfedern an einem oder beiden Flügeln. Während Vögel mit beidseitig gestutzten Flügeln noch kurze Strecken fliegen können, können Vögel, denen nur ein Flügel gestutzt wurde, das Gleichgewicht im Flug nicht mehr halten und sind komplett flugunfähig.

Für die Vögel hat das weitreichende Konsequenzen. Sie sind nicht mehr in der Lage sich artgemäß (fliegend) fortzubewegen und auch die schnelle Flucht vor potentiellen Beutegreifern wird ihnen so unmöglich gemacht. So fielen im Frankfurter Zoo in nur zwei Nächten insgesamt 15 Flamingos einem Fuchs zum Opfer. Zudem haben die Flügel für Vögel über die reine Fortbewegung hinaus auch große Bedeutung für die innerartliche Kommunikation (Balz- / Drohverhalten) und Einfluss auf die Regulierung des Wärmehaushalts. Haben Vögel nicht die Möglichkeit zu fliegen, so kann dies zu Stoffwechsel- und Faktorenerkrankungen führen.

Das Stutzen der Flügel ist daher nach Ansicht von Juristen ebenfalls nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar, da hierbei eine Gewebezerstörung stattfindet und durch diesen Eingriff das Ausleben einer natürliche Verhaltensweise der Tiere (das Fliegen) über einen sehr langen Zeitraum massiv beeinträchtigt oder sogar verhindert wird. Zudem sind die Tiere durch den wiederkehrenden Eingriff erheblichem Stress ausgesetzt. In der Anfangsphase nach dem Beschneiden der Schwingen kommt es häufig zu Stürzen und damit verbundenen Verletzungen (z.B. Frakturen). Auch kann das Beschneiden Verhaltensstörungen, wie Federrupfen zur Folge haben.

Im Jahr 2015 stellte auch die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der LINKEN (Drucksache 18/3683) klar: „Beim routinemäßigen Flugunfähigmachen von Vögeln handelt es sich um eine zootechnische Maßnahme und nicht um eine „tierärztliche Indikation im Einzelfall“. Insofern verstößt eine solche Praxis gegen das Tierschutzgesetz“.

Trotzdem ist es bis heute in deutschen Zoos und Tierparks üblich insbesondere große Wasservögel flugunfähig zu machen. Nur so können die Tiere kostengünstig in großen, für die Besucher attraktiven, Freigehegen zur Schau gestellt werden.

Ihrem selbst zuerkannten Bildungsauftrag werden die zoologischen Gärten damit nicht gerecht, denn was vermittelt schon der Anblick eines Vogels, den man gewaltsam am Fliegen hindert? Wissen über das natürliche Bewegungsverhalten des Tieres oder über einen respektvollen Umgang mit fühlenden Lebewesen sicher nicht.

Wie hoch die Zahl der Vögel ist, die jährlich in deutschen Zoos verstümmelt werden, lässt sich nur schätzen. Sie wird in die Tausende gehen. Bis jetzt sind die zuständigen Veterinärbehörden tatenlos geblieben. Das wollen wir ändern.

animal public setzt sich bei den Landesregierungen dafür ein, dass das geltende Tierschutzgesetz endlich vollzogen wird.

Als Fördermitglied oder Spender können Sie uns dabei helfen!

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Mehrheit der Deutschen gegen exotische Tiere in Zoos

Mittwoch, 16. Dezember 2015

In Deutschland gibt es derzeit über 600 Zoos und Tierparks. In den letzten Jahren sind die einstmals beliebten Freizeiteinrichtungen immer mehr in die öffentliche Kritik geraten.
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Eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hat nun ergeben, dass die Hälfte der Befragten die Haltung exotischer Tiere in Zoos kritisch sieht. Unter den 1140 Teilnehmern waren es überwiegend Frauen (58%), die die Haltung z.B. von Löwen als moralisch bedenklich erachten.

Bei der Umfrage wurden die Werte bezüglich exotischer Tiere im Zirkus noch klarer. Dort finden 67 % der Befragten Vorführungen mit exotischen Tieren moralisch verwerflich.

Ein positiver Trend, der in Zukunft hoffentlich für ein Umdenken bei Politikern und Zoobesuchern sorgen wird.

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Wie erkenne ich echten Pelz?

