Archive for Juni 2013

Deutsche Zoos verstoßen gegen EU-Zoorichtlinie

Mittwoch, 05. Juni 2013

Am 05. Juni 2013 haben die Tierschutzorganisationen animal public e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und Born Free Foundation im Europäischen Parlament in Brüssel einen im Auftrag von ENDCAP erstellten Report zur Zootierhaltung in Deutschland vorgestellt. Der im Rahmen der EU Zoo Inquiry 2011 erstellte Report zeigt auf, dass deutsche Zoos nicht hinreichend den Anforderungen der EU-Zoorichtlinie genügen.

In der Europäischen Union müssen Zoos seit 2002 die Vorgaben der EU-Zoorichtlinie (Richtlinie 1999/22/EG) erfüllen. Diese schreibt vor, dass Zoos einen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten und zur Aufklärung der Öffentlichkeit leisten müssen und ihre Tiere in artgerecht ausgestalten Gehegen zu halten haben. Im Rahmen der vom Tierschutznetzwerk ENDCAP in Auftrag gegebenen EU Zoo Inquiry 2011 (
www.euzooinquiry.eu) wurde untersucht, ob die Zoos in der EU diese Maßgaben erfüllen. Dafür wurden rund 200 zoologischen Gärten in 21 Mitgliedstaaten besucht, darunter auch 25 zufällig ausgewählte Einrichtungen in Deutschland.

Am 05. Juni 2013 stellten die Tierschutzorganisationen animal public e.V., Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und Born Free Foundation im Europäischen Parlament in Brüssel den Report mit den Ergebnissen der Untersuchung in Deutschland vor.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass der Beitrag deutscher Zoos zum Schutz bedrohter Arten deutlich geringer ist, als man annehmen mag. Die Mehrheit der gehaltenen Arten in den 25 deutschen Zoos haben kaum oder gar keine Priorität für den Artenschutz. Nur 14,92% der Arten gelten als global gefährdet, und speziell sind nur 2% auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN als „vom Aussterben bedroht“ kategorisiert. Zudem erfüllt etwa die Hälfte der von uns untersuchten Tiergehege nicht die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Tierart. In drei der 25 Zoos waren die Haltungsumstände bzw. der Gesundheitszustand bestimmter Tiere derart besorgniserregend, dass schon während der Untersuchung die zuständigen Veterinärbehörden informiert wurden.

Bedenklich ist aus Sicht der Tierschutzverbände, dass es in vielen Zoos dem Publikum möglich ist Tiere unkontrolliert zu füttern und bedrohte Wildtierarten für zirkusähnliche Shows genutzt werden. Diese Aktivitäten laufen dem Bildungsauftrag der Zoos zuwider. Sie vermitteln so einen vollkommen falschen Eindruck vom natürlichen Verhalten der Tiere und gefährden mitunter sogar Besucher und Tiere.

 animal public e.V., sieht nicht nur die Zoobetreiber, sondern auch die Bundes- und Landesregierungen in der Verantwortung. Um einen effektiven und einheitlichen Vollzug des Tier- und Artenschutzrechts zu gewährleisten, braucht es konkrete, rechtsverbindliche Haltungsvorgaben, die dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung entsprechen. Die Verbände fordern zudem einheitliche Verfahrensregelungen, die die Vorgaben der EU-Zoorichtlinie bzw. des Bundesnaturschutzgesetzes konkretisieren, damit gewährleistet werden kann, dass die Zoos ihrem Auftrag hinsichtlich ihrer Artenschutz- und Bildungsverpflichtungen gerecht werden.

Die Organisationen hoffen, dass die Ergebnisse der kostenintensiven und langwierigen Untersuchung dazu beitragen werden, dass die EU-Kommission und die Bundesregierung geeignete Maßnahmen treffen, um sicherzustellen, dass zukünftig alle deutschen Zoos zumindest die Anforderungen der EU-Zoorichtlinie erfüllen.

