Archive for März 2014

Weniger Wildnis im Wohnzimmer

Freitag, 28. März 2014

Deutsche Tier- und Naturschutzverbände fordern Maßnahmen gegen unkontrollierten Wildtierhandel

Berlin / München / Bonn, 20. März 2014. Zehn Tier- und Naturschutzverbände appellieren an die Bundesregierung, den Handel und die private Haltung von Wildtieren strenger zu reglementieren. In einem gemeinsamen Positionspapier verweisen die Verbände darauf, dass Deutschland in der EU der mit Abstand größte Importeur und Absatzmarkt für lebende Wildtiere ist. Sie fordern, dass keine Wildfänge mehr importiert werden dürfen, damit die Plünderung der Naturbestände für Terrarien und Aquarien aufhört. Für den Heimtiermarkt sollen nur Arten zugelassen werden, die für die Haltung in Privathand geeignet sind. Darüber hinaus kritisieren die Verbände Wildtierbörsen. Ähnliche Ziele sind im Koalitionsvertrag bereits verankert. Die Verbände verlangen nun, dass die Regierung sie zügig umsetzt.

Keine Wildfänge mehr importieren

Während es in der EU verboten ist, heimische Wildtiere einzufangen, dürfen Tierbestände in Asien, Afrika und Lateinamerika für den Heimtiermarkt in Deutschland geplündert werden. Hunderttausende wildgefangene Reptilien, Amphibien, Fische und Säugetiere werden in Deutschland legal und ohne Einschränkung verkauft – darunter sogar vom Aussterben bedrohte Arten. „Ein Importverbot für Wildfänge würde das Leben zahlloser Wildtiere retten, die während Fang, Lagerung und Transport sterben – und es würde die Gefahr reduzieren, dass invasive Arten und Krankheitserreger eingeschleppt werden“, betont Magnus Wessel, Leiter Naturschutzpolitik beim BUND. Lars Lachmann, Vogelschutzreferent des NABU, sagt: „Seit 2005 gilt in der EU bereits ein Importverbot für Wildvögel. Dies rettete Millionen Vögeln das Leben – und es bereinigte gleichzeitig den Markt in Europa. Hiesige Vogelzüchter können ihre Nachzuchten verkaufen und müssen nicht mehr mit den Dumpingpreisen für Wildfänge konkurrieren.“

Privathaltung auf geeignete Arten beschränken

Viele Wildtiere haben besonders hohe Ansprüche an Futter und Klima. „Handel und Haltung sollten auf solche Arten beschränkt werden, die in Privathand dauerhaft und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden können. So würden auch die deutschen Tierheime entlastet, die immer häufiger mit Wildtieren konfrontiert werden“, so Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund. Sie verweist auf die Niederlande und Belgien, wo bereits solche Positivlisten für Säugetiere gelten und für Reptilien vorbereitet werden.

Tierbörsen: Massenhandel mit Wildtieren

In Deutschland finden hunderte von Börsen für Wildtiere statt – darunter die weltweit größte Reptilienbörse. „Auf diesen Märkten werden Wildtiere unter üblen Bedingungen verramscht. Kommerzielle Händler umgehen dabei die strengeren Auflagen für den Zoofachhandel“, sagt Sandra Altherr von Pro Wildlife. Die Verbände kritisieren den Verkauf von Wildtieren über Börsen und fordern strenge, verbindliche Regeln.

Die Forderungen an die Bundesregierung wurden von den folgenden Organisationen (in alphabetischer Reihenfolge) unterzeichnet:

animal public
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Bund gegen den Missbrauch der Tiere
Deutscher Tierschutzbund
Menschen für Tierrechte
Naturschutzbund Deutschland (NABU)
People for the Ethical Treatment of Animals (PETA)
Pro Wildlife
The Eurogroup against Birdcrime
Vier Pfoten

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Der Bärenzwinger – Schandfleck in Berlin

Freitag, 28. März 2014

Update Oktober 2015: Am 11.10.2015 wurde Berlins letzte Zwingerbärin Schnute im Alter von 34 Jahren eingeschläfert.