Mittwoch, 09. Dezember 2015

Nachdem das Tragen klassischer Pelzmäntel in Europa in den letzten Jahrzehnten ziemlich verpönt und aufgrund starker Proteste rückläufig war, ist seit einigen Jahren ein trauriger Trend zu beobachten: Kleidung und Accessoires mit Pelzkragen, Pelzkapuzen, Fellbommeln und Pelzbesatz.

PelzGroße Modefirmen setzen bei ihren Kollektionen wieder auf Fell und Pelz. Viele Käufer sind sich nicht bewusst, dass dieser Pelz womöglich echt und dafür ein Tier gestorben ist. Aber wie erkenne ich nun, ob der vermeintlich unechte Kragen doch aus Echtpelz ist?

Seit 2012 gibt es die neue Europäische Textil- Kennzeichnungsverordnung. Wenn ein Kleidungsstück aus tierischen Produkten besteht, muss dies gekennzeichnet werden. Auf dem Etikett steht dann: enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs.

Steht es nicht im Etikett, kann leider dennoch Echtpelz enthalten sein. Manche Tiere werden verarbeitet und als Kunstpelz deklariert, da die Massenzucht – z.B. in China – billiger ist als echt wirkender, hochwertiger Kunstpelz.

Allein in der EU werden jedes Jahr über 32 Millionen Füchse und Nerze für die Pelzgewinnung gezüchtet. In Deutschland gibt es noch 6 Pelztierfarmen, auf denen jeweils einige Tausend Nerze auf engstem Raum gehalten und nach nur wenigen Lebensmonaten mit Autoabgasen getötet werden.

Der Test – Fake oder Fur, so erkennen Sie echten Pelz:

  1. Das Material – verjüngen sich die Haare oder sind sie gleich dick? Das Verjüngen der Haare ist ein Indiz für echten Pelz, etwa so wie sich die Haare beim Menschen auch verjüngen, wenn sie nicht frisch geschnitten sind.
  2. Pusten – pustet man ein Fell an und es bewegt sich leicht im Wind und schwingt, etwa wie beim Haustier ist es echt. Bewegt es sich schwerfällig und nicht so fein, ist es unecht.
  3. Anzünden – zündet man ein paar Haare Echtfell an, brennt und riecht es genau wie echtes Haar (z. B. Beim Menschen). Riecht und brennt es wie Plastik, entstehen kleine Klümpchen die verschmelzen, ist es unecht.
  4. Was ist drunter? – zieht man das Fell auseinander kann man entweder (Kunst-) Stoff (unechter Pelz) oder Leder (echter Pelz) finden. Gibt es zudem Unterwolle – als leicht gekräuseltes feines Haar zu erkennen – ist der Pelz echt.
  5. Nadel – durch Echtpelz ist es schwer durchzustechen, durch Kunstpelz kann man leicht mit der Nadel durchstechen.

Sollten Sie sich vor einem Kauf unsicher sein, ob der Pelz echt oder unecht ist, kaufen Sie das Kleidungsstück nicht!

So können Sie helfen:

  • Boykottieren Sie Firmen die Pelze verkaufen
  • Schreiben Sie diesen Unternehmen und fordern Sie sie auf die Pelze aus ihrem Sortiment zu nehmen
  • Klären Sie ihre Freunde und Bekannte über das Leid der Pelztiere auf
  • Unterstützen Sie die Arbeit von animal public zum Verbot der Pelzfarmen in Deutschland mit einer Spende

Firmen, die auf Echtpelz verzichten und beim „Fur Free Retailer Program“ mitmachen: Esprit, Zara, H&M, s.Oliver, COS, GEOXX, Jack Wolfsskin usw.

Firmen, die komplett auf Fell und Leder verzichten: Calvin Klein, Tommy Hilfiger, Ralph Lauren usw.

Firmen, die Echtpelz verwenden: Prada, Versace, Burberry, Gucci, Fendi, Jean Paul Gaultier, Dolce & Gabbana, Breuninger, Chanel, Marchl, Bogner usw.

