Archive for Februar 2014

Wildtiere gehören nicht ins Wohnzimmer – artgerecht ist nur die Freiheit

Samstag, 22. Februar 2014

Seit einigen Jahren nimmt in Deutschland die private Exotenhaltung kontinuierlich zu. Statt Hund, Katze oder Meerschweinchen schaffen sich immer mehr Menschen Pythons, Bartagamen oder Chamäleons an. Verbunden sind damit erhebliche Probleme und Gefahren.

Eine artgerechte Haltung ist nicht möglich

Wildtiere haben sich nicht wie Hunde oder Katzen über Jahrtausende an ein Leben in der Nähe des Menschen gewöhnt. Sie sind unabhängig vom Menschen ausschließlich an ihren natürlichen, teilweise viele Quadratkilometer großen Lebensraum und die dort herrschenden Bedingungen angepasst – sei es extreme Hitze oder Kälte, Trockenheit oder hohe Luftfeuchtigkeit, starke Klimaschwankungen übers Jahr oder gar an einem einzigen Tag, dichter Regenwald oder sandige Wüste. Wildtiere sind im Laufe ihrer Evolution zu hoch spezialisierten Jägern oder Meistern der Tarnung geworden. Solche „Naturburschen“ kann man in den künstlichen und eng begrenzten Ersatzlebensräumen, die ihnen Käfige, Terrarien oder Aquarien bieten, niemals wirklich artgerecht halten. Kein Käfig kann jemals die Freiheit ersetzen!

Tierquälerei durch Fang, Transport und Vermarktung

Jedes Jahr werden Millionen von exotischen Wildtieren nach Deutschland importiert. Viele dieser Tiere wurden nicht in Gefangenschaft nachgezüchtet, sondern mit brutalen Methoden wie Fallen, Leimruten oder sogar Gift aus ihrem natürlichen Lebensraum herausgerissen. Dem Schock der Gefangennahme folgt der Stress des oft mehrere Wochen oder sogar Monate dauernden Transports vom Fänger über Zwischenhändler, Exporteur und Importeur. Der weitestgehend unkontrollierte Handel mit exotischen Wildtieren innerhalb Deutschlands erfolgt größtenteils über Kleinanzeigen, im Internet und über so genannten Exotenbörsen. In kleinen Plastikboxen, in denen sonst Essen am Imbiss verkauft wird, werden die Tiere zu diesen Börsen transportiert und dort wie Wühltischware feilgeboten. Um sie herum eine ungewohnte Geräusch- und Geruchskulisse, grelles Licht, Menschenmassen, keine Möglichkeit zum Verstecken oder zur Flucht. Manche Händler reisen mitden derart verpackten Tieren von Börse zu Börse, bis die Ware Tier verkauft oder tot ist. Je nach Art sterben bis zu 50 Prozent der in freier Wildbahn gefangenen Tiere auf dem Weg zum neuen Halter!

Ausrottung seltener Arten

Foto: Hauptzollamt RosenheimIn den vergangenen Jahren sind weltweit 869 Wildtierarten ausgestorben. Weitere 44.838 Tierarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN (International Union for Conservation of Nature). Fast 38 Prozent dieser Rote-Liste-Arten sind akut vom Aussterben bedroht. Doch gerade die seltenen Tierarten, die unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens stehen und eigentlich nicht gehandelt werden dürfen, sind bei Sammlern besonders begehrt und erzielen auf dem Schwarzmarkt horrende Preise. Die skrupellose Sammelleidenschaft fördert den illegalen Handel mit gefährdeten Wildtierarten und trägt zu deren Ausrottung bei!

Gefahr für die Bevölkerung

Schätzungen zufolge werden in Deutschland derzeit ca. 100.000 Gift- und 200.000 Riesenschlangen gehalten. Hinzu kommen unzählige giftige Skorpione und Spinnen. Nach Angaben verschiedener Giftnotzentralen nimmt die Zahl der Unfälle mit exotischen Gifttieren in alarmierender Weise zu. Neben Klapperschlangenbissen melden Giftambulanzen immer häufiger Verletzungen durch Skorpione, Vogelspinnen und giftige Aquarienfische. Die Dunkelziffer ist enorm, da Stiche von Aquarienfischen oder Bisse von Vogelspinnen nicht meldepflichtig sind und die Halter häufig nicht zum Arzt gehen. Trotzdem gibt es immer noch in 10 der insgesamt 16 Bundesländer keine Regelungen zur privaten Haltung gefährlicher Wildtiere. Exotische Wildtiere können Menschen durch Gift, Verhalten oder Körperkraft erheblich verletzen!

