Archive for Juni 2011

Jagd und Jäger ins Museum

Freitag, 10. Juni 2011

Die Jäger sehen sich heute gern in der Rolle des Gipfelraubtiers, das regulierend in den Wildbestand eingreifen muss, zumal es “seit Jahrhunderten ein Faktum (ist), dass in Mitteleuropa das Grossraubwild verschwunden ist.” Jägerlatein! Gerade diejenigen, die die Jagd als Kulturgut verteidigen, haben ein kurzes Gedächtnis.

Verschwunden? Wer trägt denn die geschichtliche Schuld an der restlosen und großflächigen Ausrottung von Bär, Luchs, Wolf und Gänsegeier in Deutschland? Doch wohl die Jäger wer sonst? Jäger haben 1847 im Bayerischen Wald den letzten Wolf erschossen und noch 1871 im Bezirk Koblenz die Schussgelder für 26 Wölfe kassiert. – Verschwunden!

Heutzutage pirschen an die 340.000 Ersatzwölfe ohne jede Scheu durch unsere Landschaft und sind auf Beute aus. Ausgerüstet mit modernsten Waffen, geländegängigen Fahrzeugen und präzisen optischen Geräten. Eine bewaffnete Truppe hält nahezu alles besetzt, was an Natur noch übriggeblieben ist. Von der Nordsee bis zu den Alpen. In den Revieren, abgeschottet und unter ihresgleichen, ausgestattet mit Sonderrechten, wie kein anderer Amateursportverband, geht sie ihrem liebsten Freizeitvergnügen nach: Dem Nachstellen und Töten von Tieren.

Eine kleine, geschlossene Gesellschaft maßt sich an, einen beträchtlichen Teil unserer freilebenden “wilden” Säugetiere und Vögel für sich zu beanspruchen. Mit dem einzigen Ziel: Die (Jagd)Leidenschaft oder den (Jagd)Trieb zu befriedigen. Dazu braucht der Jäger von echtem Schrot und Korn vor allem Pulver, Blei und Falle, Futtersack und dressierte Hunde. Ganz nebenbei wird nach Gutdünken gehegt und reguliert, ausgesetzt und angesiedelt, gezüchtet und kurzgehalten, um dann das aus den Fugen geratene biologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Nach Jagdherrenart, versteht sich. Sollten nationale Schutzgesetze der Jagdpassion Grenzen setzen, schießt man im “unterentwickelten” Ausland.

Heutzutage ist Jagd weder ein notwendiges Handwerk noch ein erhaltenswertes Kulturgut oder gar ein Grundrecht, wie das die deutschen Hobbyjäger gerne behaupten. Jagd ist in unseren Breiten nichts anderes als eine Freizeitbeschäftigung einer kleinen, aber einflussreichen Interessengruppe. Sie wendet für das Recht, Wildtiere töten zu DÜRFEN, beträchtliche finanzielle Mittel auf. Doch die Mehrheit der Bevölkerung müsste mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, wäre ihr Hobby mit dem Quälen und Töten von Lebewesen verbunden. Nicht so die Jäger. Sie haben es gut verstanden, ihr Tun zu verschleiern und zu verklären.

Wer weiß schon, dass…

… mindestens ein Drittel der von Jägerhand getöteten Tiere eines grausigen, qualvollen Todes sterben, weil sie nach dem abgefeuerten Schuss nicht auf der Stelle tot umfallen. Von Jägern und Jagd-Hunden unentdeckt, kann sich der Todeskampf eines angeschossenen Tieres tagelang hinziehen.

… Jäger ihre Hunde auf lebende Enten hetzen, um mit ihnen das „Apportieren“ zu üben.

… Jäger – nicht Wilderer – immer noch mittelalterlich anmutende Schlagfallen stellen und damit zigtausende Füchse, Marder und Dachse fangen, verstümmeln und töten. Wieviele Menschen, Haustiere und „unerwünschte“ Wildtiere in Schlagfallen verletzt oder getötet werden, wird von keiner Statistik erfasst.

… Jäger ihre Befugnis verteidigen, „wildernde“ Hunde und „streunende“ Katzen zu töten – selbst wenn sich diese nur kurzzeitig dem Einfluss ihrer Besitzer entzogen haben. Durch die Willkür von Hobbyjägern kommen bei uns jährlich ca. 40.000 Hunde und 350.000 Katzen ums Leben.

… Jäger im Zuge der gnadenlosen Verfolgung von Füchsen, ihre Jagd-Hunde in sogenannten Schliefanlagen darauf abrichten, den Fuchs aus seinem Bau und vor die Flinten der Jäger zu treiben.

… Deutsche Jäger in großem Umfang die Umwelt vergiften. In Form von Schrotmunition verschießen sie jedes Jahr über 500 Tonnen hochgiftiges Blei. Schleichende Vergiftung von Wildtieren, Verseuchung des Bodens und der Gewässer sind die direkten Folgen des angewandten Naturschutzes mit der Waffe.

… Wildtiere durch die Jagd scheu werden. Dort, wo sie ruht oder verboten ist, sind die Chancen für unbewaffnete Naturfreunde weitaus größer, Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. In Revieren, wo es rund ums Jahr immer etwas zu jagen und zu schießen gibt, fliehen Wildtiere panikartig vor dem Menschen. So gehen nicht wenige, die dem Straßenverkehr zum Opfer fallen, auch auf das Konto der Jäger.

animal public tritt für die ersatzlose Abschaffung der Hobby-Jagd ein. Es kann nicht angehen, dass leidensfähige Lebewesen als Zielscheibe für einige wenige Privilegierte und deren Jagdlust herhalten müssen. Im Sinne des Tier-, Natur- und Artenschutzes ist es an der Zeit, das Kulturgut Jagd schnellstens dahin zu befördern, wo es hingehört: Ins Museum!