Sie lebt nicht irgendwo auf dem Balkan, sondern in Berlins schicker Mitte. Die Braunbärin, gefangen gehalten als Wappentier im Bärenzwinger, gleich neben dem Märkischen Museum. Offiziell ist sie die letzte „amtierenden Berliner Stadtbärin“.

Dieser Bärenzwinger wurde im Jahre 1939 eröffnet. Seitdem hausten hier insgesamt zwölf erwachsene Tiere, die die unvorstellbare Zahl von 55 Jungen in diese enge Welt setzten. Die meisten Jungbären wurden an Zoos und Zirkusse im In- und Ausland verschenkt, verschickt, verschachert.

Nur sie ist übriggeblieben, Schnute, inzwischen 33 Jahre alt. Ihre Tochter Maxi, die sie mit dem eigenen Bruder zeugte und 1986 im Zwinger zur Welt brachte, starb vor kurzem. Die Obduktion ergab schwere inneren Blutungen, Versagen von Leber und Niere. Zudem litt sie an Arthrose, hatte eine verformte Wirbelsäule und Bandscheibenschäden. Resultat des lebenslangen Rundlaufs auf Beton. Auch bei Schnute gibt es Anzeichen von Arthrose und den typischen Stereotypien von Bären in Gefangenschaft.

Eine Befragung von etwa hundert als tierfreundlich bekannten Berlinern ergab: Die meisten hielten es nicht für möglich, dass in ihrer Mitte heute noch Bären in einem Zwinger gehalten werden; sie waren völlig ahnungslos und hatten nie etwas davon gehört. Manche erinnerten sich, etwas darüber gelesen zu haben und ein paar kannten den Bärenzwinger von früher und waren entsetzt, dass dort immer noch Tiere leben – in einer Zeit, da der Tierschutz längst Verfassungsrang hat und derlei mittelalterliche Traditionen der Vergangenheit angehören sollten.

Ohne Zweifel ist diese Haltung nicht artgerecht. Die Gefangenschaftshaltung von Braunbären kann niemals artgerecht sein. Artgerecht ist nur die Freiheit. Aber man kann Zoo-, Zirkus- und Zwingerbären aus miserabler Haltung ein besseres Leben ermöglichen. Ein Leben, in dem sie ihr zwanghaftes Verhalten verlernen und ihre arttypischen Bedürfnisse wieder entdecken und befriedigen können: die Umwelt mit allen Sinnen erleben, Natur riechen und schmecken, auf Futtersuche gehen, nach Lust und Laune baden und schwimmen, Kontakt mit Artgenossen aufnehmen, sich – auch vor Menschen – verstecken, Winterruhe halten. Dass dies keine Utopie sein muss, beweisen Bärenparks oder Bärenschutzzentren, die Tiere aus schlechter Haltung aufnehmen und ihnen ein neues Zuhause bieten.

Auf Initiative von Tierschützern haben Bärenauffangstationen seit Jahren immer wieder ihr Angebot, die Berliner Bärinnen aufzunehmen, erneuert. Dem Bezirk Mitte würden keine Kosten entstehen. Im Gegenteil, er würde zehntausende Euro Steuergelder einsparen. Nach einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus mussten nämlich Jahr für Jahr 90.000 Euro für den Zwingerunterhalt aufgewendet werden. Doch stets wurde dieses Angebot von den politisch Verantwortlichen abgelehnt. Schließlich sollte eine Expertenkommission prüfen, ob die Tiere überhaupt noch transportfähig seien. Die Antwort fiel nicht eindeutig aus – zunächst „nein“, dann eher „ja“ – oder besser „vielleicht“ …

