Archive for Juli 2015

Protestaktion: Kein Delfinarium in Polen

Mittwoch, 22. Juli 2015

Sam Lipman TursiopsUpdate 26.08.2015: Der polnische Umweltminister hat den Bau des ersten Delfinariums in Polen verhindert!

Am 25.08.2015 hieß es in einem offiziellen Statement vom Umweltminister Grabowski, das Ministerium wird keine Genehmigung für den Import von Delfinen erteilen.

Ausschlaggebend für die Entscheidung sind die Zustände, in denen Delfine in Gefangenschaft gehalten werden und dass sie aufgrund von schlechten Reproduktionsraten in Gefangenschaft oft aus der freien Wildbahn gefangen werden müssen.

Umweltminister Grabowski übte deutliche Kritik an kommerziellen Delfinarien, da sie nur dazu da wären Menschen zu unterhalten und zu belustigen.

Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung und möchten allen Unterstützern unserer Protestaktion herzlich danken!

 

06.08.2015 – Protestaktion

Helfen Sie uns, appellieren Sie an die politisch Verantwortlichen, um den Bau eines Delfinariums in Polen zu verhindern.

Polen ist einer der 13 EU-Staaten, in denen es kein Delfinarium gibt. Nun plant ein Investor den Bau des landesweit ersten Delfinariums in der Stadt Mszczonów.

Delfine sind sehr soziale und hochintelligente Tiere, die in sogenannten Schulen zusammenleben. Sie können Geschwindigkeiten von 55 km/h erreichen, können bis zu 300 m tief tauchen und haben Streifgebiete von 300 km². Eine artgerechte Haltung dieser Tiere in einem künstlichen Wasserbecken ist unmöglich.

In Gefangenschaft leiden Delfine unter der räumlichen Enge, der Bewegungseinschränkung, Langeweile und dem Fehlen einer natürlichen Sozialstruktur. Oft werden Tiere unterschiedlicher geografischer Herkunft oder gar unterschiedlicher Art zusammen in ein Becken gesteckt. Unter diesen Umständen entwickeln sie Verhaltensstörungen und Aggressionen, die dann mit Medikamenten wie Anti-Depressiva behandelt werden müssen.

Für das in Polen geplante Delfinarium sollen Delfine aus der Ukraine importiert werden. Die Ukraine gilt als eine der Drehscheiben für den Handel mit wildgefangenen Delfinen, zum Beispiel aus den grausamen Treibjagden in Taiji, Japan.

animal public versucht gemeinsam mit „Dolphinaria-Free Europe“ und der polnischen Gruppe „NIE! dla delfinarium“ den Bau des Delfinariums in Polen zu verhindern. Bitte helfen Sie uns dabei! Senden Sie jetzt eine Protestmail an die politisch Verantwortlichen und fordern Sie sie auf, den Bau des Delfinariums zu verhindern.

Protestaktion

Dear Sir or Madam,

we, the undersigned, hereby urge you to take all necessary actions to stop the construction of the first captive dolphin holding facility in Mszczonow, Poland.

The dolphinarium in Mszczonow is an investment that will place Poland among countries which obtain financial gain from the suffering of intelligent and sensitive animals for entertainment and educational purposes as well as under the false pretence of a greater good, i.e. Dolphin-Assisted Therapy (DAT). Meanwhile, performance shows conducted in similar facilities bring almost no educational value and constitute merely an aquatic circus. It has also been known that there is no credible scientific evidence confirming the effectiveness of DAT and numerous DAT practitioners admit that the sole purpose of such programs is to receive money from determined parents of sick children.

No dolphinarium can provide conditions, which will enable dolphins to have a healthy life and ensure their well-being. In captivity, those animals experience physical and mental suffering due to limited living space, continuous noise of music and water-filtering equipment, harmful chemicals in the water and lack of stimulation. Food is being withheld from them to force them to perform. In the wild, dolphins create extensive social relations within their relatives, while groups in dolphinaria are composed of random, unrelated individuals. Young dolphins are taken from their mothers too early for them to learn proper social interactions which later results in aggression towards their companions and human caretakers. Bored and stressed animals often suffer from stress-induced diseases, such as ulcers and lowered immunity as well as present stereotypical behavior and apathy. In order to keep them performing, it is a common practice to give them invasive medication, included psychotropic drugs. Above mentioned issues significantly affect the well-being of animals both taken from the wild and born in captivity (regardless whether animals in question are from the first or the second captive generation), as they relate to dolphin’s genotype and behavior, it’s natural instincts and needs.

According to declarations of the investor, facilities in Lithuania and Moscow were consulted to establish appropriate living conditions for captive dolphins. Whereas numerous reports from international organizations monitoring dolphinaria industry indicate that facilities in both Lithuania and Moscow violate animal well-being, including holding animals taken directly from the wild.