Gefahr der Krankheitsübertragung

Wildtiere können Träger von Krankheitserregern sein, die teilweise auch auf den Menschen übertragbar sind (Zoonosen). Neben verschiedenen Viren, Pilzen und Parasiten darf vor allem die Infektionsgefahr mit Salmonellen nicht unterschätzt werden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zu 75 Prozent der hierzulande gehaltenen Reptilien mit unterschiedlichen Salmonellenarten infiziert sind. Ohne selbst Symptome zu zeigen, scheiden die Tiere dennoch permanent die Erreger über den Kot aus. Besonders gefährdet sind kleine Kinder, schwangere Frauen und alte Menschen. In England und den USA kam es bereits zu Todesfällen. So starben mehrere Kinder, nachdem sie sich bei den zu Hause gehaltenen Reptilien mit Salmonellen infiziert hatten. Das Robert-Koch-Institut rät daher, in Haushalten mit Kindern unter fünf Jahren generell keine Reptilien zu halten. Der unprofessionelle Umgang mit exotischen Wildtieren stellt immer ein potenziell hohes Gesundheitsrisiko dar!

Unüberlegt angeschafft und dann ausgesetzt

Foto: PolizeiSpontan gekaufte exotische Wildtiere sind ihren Haltern meist schnell lästig, wenn sie etwa zu groß oder zu teuer werden. Häufig „entsorgt“ man diese Tiere einfach durch Aussetzen. Zoos und Botanische Gärten sind beliebte Orte, um ungeliebte Tiere los zu werden. Geeignete Auffangstationen und Tierheime sind selten und aufgrund der großen Anzahl an „Fundtieren“ heillos überfüllt. Werden nicht mehr gewollte Exoten gar in der freien Natur ausgesetzt, haben viele keine Überlebenschance, da sie unser Klima nicht vertragen und keine geeignete Nahrung finden. Nur sehr anpassungsfähige fremdländische Wildtiere wie Halsbandsittich, Schmuckschildkröte und Streifenhörnchen können die hiesigen Winter überstehen und sich mitunter sogar vermehren, wodurch unser ökologisches Gleichgewicht gefährdet wird und heimische Tierarten verdrängt werden können. Die Ausbreitung dieser tierischen Neubürger (Neozoen) gilt mittlerweile nach der Zerstörung von Lebensräumen als zweitwichtigste Ursache des weltweiten Artensterbens. In Deutschland sind bislang 163 Vogel- und 22 Säugetier-Neozoenarten bekannt. Das Aussetzen von exotischen Wildtieren insgesamt und speziell in der Natur ist verboten und verantwortungslos: Es gefährdet unsere heimische Fauna und das Leben des Tieres selbst!

Aus Sicht des Tier- und Artenschutzes gibt es nur eine Lösung für diese Probleme: Die Haltung von exotischen Wildtieren in Privathand muss gesetzlich verboten werden.

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Protest gegen Giraffen-Tötung

Montag, 10. Februar 2014

animal public fordert: Keine weitere Tötung gesunder Giraffen

Trotz massiver Proteste wurde am Sonntag, den 09.02.2014, der erst eineinhalb Jahre alte Giraffenbulle „Marius“ im Kopenhagener Zoo in Dänemark getötet. Vor den Augen zahlreicher Kinder zerstückelte man „Marius“, um ihn den Löwen zum Fraß vorzuwerfen.

Grund für die Tötung des vollkommen gesunden Tieres war: es passte nicht in das Zuchtprogramm der Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA). Nach Angaben der EAZA war keiner der 300 Mitgliedzoos bereit das Tier aufzunehmen, da sie alle Giraffen mit ähnlichem Genmaterial hätten.