Jetzt, wo nur noch Schnute am Leben ist, machte die grüne Fraktion in Berlin-Mitte einen letzten Vorstoß, die Bärin Schnute aus dem Zwinger zu befreien. Er wurde von SPD und CDU mehrheitlich abgelehnt. Begründung: Einen alten Baum verpflanzt man nicht.
Inzwischen verspricht der Bezirk seinen Kritikern, den Zwinger für die alte Bärin ein wenig wohnlicher zu gestalten. Geld ist freilich dafür nicht vorhanden …
© Text Karin Hutter

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Für ein Europa ohne Delfinarien

Sonntag, 23. März 2014
Laura Zimprich von animal public und Dr. Ingrid Visser von der Free Morgan Foundation im EU Parlament

Laura Zimprich von animal public und Dr. Ingrid Visser von der Free Morgan Foundation im EU Parlament (von links nach rechts)

 In dieser Woche fand in Brüssel die internationale Konferenz „Dolphinaria-Free Europe“ statt. Gemeinsam mit Tierschützern, Wissenschaftlern und ehemaligen Delfintrainern aus aller Welt haben wir dort darüber beraten, wie eine Beendigung der Haltung von Delfinen und Walen in Gefangenschaft in der EU rechtlich durchsetzbar und praktisch umsetzbar ist.
Derzeit werden in 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union rund 307 Wale und Delfine gehalten. In kleinen Pools, die nicht annähernd ausreichen ihre artgemäßen Bedürfnisse zu befriedigen, müssen sie allerlei alberne Kunststücke vorführen, mit Touristen schwimmen oder für Souvenirfotos herhalten.
Viele der Tiere sind chronisch krank, werden ständig mit Antibiotika oder Fungiziden behandelt oder erhalten zur Verhaltenskontrolle Hormonen und Psychopharmaka, um sie an die artwidrigen Haltungsbedingungen anzupassen.
In Deutschland gibt es nach der Schließung der Delfinarien in Soltau und Münster derzeit noch zwei Delfinarien, im Zoo Duisburg und im Tiergarten Nürnberg.

Eröffnung der Konferenz durch einen Vertreter der griechischen Regierung

In anderen Ländern ist man schon weiter. In 13 EU Mitgliedstaaten gibt es keine Delfinarien mehr. In Zypern, Kroatien und Slowenien ist die Haltung von Delfinen und Walen in Gefangenschaft verboten, Ungarn hat den Import von Delfinen und Griechenland jegliche Tiervorführungen untersagt.
Im Rahmen der Konferenz „Dolphinaria-Free Europe“ gab es sowohl im EU Parlament in Straßburg, als auch in Brüssel, eine Vorführung des preisgekrönten Dokumentarfilms „Blackfish“ über das Leiden von Orcas in Gefangenschaft für die EU-Abgeordneten, die Mitarbeiter der EU Kommission und Journalisten. Verschiedene Abgeordnete versprachen uns im Anschluss sich für ein Europa ohne Delfinarien einzusetzen.

Von den anwesenden Tierschutzverbänden und Wissenschaftlern wurde eine Intensivierung der Zusammenarbeit bei der Schaffung von Auffangstationen für Meeressäuger und deren Auswilderung beschlossen. Vor zwei Jahren ist es unseren Kollegen in England gelungen die zwei Delfine Misha und Tom nach jahrelanger Gefangenschaft auszuwildern. Eine bewegendes Video der ersten Momente in Freiheit finden Sie hier. Gemeinsam wollen wir erreichen, dass ihnen schon bald zahlreiche Artgenossen folgen werden.

Teilnehmer der Konferenz

Die Teilnehmer der Konferenz

animal public setzt sich schon lange für ein Ende der Delfinhaltung in Deutschland ein. Im April wird sich der Landtag in NRW mit der Zukunft des Delfinariums in Duisburg beschäftigen. Wir werden vor Ort sein. Hintergrundinformationen über die Haltung von Walen und Delfinen in Deutschland und Europa finden Sie in unserem Delfinarien-Report.