The dolphinarium in Mszczonow is said to hold dolphins obtained from Ukraine, which is known as the largest transfer hub for dolphins illegally taken from the wild in the bloody drive hunts in Taiji, Japan. Ukrainian dolphinaria are forced to supplement their stocks with imported animals, as breeding efforts in such facilities are highly unsuccessful. Some dolphins imported by Ukraine are further transferred to Egypt, Tunisia, Azerbaijan, Belarus and Russia. Also wild bottlenose dolphins caught in the Red Sea are sold to captivity. Despite Investor’s declarations that animals selected for the facility in Mszczonow were born in captivity, there is no way to be certain that they in fact were not taken from their natural habitat. Taking those animals and putting them in a facility in Poland, gives a clear signal to the international community that Poland condones annual drive hunts in Taiji as well as illegal wildlife trade.

In a time, when more and more dolphinaria are being closed due to changes in legislation and public outcry and the European Union aims at establishing Europe as a dolphinaria-free zone, the investment in Mszczonow is unethical, shameful and harmful for the image of both Mszczonow and Poland.

Alle Unterzeichner werden automatisch per Mail über diese und andere Protestaktionen auf dem Laufenden gehalten.

 

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Petitionsausschuss lehnt Grundrechte für Menschenaffen ab

Dienstag, 07. Juli 2015

Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags hat die Petition „Grundrechte für Menschenaffen“, die darauf abzielte, Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans als Rechtspersonen anzuerkennen, abgelehnt (Schreiben des Petitionsausschusses). „Wir hatten mit nichts anderem gerechnet, denn aus der Sicht des traditionellen christlichen Menschenbildes ist die Aufhebung der sakrosankten Trennlinie zwischen Mensch und Tier ein unerhörter Tabubruch“, erklärte der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon. Dennoch sei die Petition nicht vergeblich gewesen, „da sie die gesellschaftliche Debatte über Tierethik stark befruchtet hat.“

Schmidt-Salomon hatte die Petition, deren Text in Kooperation mit verschiedenen Tierrechtsorganisationen erarbeitet wurde, am 23. April 2014 beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags eingereicht. Zwei Wochen später, am 8. Mai 2014, stellte er sie zusammen mit der Studie „Lebenslänglich hinter Gittern – Die Wahrheit über Gorilla, Orang-Utan & Co. in deutschen Zoos“ von Colin Goldner (Leiter der deutschen Sektion des „Great Ape Project“) im Haus der Bundespressekonferenz vor. Die Pressekonferenz, an der neben Schmidt-Salomon und Goldner auch Dieter Birnbacher (Vorsitzender der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer), Eisenhart von Loeper (langjähriger Vorsitzender des Bundesverbandes „Menschen für Tierrechte“) und Laura Zodrow (Vorsitzende des Tier-und Artenschutzvereins „animal public e.V.“) teilnahmen, erzielte eine enorme, nahezu ausschließlich positive Medienresonanz (die ZEIT beispielsweise widmete dem Thema eine mehrseitige Titelgeschichte).

Umso erstaunlicher war es, dass sich der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags weigerte, die Petition zu veröffentlichen (obgleich dies eigentlich ein Standardverfahren ist). Der Ausschuss wollte die Petition sogar ohne weitere Behandlung abschließen. Michael Schmidt-Salomon setzte sich dagegen wie auch gegen die eigentümliche Begründung des Ausschusses im Juni 2014 energisch zur Wehr. In der nun, mehr als ein Jahr später erfolgten Ablehnung der Petition geht der Petitionsausschuss auf keines der Argumente ein, mit der Schmidt-Salomon die Argumentation des Ausschusses aus den Angeln gehoben hatte. „Verwundert hat mich das nicht“, erklärte der Philosoph dazu. „In der Politik zählen rationale Argumente nun einmal weniger als Interessen. Bedauerlicherweise gibt es jedoch keine starke Lobby für die Berücksichtigung evolutionsbiologischer Erkenntnisse in der Ethik, dem Recht und der Politik – wohl aber einen massiven Lobbyismus zur Aufrechterhaltung des religiös geprägten Menschen- und Weltbildes.“

