Archive for April 2008

Berlin: Skandalöse Zustände im Tierpark

Samstag, 19. April 2008

Zoodirektor Blaszkiewitz angezeigt

Nicht erst seit dem Bekanntwerden des Katzenmords im Berliner Tierpark steht Bernhard Blaszkiewitz, Direktor des Berliner Tierparks und des Zoos, in der öffentlichen Kritik. Seit Jahren sorgt er für Entsetzen bei Tierschützern und reichlich Negativschlagzeilen. Eine Chronologie:

  • In Worms beschlagnahmt das Umweltamt gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr im Jahr 2002 zahlreiche Wildtiere in einem Zirkus. Die Tiere wurden über Monate unter tierquälerischen Umständen gehalten. Unter ihnen auch zwei Timorhirsche. Eine Hirschart, die in Deutschland nur in zwei Zoos gehalten wird, einer davon der Ost-Berliner Tierpark Friedrichsfelde. Dieser gibt zu, drei seiner Tiere an den Tierhandel verkauft zu haben. Was aus ihnen wurde ist dem Tierpark-Chef unbekannt.
  • Im Jahr 2005 zerquetscht die Elefantenkuh Pori ihr Neugeborenes direkt nach der Geburt mit dem Kopf. Statt aus dieser Tragödie zu lernen und die Elefantenhaltung aufzugeben oder zumindest den modernen Standards anzupassen geht man im Berliner Tierpark jetzt den „sicheren“ Weg. Die gebärende Elefantin wird in Ketten gelegt, ihr Baby wird ihr sofort nach der Geburt entrissen. Die aufgeregte Mutter wird mit Medikamenten ruhig gestellt. 
  • Im September 2006 geht die Elefantin Mafuta im Tierpark Friedrichsfelde auf Chefpfleger Ingolf Kastirke los, als dieser alleine in der Anlage arbeitet. Kastirke überlebt den Angriff, der tödlich hätte enden können, mit drei gebrochenen Rippen. Statt aus dem Vorfall zu lernen und die tierquälerische Kettenhaltung abzuschaffen, wird die Elefantenkuh Mafuta von der Herde getrennt und in einen anderen Zoo abgeschoben.

  • Im November 2006 wird bekannt, dass die Elefanten im Tierpark über 15 Stunden am Tag, wie Sträflinge in Ketten gehalten werden. Direktor Blaszkiewitz verteidigt diese Tierquälerei als „uraltes Prinzip“. Eines, das mittlerweile in 127 von 137 Zoos die in Europa Elefanten halten, abgeschafft wurde. Doch, so Blaszkiewitz: „Artgerecht ist das, womit eine Art zurecht kommt.“

  • Im Mai 2007 wird eine erfahrene Tierpflegerin im Tierpark Friedrichsfelde von einem Moschusochsen getötet. Der Sicherungsbalken der Gehegetür war nicht vorgeschoben. So konnte der 350 Kilo schwere Ochse zu der Pflegerin ins Gehege gelangen. Das Tier erdrückt die Frau, die noch vor Ort an inneren Blutungen stirbt.

  • Im August 2007 veröffentlichen deutsche Medien erschreckende Bilder aus chinesischen Tigerfarmen. Übereinander gestapelt die Kadaver von Tigern, die man geschlachtet hat um ihren Penis oder ihre Krallen zu Potenzmitteln zu verarbeiten. Aus dem Berliner Tierpark wurden, laut eigenen Angaben, seit dem Jahre 2000 fünf Tigernachzuchten nach China exportiert, auch in eine Tigerfarm. Besonders brisant: Das Bundesamt für Naturschutz, das den Handel mit vom Aussterben bedrohten Tieren kontrollieren soll, hatte lediglich drei Exportgenehmigungen ausgestellt.

  • 2007 noch Medienliebling des Jahres, sieht der Eisbär Knut jetzt einer ungewissen Zukunft entgegen. Oft enden handaufgezogene Eisbären als Verhaltenskrüppel, die sich nicht in eine Gemeinschaft eingliedern lassen. Dieses Schicksal wäre vermeidbar gewesen. Denn die aus einem Zirkus stammende sehr schreckhafte Eisbärin Tosca hatte schon in den beiden Jahren zuvor ihre Jungen nicht angenommen.

  • Eine Anzeige der Grünen Abgeordneten Claudia Hämmerling, gegen Tierparkdirektor Blaszkiewitz bringt ans Licht, dass er über Jahre in erheblichem Umfang Tierparktiere an Tierhändler verkauft hat, ohne sich dafür zu interessieren, wo sie enden. Höchstwahrscheinlich mussten einige dies mit dem Leben bezahlen. So recherchierte der Tierrechtler Frank Albrecht, dass 1992 ein Zwergflusspferd und eine vierköpfige Kragenbärenfamilie aus dem Tierpark bei einem Zootierschlachter in Wortel/Belgien endeten.

  • Gleichzeitig wird öffentlich, dass im Tierpark Inzuchten nicht nur mit Nachkommen aus der ersten sondern sogar aus der zweiten Generation (Enkelkinder) statt fanden, und auch so genannte „Bastarde“ gezüchtet wurden. Dabei war von vornherein klar, dass es sich bei den Nachkommen um Individuen handeln würde, an denen kein Zoo als Abnehmer Interesse hat. Weswegen die Tiere auch beim Tierhändler endeten.

  • Das Inkrafttreten des aktuellen Landesjagdgesetztes ingnorierend, veranstaltete Blaszkiewitz über Jahre Fuchsjagden auf dem Tierparkgelände – illegal. Das räumt er öffentlich ein.

  • Im April 2008 wird bekannt, dass Blaszkiewitz im Jahr 1991 vier verwilderten Katzenjungen, die im Tierparks Schutz suchten, eigenhändig das Genick brach. Doch damit nicht genug, er wies sogar seine Mitarbeiter an Katzen zu töten. Selbst der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Zoologischen Gartens, Jürgen Brückner, bekundete angesichts dieser Enthüllung „Entsetzen und Abscheu“ und fragt, ob Blaszkiewitz auf seinem Posten noch der Richtige sei.

  • Auch im Umgang mit seinen Mitarbeitern ist Blaszkiewitz nicht zimperlich. So sah sich der Betriebsrat schon vor Jahren genötigt den Direktor schriftlich darauf hinzuweisen, dass Aussagen wie „Sie können mir den Hobel blasen“ „wenn Sie dusslig genug sind, können Sie zum Arbeitsgericht gehen“ nicht länger hinnehmbar seien. 

Ein Tierparkdirektor, der eigenhändig Katzenjungen das Genick bricht, seine Zöglinge an Tierhändler verhökert, ohne sich dafür zu interessieren was aus ihnen wird, illegale Jagden auf dem Tierparkgelände veranstaltet, ohne Rücksicht auf Verluste züchtet und seine Mitarbeiter schikaniert, ist als Chef der beiden Berliner Zoos nicht tragbar und sollte schnellstens abgelöst werden.

 

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