Fakt ist, dass…

  • die Zuchtprogramme der EAZA freiwillige Vereinbarungen sind, die weder von unabhängigen Wissenschaftlern, noch von staatlicher Stelle kontrolliert werden und damit auch keine hinreichende Begründung für die Tötung eines gesunden Tieres darstellen.
  • lediglich ca. 8% der Zoos- und Tierparks in Europa der EAZA angehören. Es also Tausende gegeben hätte, die „Marius“ auch hätten aufnehmen können. Einige Angebote sollen dem Zoo sogar vorgelegen haben und nicht berücksichtigt worden sein.
  • Giraffen auch in Bullengruppen gehalten werden können. Eine Unterbringung wäre daher auch in einem EAZA Zoo problemlos möglich gewesen, wenn man gewollt hätte.
  • im Rahmen des EAZA Zuchtprogramms 825 Giraffen gehalten werden, davon sind 138 Unterart-Hybriden und bei 48 ist der Unterart-Status unbekannt (Stand 2013). Damit sind fast ein viertel der Tiere ohnehin nicht für die so genannte Arterhaltungszucht geeignet.

Das Zuchtbuch für Giraffen wird im ZOOM Gelsenkirchen geführt. Dort wird mitentschieden, was mit den Giraffen in den EAZA Zoos passiert.

Wir fordern vom EEP Koordinator, dass keine weitere gesunde Giraffe getötet wird.

Bitte unterstützen Sie unseren Protest und senden Sie eine Mail an den EEP Koordinator.

Protestmail———————————————————————————————————–

ZOOM Erlebniswelt / EEP Koordinator für Giraffen

Sehr geehrter Herr Jebram,

mit Empörung habe ich zur Kenntnis genommen, dass im Zoo Kopenhagen in Dänemark ein vollkommen gesunder Giraffenbulle getötet wurde, angeblich weil die Gefahr der Inzucht bestanden hätte, wäre das Tier in einem anderen EAZA Zoo untergebracht worden.

Die Tötung eines Tieres, nur weil es nicht in ein Zuchtprogramm passt, halte ich für moralisch verwerflich. Der Zoo Kopenhagen und die EAZA hätten für „Marius“, der bewusst gezüchtet wurde und mit dessen Zurschaustellung man bereits gutes Geld verdient hat, einen geeigneten Platz finden oder schaffen müssen. Verschiedene Zoos sollen sogar angeboten haben „Marius“ aufzunehmen.

Als Führer des EEP Zuchtbuchs für Giraffen, wäre es Ihre Aufgabe gewesen dafür Sorge zu tragen, dass erst gar keine unerwünschte Giraffe wie „Marius“ gezüchtet wird und wenn Ihnen dennoch ein Fehler unterläuft, dass das Tier artgemäß untergebracht wird.

Ich halte es für nicht hinnehmbar, dass ein gesundes Tiere eine nicht funktionierende Zuchtpolitik mit dem Leben bezahlen musste.

Ich fordere Sie hiermit auf, dafür Sorge zu tragen, dass keine weiteren im Rahmen der EAZA gezüchteten Giraffen getötet werden, weil sie unerwünscht sind.

Mit freundlichen Grüßen






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Jagdskandal muss Konsequenzen haben!

Montag, 03. Februar 2014

Wedekind posiert hinter dem erschossenen Elefanten

Am 06. Dezember 2013 schoss Dr. Udo Wedekind, Zentralabteilungsleiter im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz, bei einer Trophäenjagd in Botswana einen Elefanten. Fotos des Tieres, auf das er nach Recherchen des SPIEGEL rund 20 mal schoss, da es immer wieder versuchte schwer verletzt zu flüchten, verschickte er stolz an seine Arbeitskollegen im Umweltministerium.

Aus Sicht von animal public ist es nicht hinnehmbar, dass ein führender Mitarbeiter eines für den Artenschutz zuständigen Ministeriums sich in kolonialer Manier als Trophäenjäger betätigt und in seiner Freizeit seltene Tiere zum Spaß tötet. Wir fürchten, dass dieser Ministeriumsmitarbeiter sich nicht in geeigneter Weise für den Artenschutz in Thüringen einsetzt.