Die internationale Debatte ist weiter

Auch für Colin Goldner, den Leiter des Great Ape Project in Deutschland, kam die „Ablehnung der Petition nicht unerwartet, auch wenn die Begründung nicht eben auf der Höhe des tierethischen Diskurses liegt“: „In Argentinien ist man da weiter. Dort wurden Ende 2014 per Gerichtsentscheid einem nicht-menschlichen Lebewesen, nämlich der Orang-Utan-Dame SANDRA, die im Zoo von Buenos Aires zur Schau gestellt wird, Persönlichkeitsgrundrechte zugesprochen. Kurze Zeit darauf erkannte eine Richterin des Obersten Gerichtshofes in New York zwei in einem Versuchslabor gefangengehaltene Schimpansen implizit als juristische Personen an. Sie ordnete eine Art Haftprüfung (Order to Show Cause) für die Schimpansen HERCULES und LEO an, die seit Jahren an der New Yorker Stony Brook University für biomedizinische Experimente missbraucht werden. Auch wenn das Court Hearing noch keine Entscheidung brachte, hat die Anordnung des New Yorker Gerichtes, zusammen mit dem Gerichtsentscheid in Sachen SANDRA, jetzt schon enorme Signalwirkung. Sie weist auf einen sich vollziehenden Paradigmenwandel hin, dem für das Leben tausender Menschenaffen, die bis heute in Laboren, Zirkussen und Zoos gefangen gehalten werden, existentielle Bedeutung zukommt.“

Invasive Versuche an Menschenaffen nicht kategorisch verboten

Goldner äußerte sich auch kritisch zu einer Passage in der Ablehnungsbegründung, in der es heißt, dass sich in § 23 der Tierschutz-Versuchtstierverordnung ein grundsätzliches Verbot der Verwendung von Primaten in Tierversuchen finde und Ausnahmen hiervon „insbesondere bei Menschenaffen nur in eng umschriebenen Fällen“ möglich seien: “Tatsächlich zeigt ein näherer Blick auf den Verordnungstext, dass die Genehmigung keineswegs nur in ‚eng umschriebenen Fällen‘ möglich ist, sondern dass invasiven Versuchen weiterhin Tür und Tor geöffnet sind. Es ist wohl zutreffend, dass seit November 2010 invasive Versuche an Großen Menschenaffen in den Staaten der EU nicht mehr statthaft sind (Richtlinie 2010/63/EU), allerdings gilt dies nicht kategorisch.“

„In Deutschland“, so Goldner, „dürfen nach § 23 der Tierschutz-Versuchtstierverordnung Primaten, also auch Große Menschenaffen, weiterhin verwendet werden, wenn der jeweilige Versuch folgenden Zwecken dient: a) der Grundlagenforschung, b) dem Zweck des Vorbeugens, Erkennens oder Behandelns von Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder körperlichen Beschwerden bei Menschen, die lebensbedrohlich sein können oder zu einer Verminderung der körperlichen oder geistigen Funktionsfähigkeit führen, oder der Entwicklung und Herstellung sowie Prüfung der Qualität, Wirksamkeit oder Unbedenklichkeit von Stoffen oder Produkten hinsichtlich der genannten Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit oder c) der Forschung im Hinblick auf die Erhaltung der Arten, sofern wissenschaftlich begründet dargelegt ist, dass der Zweck des Tierversuchs nicht durch die Verwendung anderer Tierarten als Primaten erreicht werden kann.“ (siehe: www.gesetze-im-internet.de/tierschversv/BJNR312600013.html)

Goldners Fazit: „Das Verbot invasiver Versuche an Primaten (bzw. an Großen Menschenaffen, die keineswegs besonders gewertet werden) kann jederzeit und auf einfachem Wege unterlaufen werden. Innerhalb der EU gilt insofern nur in Österreich und den Niederlanden ein absolutes Verbot, in Deutschland eben nicht. Es stimmt, dass in deutschen Pharma- und Forschungslabors seit mehr als 20 Jahren keine Großen Menschenaffen mehr eingesetzt wurden, dies aber nicht aus ethischen Gründen, sondern aus finanziellen (ein Schimpanse ist im ‚Verbrauch‘ sehr viel teurer als ein Makake).“

Giordano-Bruno-Stiftung wird die Forderungen des GAP weiter unterstützen

Schmidt-Salomon verdeutlichte, dass sich die Giordano-Bruno-Stiftung durch die Ablehnung der Petition nicht davon abbringen ließe, die Forderungen des Great Ape Project zu unterstützen: „Die Zeit ist reif für eine grundlegende Revision unseres Verhältnisses zu nichtmenschlichen Tieren! Die evolutionsbiologischen Befunde sind so erdrückend, dass wir auf Dauer nicht mehr an den alten anthropozentrischen Denkmustern festhalten können. Künftige Generationen werden dem Speziesismus unserer Tage wohl mit der gleichen Fassungslosigkeit begegnen, mit der wir heute auf den Rassismus und Nationalismus vergangener Epochen zurückblicken.“

Quelle: Pressemitteilung der Giordano Bruno Stiftung, 07. Juli 2015

 

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