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Delfinarien – ein tödliches Vergnügen

Freitag, 27. Mai 2011

Mit einer schwungvollen Bewegung durchbricht der Delfin die Oberfläche des glasklaren Wassers, wirbelt wie schwerelos durch die Luft und dreht sich um seine eigene Achse, bevor er wieder elegant in das blaue Nass eintaucht. Am azurblauen Horizont steht die Sonne wie eine überreife Orange. Es ist windstill, die Palmen beugen sich anmutig über den kleinen Sandstrand. Nur das Dröhnen der Umwälzpumpen zerstört die Postkartenidylle. Vor dem gigantischen Wandgemälde kniet der Trainer mit einem Eimer toter Fische. Laute Musik vom Band begleitet die Delfinvorführung, das Publikum klatscht begeistert. Doch wie sieht das Leben der Showdelfine wirklich aus?

Der nicht enden wollende Lärm der Filterpumpen und das Hämmern der Showmusik, dem sie nicht entfliehen können, verursachen bei den Meeressäugern Anspannung und Angst. Die chemische Zusammensetzung ihres Lebensraums lässt sie krank werden. Das künstliche Meerwasser aus Chlor, Wasser und Salz verursacht Pilzinfektionen und Schleimhautreizungen. Die permanente Gabe von Vitaminen, pilztötenden Mitteln, Hormonen und Antibiotika erhält sie in der naturfernen Umgebung am Leben. Einem Leben, das geprägt ist von chronischer Langeweile in einem beengten, tristen Becken.

In Freiheit leben Delfine in einem abwechslungsreichen dreidimensionalen Lebensraum. Sie tauchen bis mehrere hundert Meter tief und legen täglich weite Strecken zurück. In Gefangenschaft unterbrechen nur die immer gleichen Showeinlagen die Monotonie. Es kommt vor, dass die Tiere aus Langeweile die Fugenmasse ihres sterilen Beckens essen oder ins Wasser gefallene Gegenstände verschlucken und daran sterben. Viele Delfine zeigen ständige gleiche stereotype Schwimmbewegung, eine Verhaltensstörung, verursacht durch die Gefangenschaft. Delfine verfügen über ein außergewöhnliches Sonarsystem, das heißt sie senden Schallsignale aus, die sobald sie auf einen Gegenstand treffen, als Echo zurückkommen. So können die Delfine Größe, Form, Art, Bewegung und Entfernung eines Objektes wahrnehmen.
Die sogenannten Klicklaute ermöglichen ihnen ihr Futter zu orten, ihre Feinde zu erkennen und sich sogar in völliger Dunkelheit zu orientieren. Doch in Gefangenschaft wird den Meeressäugern ihr akustisches Auge zum Verhängnis. Die ausgesandten Töne stoßen sofort an Grenzen. Wie in einem Spiegelkabinett müssen die Delfine sich vorkommen, wenn sie ihr Echolot im Delfinarium einsetzen.

„Welche Anstrengungen man auch unternimmt, das Halten von Meeressäugern in
Gefangenschaft wird immer Probleme aufwerfen, denn die Haltung von
Geschöpfen unter beengten Bedingungen, die an riesige offene Weiten
gewöhnt sind, ist ein Widerspruch in sich.“

Giorgio Pilleri, Direktor des Hirnanatomischen Instituts an der Universität Bern

In Freiheit leben die Delfine in großen Gruppen, den sogenannten Schulen. Das Sozialgefüge in diesen Gruppen ist sehr ausgeprägt. Delfine stützen ihre kranken Artgenossen und bringen sie so zum atmen an die Wasseroberfläche. Auch betätigen sie sich als Hebammen. Sie beschützen die werdende Mutter und stoßen das Neugeborenen an die Oberfläche. In Gefangenschaft bricht dieses hochentwickelte Sozialgefüge zusammen und reduziert sich auf ein allgemeines Mobbing. Die schwächsten Tiere werden unterworfen, gehetzt und tyrannisiert. Ihre Situation ist ausweglos. Sie können sich nicht verstecken, nicht fliehen. Eingesperrt mit ihren Widersachern leiden sie an Dauerstress.

Wen wundert es angesichts dieser Lebensumstände, dass eine große Zahl von Delfinen in Gefangenschaft an stressbedingten Krankheiten wie Magengeschwüren und Herzanfällen stirbt. Allgemein ist zu beobachten, dass die Lebenserwartung von Delfinen in Gefangenschaft erheblich geringer ist als in Freiheit. Eine Studie der International Marine Mammal Association kommt zu dem Ergebnis, dass Delfine in Gefangenschaft durchschnittlich eine Lebenserwartung von 14 Jahren haben, wohingegen die ihrer wildlebenden Artgenossen bei 29,8 Jahren liegt.

animal public ist der Ansicht, dass die Haltung von Delfinen eine nicht zu rechtfertigende psychische und physische Quälerei ist. Deshalb treten wir für die Schließung aller Delfinarien ein.

animal public fordert:
Keine weiteren Importe von Delfinen für Delfinarien, unabhängig davon, ob die Tiere Wildfänge oder Nachzuchten sind.

  • Ein Verbot der Zucht von Delfinen in Gefangenschaft.
  • Die Auswilderung der Tiere und soweit dies nicht möglich ist, die
    Unterbringung der Delfine in abgetrennten Lagunen in ihrer natürlichen
    Heimat, dem Meer.

 

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