Bärenhaltung in Calbe

Bärenhaltung in Calbe

 

Großkatzenhaltung im Tierpark Berlin

Großkatzenhaltung im Tierpark Berlin

Löwe im Eifel-Zoo

Löwe im Eifel-Zoo

Elefantenreiten in einem deutschen Tierpark

Elefantenreiten in einem deutschen Tierpark

Artwidrige Papageienhaltung

Artwidrige Papageienhaltung

 

Beschriftung eines Tiergeheges

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Tierschützer empört über VDZ

Dienstag, 04. Juni 2013

Düsseldorf/Berlin, 08.06.2013 – Am 05. Juni veröffentlichten die Tierschutzorganisationen animal public e.V., Born Free Foundation und Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. in Brüssel einen Report über die mangelhafte Umsetzung der EU-Zoorichtlinie in Deutschland. Dass der Verband Deutscher Zoodirektoren (VDZ) nun in einer Pressemitteilung die Studie anzweifelt, statt sich sachlich mit den Kritikpunkten auseinander zu setzen, empört die Tierschützer.

In der Europäischen Union müssen seit 2002 alle Zoos die Vorgaben der EU-Zoorichtlinie (Richtlinie 1999/22/EG) erfüllen. In den letzten vier Jahren hat das Tierschutznetzwerk ENDCAP im Rahmen einer großangelegten Studie (www.euzooinquiry.eu) in verschiedenen europäischen Mitgliedstaaten untersucht, ob diese Richtlinie umgesetzt wird. Auch in Deutschland wurden 25 zufällig ausgewählte Zoos mit insgesamt 1974 Gehegen in Augenschein genommen.

Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Rund die Hälfte der untersuchten Tiergehege sind nicht geeignet die spezifischen Bedürfnisse der darin gehaltenen Tierart zu erfüllen. Sogar vom Bundesverbraucherschutzministerium veröffentlichte Mindestvorgaben werden bei 31% der Gehege nicht eingehalten. Schlecht schneiden die Zoos auch hinsichtlich ihres Beitrags zum Schutz bedrohter Arten und der Aufklärung der Öffentlichkeit ab. In den 25 untersuchten Zoos waren nur 2% der gezeigten Arten von der IUCN als vom „Aussterben bedroht“ gelistet.

Der Verband Deutscher Zoodirektoren hat in einer Pressemitteilung auf die Kritik reagiert. Darin zweifelt er die Objektivität und Wissenschaftlichkeit der Untersuchung an. Aus Sicht der Tierschutzverbände empörend. Laura Zimprich, Sprecherin von animal public e.V., erklärt: „Der Verband Deutscher Zoodirektoren verhindert so eine sachliche Auseinandersetzung mit diesem Thema und somit auch dringend notwendige Verbesserungen zum Wohl der Tiere.“

Daniel Turner, Projektmanager der „EU Zoo Inquiry“ und Mitarbeiter der englischen Tierschutzorganisation Born Free erklärt: „Ich bin nicht überrascht über die unbegründeten Anschuldigungen des VDZ. Um es klar zu sagen, die EU-Zoorichtlinie schreibt vor, dass Zoos ihre Tiere unter Bedingungen halten müssen, die ihren biologischen und den Erhaltungsbedürfnissen der jeweiligen Art Rechnung tragen. Die Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen, dass Tiere nicht unter angemessenen Bedingungen gehalten werden. Die Richtlinie fordert ferner, dass alle Zoos zum Artenschutz beitragen und das Bewusstsein der Öffentlichkeit in Bezug auf den Erhalt der biologischen Vielfalt fördern. Unsere Untersuchung zeigt, dass deutsche Zoos keinen signifikanten Beitrag zur Arterhaltung leisten und Papageien Fahrrad fahren zu lassen, ist sicherlich kein guter Beitrag um das Bewusstsein der Öffentlichkeit über den Erhalt der biologischen Vielfalt zu fördern. Wir empfehlen, dass der VDZ die Aktivitäten der Zoos sorgfältig untersucht, bevor er unsere Untersuchungsergebnisse kritisiert.“

Die Behauptung des VDZ, dass der Verband auftretende Missstände anprangern und sich konsequent für Verbesserungen einsetzen würde, halten die Tierschutzverbände für nicht glaubhaft. Gerade der VDZ Mitgliedszoo „Tierpark Berlin“ schnitt in der Untersuchung besonders schlecht ab.Dort wurden nicht nur unstrukturierte Käfige ohne Rückzugsmöglichkeiten dokumentiert, sondern auch extrem verhaltensgestörte Bären (Video http://www.youtube.com/watch?v=YMWUPinPhbo) und widerrechtlich kupierte Vögel.

Die mangelnde Bereitschaft des Verbands Deutscher Zoodirektoren sich mit den Untersuchungsergebnissen sachlich auseinander zu setzen, macht deutlich, wie wichtig es ist, dass die Zootierhaltung strenger reguliert und kontrolliert wird“, so Laura Zimprich.

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