Gemeinsam mit der „Free Morgan Foundation“ engagieren wir uns für die Wiederauswilderung des Orcaweibchens „Morgan“, das vor nunmehr über drei Jahren vor der niederländischen Küste gefangen wurde, um es gesund zu pflegen und das jetzt in einem spanischen Vergnügungspark für Show-Zwecke missbraucht wird. Mehr Informationen zu dieser Kampagne finden Sie hier.

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Jagdgesetznovelle: Die Chance nutzen

Sonntag, 09. März 2014

Über Jahrzehnte haben CDU und CSU eine umfassende Novellierung des Bundesjagdgesetzes verhindert. Eine andere Politik ist auch von der großen Koalition nicht zu erwarten. Seit der Föderalismusreform dürfen jedoch die Bundesländer eigene, vom Bundesjagdgesetz abweichende, Jagdgesetze erlassen. Die rot-grünen Koalitionen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben mit der Überarbeitung der jeweiligen Landesjagdgesetze begonnen. Einbezogen werden in die Diskussionen erstmals auch Tierschutzverbände wie animal public.

Der Widerstand der Jägerschaft ist massiv. Unsachlich, selbstgerecht und aggressiv wettern sie gegen Kritiker in der Politik, den Medien und gegen Tierschutzverbände. Dem ist auch animal public e.V. ausgesetzt, seit die erste Vorsitzende Laura Zimprich sich in einer MDR Reportage kritisch zur Jagd geäußert hat. Doch davon lassen wir uns nicht einschüchtern. Wir werden die Chance nutzen und entschieden für eine umfassende Novellierung des Jagdrechts zu Gunsten des Tierschutzes kämpfen, an den Verhandlungstischen und in der Öffentlichkeit.

Über 5 Millionen Wildtiere werden in Deutschland jährlich von Hobbyjägern getötet. Dabei finden Jagdmethoden Anwendung, die dem heutigen Tier- und Naturschutzverständnis absolut zuwider laufen.
So werden Schwarmvögel im Flug mit Schrot beschossen. Welcher Vogel wie getroffen wird, ist ein reines Glücksspiel. Rund 30% der Tiere werden nur angeschossen und quälen sich über Tage oder Wochen mit zerschossenen Knochen und giftigem Blei im Körper.
In Fuchs- und Dachsbauten werden speziell abgerichtete Hunde gehetzt, um die Tiere dem wartenden Jäger vor die Flinte zu treiben. Ausgebildet werden die Hunde in so genannten Schliefanlagen, wo sie in künstlichen Bauen auf einen lebenden Fuchs gehetzt werden.
Vielfach setzen Jäger gezüchtete Fasane und Enten, die nicht an ein Leben in der freien Natur gewöhnt sind, eigens aus, um sie nach wenigen Wochen in Freiheit als lebende Zielscheibe zu nutzen.
Auch ist es Jägern bis heute erlaubt „wildernde“ Hunde und „streunende“ Katzen zu erschießen. Es liegt dabei in ihrem Ermessen, wann sie ein Haustier als streunend oder wildernd ansehen. Jedes Jahr sterben deshalb in Deutschland tausende Haustiere durch Jägerhand.

Dies sind nur einige wenige der Jagdpraktiken, die aus Sicht von animal public sofort verboten werden müssen.

Mit freundlicher Unterstützung von „LUSH“ hat animal public ein Informationsflugblatt zum Thema Jagd veröffentlicht. Damit wollen wir anlässlich der aktuellen Debatte über die Novellierung des Jagdrechts in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg über die bis heute gebräuchlichen tierschutzwidrigen Jagdmethoden aufklären. Bitte helfen Sie mit, das Flugblatt zu verbreiten und möglichst viele Menschen zu informieren.

Das Flugblatt kann ab sofort über unseren Onlineshop bezogen werden.

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