Wir fordern daher vom zuständigen Umweltminister Reinholz die sofortige Suspendierung Wedekinds. Bitte unterstützt uns dabei und sendet eine Protestmail an den Minister.

UPDATE – 03.02.2014 – 17:00 Uhr – Minister nimmt Wedekind aus Schusslinie

Nachdem die „Thüringer Allgemeine“ über einen weiteren Jagdskandal im Thüringer Umweltministerium berichtet hat, wurde Dr. Wedekind in die Landesanstalt für Landwirtschaft versetzt. Diese soll der Beamte mit B6-Besoldung (etwa 8500 Euro brutto monatlich) zukünftig als Präsident leiten. Die Landesanstalt für Landwirtschaft beschäftig sich unter anderem mit Fragen des Tierschutzes.

Wirkliche Konsequenzen sehen anders aus! Durch die Versetzung in eine andere leitende Position hat Minister Reinholz den Großwildjäger Dr. Wedekind lediglich aus der Schusslinie genommen. Aus Sicht von animal public wird dies der Tragweite des Skandals nicht gerecht. Wir werden unsere Protestaktion daher fortsetzen. 

UPDATE – 08.02.2014 – Minister beurlaubt Wedekind

Aufgrund der anhaltenden Proteste wurde Dr. Wedekind am Freitag, den 07.02.2014, beurlaubt. Das Ministerium prüft, ob er sich eines Dienstvergehens schuldig gemacht hat. – Die Protestaktion ist daher beendet.

 

Protestmail—————————————————————————————-

Betreff: Jagdskandal muss Konsequenzen haben

Sehr geehrter Herr Minister Reinholz,

mit großer Empörung habe ich erfahren, dass Dr. Udo Wedekind, ein Ihnen unterstellter hochrangiger Beamter, sich als Großwildjäger betätigt und gegenüber seinen Kollegen mit dem Abschuss eines Elefanten brüstete. Laut verschiedener Medienberichte hat er das Tier Ende letzten Jahres in Botswana erschossen. Im Internet veröffentlichte Fotos zeigen ihn, wie er neben dem toten Tier posiert.

Die Trophäenjagd auf seltene, teilweise hoch bedrohte Tierarten ist weder mit dem Tier-, noch mit dem Artenschutz vereinbar. Für viel Geld werden von den ausländischen Jagdtouristen besonders stattliche Exemplare erschossen. Diese widernatürliche "Auslese" hat fatale Folgen für das Überleben der Population.

Als Abteilungsleiter eines für den Artenschutz zuständigen Ministeriums sollte Herrn Dr. Wedekind zudem bewusst gewesen sein, dass Afrikanischen Elefanten hoch bedroht sind. Fast zeitgleich mit seiner Jagd hat die Regierung in Botswana daher beschlossen 2014 keine touristischen Jagdlizenzen mehr für Großwild zu vergeben.

Die Äußerungen von Herrn Wedekind gegenüber der Presse sind an Unsensibilität kaum zu übertreffen. So sagt er gegenüber der TLZ, das von ihm versandte Foto gleiche dem Gipfelfoto eines Bergsteigers und wies Kritik am Abschuss des Elefanten mit den Worten „Der nächste meint dann, dass es unmoralisch ist, Briefmarken abzulochen“ zurück.

Dass ein führender Mitarbeiter eines deutschen Umweltministerium sich in seiner Freizeit in kolonialer Manier als Trophäenjäger betätigt, hat weltweit für Negativschlagzeilen gesorgt. Dies hat dem Ansehen Ihres Ministeriums und den Umwelt- und Artenschutzbemühungen unseres Landes geschadet.

Herrn Dr. Wedekind nun zum Präsidenten der Landesanstalt für Landwirtschaft zu machen, halte ich für keine angemessene Reaktion! Insbesondere finde ich es sehr enttäuschend, dass Sie als für den Umwelt- und Artenschutz zuständiger Minister bislang nicht eindeutig Position zu diesem Vorfall bezogen haben.

Ich fordere Sie daher auf, endlich ernst zu nehmende Konsequenzen aus diesem Skandal zu ziehen.

Mit freundlichen Grüßen






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