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Zootiere – unschuldig hinter Gittern

Freitag, 10. Juni 2011

Über den Köpfen der staunenden Großstädter kreischt eine Vogelschar. Die Luft ist warm und schwül, erfüllt von dem süßlichen Geruch hunderter Blüten. Wasserdampf beschlägt die Brillengläser und Fotolinsen. Unter dem plätschernden Wasserfall räkelt sich ein Krokodil, kaum zu erkennen zwischen den dichten grünen Ranken. Auf einem Schild an der Glastür, die hinaus ins kalte deutsche Wetter führt, dankt der Zoo dem Sponsor der Vogelstimmen – einem großen Telekommunikationsunternehmen.

Zoos sind auch heute noch das, was sie schon immer waren – Vergnügungsstätten für zahlendes Publikum – und nicht, wie sie es gerne behaupten, eine Arche Noah. Zoos, daran lässt sich nicht rütteln, sind nicht für Tiere, sondern für Menschen geschaffen worden. Panzerglasscheiben, Wassergräben, grüne Ranken und Torfboden, können vielleicht Zoobesucher darüber hinwegtäuschen, dass die Tiere nicht in ihrer natürlichen Umgebung leben, aber die Bedürfnisse der Zootiere können sie nicht befriedigen.

Tiger, deren natürlicher Lebensraum mehrere Dutzend Quadratkilometer bemisst, müssen im Zoo ihr Dasein auf wenigen Quadratmetern fristen. Auch heute noch sind die Elefanten, die in Freiheit täglich weite Strecken wandern, im Zoo nachts festgekettet. Ein gekachelter Wandvorsprung ist die einzige Klettermöglichkeit, die den Schimpansen im Zoo bleibt, in  ihrer natürlichen Heimat verbringen sie einen großen Teil ihrer Zeit in den Wipfeln der Bäume. Königspinguine leiden unter den ungewohnt warmen, Breitmaulnashörner unter den ungewohnten kalten Temperaturen. Den Bären fehlt die Erde zum graben, den Elefanten die Savanne und den Vögeln der Himmel zum fliegen. Aber die Zooarchitektur engt die Tiere nicht nur ein, sondern wird ihnen auch immer wieder zum Verhängnis. Zahlreiche Elefanten, Giraffen, Affen und Nashörner stürzten in den letzten Jahrzehnten in die besucherfreundlichen Absperrgräben – nicht selten tödlich.

Die räumliche Enge, die Monotonie, die künstliche Umgebung und nicht zuletzt das Fehlen eines intakten Sozialgefüges machen die Zootiere krank. An einer handfesten psychischen Störungen, leiden all die Elefanten, die Stunde um Stunde mit dem Kopf weben, die Tiger, die den immer gleichen Kreis beschreiten und die Affen die einen Salto nach dem anderen schlagen. Diese Stereotypien kommen bei Tieren in freier Wildbahn nicht vor. Sie haben ihren Ursprung in der Anmaßung des Menschen Wildtiere ihrer Freiheit zu berauben und in einer vollkommen unnatürlichen, künstlichen Umgebung zu halten.

Es ist wenig verwunderlich, dass die selbsternannten Noahs ihre Arche unter diesen Bedingungen nicht auf Kurs halten können. Immer wieder macht ihnen die Natur einen Strich durch die Rechnung. So wollen gerade kommerziell interessante Tiere sich nicht so recht vermehren. Andere Tierarten hingegen bringen so oft Nachwuchs zur Welt, dass in keinem Zoo mehr ein Platz für sie zu finden ist. Also wird auf der einen Seite künstlich besamt, während auf der anderen Seite Tierkinder umgebracht werden, wenn sie nicht mehr niedlich genug sind, um als Publikumsmagneten Geld zu bringen. Klappt die Zucht nicht, dann scheuen sich die Zoos auch nicht, sich an der ohnehin schon arg geplünderten Natur fremder Länder zu bedienen. So ließen in jüngster Zeit deutsche Zoos Elefantenkinder aus freier Wildbahn von ihren Müttern wegfangen, mit roher Gewalt gefügig machen, um sie dann auf engstem Raum zur Schau zu stellen.

Auch mit der Arterhaltungszucht der Zoos ist es nicht weit her. Die gezüchteten Tiere sind nach Ansicht von Experten in   der  Natur   kaum  überlebensfähig. In die künstliche Zooumgebung hineingeboren, können sie nur unzureichend soziale Beziehungen aufbauen, erlernen keine überlebenswichtigen Traditionen und nicht selten verkümmern sogar wichtige Sinnesorgane, da sie sie nicht einsetzen können. In dieser Hinsicht gleichen die Zoos weniger einer Arche, als einer Titanic.

Die Haltung von Tieren unter Lebensumständen, die sie physisch und psychisch krank machen, nur um sie kommerziell zu nutzen, ist mit dem Tierschutz nicht zu vereinbaren und gehört dringend abgeschafft.

animal public fordert ein Import- und Zuchtverbot von Wildtieren. So ist die Schließung der herkömmlichen Zoos nur noch eine Frage der Zeit. Die vorhandenen Anlagen können in Informationszentren für Tier- und Artenschutz umgewandelt werden. In diesen Einrichtungen können sich Tierschützer, Artenschützer und Wissenschaftler gemeinsam für den Schutz von Wildtieren in ihrem natürlichen Lebensraum engagieren.

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