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Auffangstation statt Qualhaltung: Schimpansen aus dem Tierpark Nadermann gerettet

Donnerstag, 03. Dezember 2015

Organisationen animal public, Great Ape Project, PETA und Pro Wildlife erleichtert nach Kampagnenerfolg

Delbrück, 3. Dezember 2015 – Rettung für Schimpansen: Viele Jahre stand der Delbrücker Tierpark Nadermann wegen der unzureichenden Haltungsbedingungen für seine beiden Schimpansen Kaspar (32) und Uschi (34) in der Kritik. Als Anfang 2015 Pläne bekannt wurden, wonach die Menschenaffen nach China verkauft werden sollten, starteten animal public, Great Ape Project, PETA Deutschland e.V. und Pro Wildlife eine Kampagne zur Rettung der beiden Tiere. Die Tierrechts- und Artenschutzorganisationen kritisierten vor allem das zu kleine und zu dürftig ausgestattete Gehege ohne ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten sowie die von den Verantwortlichen tolerierte ständige Fütterung der stark übergewichtigen Tiere mit Süßigkeiten durch die Besucher des Parks. Im September forderten die Organisationen die Behörden erneut auf, die tierschutzwidrige Haltung zu beenden und präsentierten das Wales Ape & Monkey Sanctuary in Großbritannien als mögliche Auffangstation. Der Einsatz zeigte Wirkung: Das Geschwisterpaar verließ den Tierpark Nadermann und kam am gestrigen Mittwoch wohlbehalten in der walisischen Auffangstation an, um – auf Dauer dort untergebracht – ein schimpansengerechtes Leben fernab jeder Zurschaustellung in einem Zoo führen zu können. In der Institution leben derzeit elf Schimpansen sowie 80 andere Affen – Gibbons, Paviane, Kapuzineraffen, Meerkatzen, Tamarine u.v.m. –, die aus schlechter Haltung befreit wurden.

Great Ape Project„Die Rettung der Schimpansen aus ihrem schrecklichen Gefängnis kommt Jahre zu spät“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA Deutschland e.V. „Wir hoffen aber, dass die intelligenten Menschenaffen nun in ihrem neuen Zuhause einen schönen Lebensabend verbringen können.“

Die Tiere werden, wie Colin Goldner vom Great Ape Project ergänzt, „Schritt für Schritt mit den anderen Schimpansen bekannt gemacht, um zu sehen, mit welchen Artgenossen sie am besten zurechtkommen. Sie erhalten die bestmögliche Betreuung und das größte Maß an Freiheit und Selbstbestimmung, das ein Refugium zu bieten vermag.“

Adeline Fischer, Wildtiermanagerin von Pro Wildlife sagt: „Wir haben so lange gehofft und dafür gekämpft, dass der Tierpark die Schimpansen in eine Auffangstation gibt – endlich wurde im Sinne der Tiere entschieden!“

Der Tierpark Nadermann stand viele Jahre in der Kritik, weil der Privatzoo die behördlich vorgeschriebenen Mindesthaltungsstandards für die Schimpansen nicht erfüllen konnte. Die karge Einrichtung bot den intelligenten Menschenaffen in dem kleinen Käfig kaum Kletter- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Während der Winterzeit ist der Park geschlossen; die Tiere wurden in einem düsteren, heruntergekommenen Innenkäfig untergebracht. Nach vielen Jahren unter tierquälerischen Bedingungen weisen die Menschenaffen Symptome schwerer psychischer Störungen auf. Bewegungsmangel sowie die Fütterung mit Pommes frites und Süßigkeiten durch Besucher haben die beiden Schimpansen übergewichtig werden lassen.

Im September 2015 veröffentlichten die Organisationen ein neues Video über die Zustände im Tierpark: Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie die Tiere weiterhin ständig mit schädlichen Süßigkeiten wie Popcorn, Bonbons und Schokolade von Besuchern gefüttert werden. Zudem äußerte sich der renommierte Primatologe Professor Dr. Volker Sommer, der die Schimpansen vor Anfang Juli dieses Jahres besuchte. Der Wissenschaftler bezeichnete die Unterbringung als „Quälgehege“. Sommer fand bei den sensiblen Tieren deutliche Anzeichen einer tiefen Depression und beobachtete das anhaltende Ausrupfen selbst winziger Körperhärchen. Ähnliche Beobachtungen machte auch der Psychologe Dr. Colin Goldner, der Kaspar und Uschi seit 2011 mehrfach besuchte: „Der Zustand der beiden verschlechterte sich zusehends, sie wurden immer dicker und zeigten Symptome schwerer psychischer Belastungsstörungen.“ Goldner reiste im August nach Wales, um die Übersiedelung der Schimpansen in das Refugium einzufädeln.

 

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