Archive for Mai 2006

Das Märchen vom letzten Wolf

Montag, 29. Mai 2006

Es war einmal vor langer, langer Zeit. Da erließ ein mächtiger Herrscher in seinem Reich ein höchst ungewöhnliches Gesetz. Von einem
Tag zum anderen mussten alle Untertanen ausnahmslos dasselbe lieben und dasselbe hassen wie er. Auf sein Geheiß hatten die Hofgelehrten ellenlange Listen erstellt und fortan war es unter Strafe verboten, etwas, was auf der Hassliste stand, zu lieben oder umgekehrt.

Natürlich waren auch alle Tiere davon betroffen. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt und hatten als Nützlinge oder Schädlinge zu gelten. Nützlinge mussten geliebt und gepflegt und Schädlinge gehasst und möglichst getötet werden. Mit besonderem Hass wurden Luchs, Fuchs, Bär und Wolf, aber auch alle Vögel mit krummen Schnäbeln verfolgt. Man hatte sich für sie sogar eigens einen neuen Namen ausgedacht. Raubtiere wurden sie genannt.

Eigentlich hatte alles seine gute Ordnung. Wenn nicht, ja, wenn nicht in jenem Reich ein Junge gelebt hätte, der es nicht fertig brachte, irgendein Tier zu hassen. Er liebte sie alle, aber unglücklicherweise galt seine besondere Zuneigung den Wölfen. Keine Frage, das war streng verboten. Doch immer, wenn er sich unbeobachtet glaubte, schlich er in den Wald, um sie zu treffen. Er fand sie nicht jedes Mal, denn die Wölfe waren überaus scheu geworden und fürchteten die Menschen. Es verging eine ganze Weile, bis sie begriffen, dass dieser Junge ihr Freund war. Von da an ließen sie sich nicht mehr stören, liefen nicht mehr davon, so dass er sie in aller Ruhe beobachten konnte. Immer auf der Hut vor seinen Mitmenschen, die sein verbotenes Tun verraten könnten, verbrachte er Tage und Nächte im Wald und wurde mit den Wölfen immer vertrauter. Es dauerte nicht lange, da konnte er sich sogar in ihrer Sprache mit ihnen verständigen. Unnötig zu sagen, dass ihn das sehr glücklich machte.

Als er in einer schönen mondhellen Nacht mitten auf einer Lichtung wieder einmal sein Wolfsgeheul anstimmte, antworteten ihm die Wölfe aus der Ferne wie einem Artgenossen. Seine Freude darüber war unbeschreiblich. Leider aber war sie nur von kurzer Dauer. In jenem Reich gab es nämlich Männer, die den Auftrag hatten, alle Tiere, die mit dem Fluch „Raubtier“ belegt waren, zu verfolgen und zu töten. Für ihre als sehr gefährlich angesehene Arbeit, der sie aber mit Feuereifer nachgingen, wurden sie gut belohnt. Man nannte sie Waidmänner. Ein solcher Waidmann saß in jener Nacht gut getarnt in einem Baum am Rande der Lichtung. Er sollte den einsamen Wolf, der sich hier in der Nähe herumtreiben musste, erledigen.

Es kam, wie es kommen musste. Zwar erkannte der Waidmann noch rechtzeitig, dass er keinen Wolf, sondern einen wie ein Wolf heulenden Menschen vor sich hatte und ließ die Waffe sinken. Aber für den Wolfsjungen war das, was dann folgte, auch noch schlimm genug. Man sperrte ihn in den Kerker, man zerrte ihn vor Gericht, man klagte ihn an. Dennoch hatte er Glück im Unglück. Dank eines Fürsprechers wurde ihm die Höchststrafe erlassen, sodass er mit dem Leben davonkam. Dafür wurde er mit Schimpf und Schande aus dem Land gejagt.

Diese Geschichte kam dem König jenseits der Grenze zu Ohren. Er ließ den Jungen suchen und zu sich bringen. Dann schlug er ihm einen Handel vor. Seine Bedingungen waren seltsam genug. Sollte es nämlich dem Jungen gelingen, alle Wölfe aus den nahen Wäldern wohlbehalten in ein großes, eingezäuntes Gehege zu bringen, könnte er bis zu seinem Lebensende im Lande bleiben und sich nach Herzenslust den Tieren widmen. Sollte er jedoch diese Aufgabe nicht lösen, würde man mit ihm und auch mit den Wölfen kurzen Prozess machen. Was blieb dem Wolfsjungen übrig? Er hatte ja keine Wahl. Schweren Herzens wandte er das an, was er von den Wölfen gelernt hatte. Nur mit seiner Stimme lockte er sie aus den Wäldern in das vorgesehene Gehege im Schlosspark.

Hier ging es den Wölfen nicht schlecht. Sie gewöhnten sich an die Umzäunung. Sie litten nie mehr Hunger. Sie langweilten sich ein wenig. Aber sie liebten ihren Betreuer, den sie bald als eine Art Wolf ansahen. Sie vermehrten sich, sie setzten mit der Zeit etwas Fett an und wurden ein wenig träge. Nur an Sonn- und Feiertagen, wenn das Volk in den Schlosspark gelassen wurde, flohen sie in die entfernteste Ecke ihres Geheges und versteckten sich so gut es eben ging. Dennoch ließ sich die neugierige Menge nicht abhalten. Dicht gedrängt stand sie am Zaun und verfolgte gebannt jede Bewegung der Tiere. Da sich die Menschen jetzt nicht mehr vor den Wölfen fürchteten, kamen sie ihnen fast so vor wie Hunde, die sie auf den Höfen und bei den Schafen hielten.

Aber es gab immer noch ein paar Unverbesserliche, die schürten weiter den Hass, der, einmal angefacht, jede Landesgrenze überspringt. Sie hätten die Wölfe am liebsten alle getötet, damit, wie sie sich ausdrückten, endlich Ruhe ist. Dafür hatten sie auch ein ganz neues Wort erfunden: Sie wollten die Wölfe ausrotten, sagten sie. Aber der König des Landes war damit nicht einverstanden. Es gefiel ihm, wie es war.

So verstrich eine lange ruhige Zeit. Bis zu jenem Unglückstag, an dem plötzlich eine Lücke im Gehegezaun klaffte, gerade so groß, dass ein Tier hindurch schlüpfen konnte. Es dauerte nicht lange, bis es die Wölfe entdeckten. Da erinnerten sie sich an die Freiheit und einer nach dem anderen suchte das Weite. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht: Die Wölfe sind frei, die Wölfe sind los! Alles war vergessen. Angst und Schrecken herrschte wieder im ganzen Land und darüber hinaus. Und – was noch schlimmer war, der alte Wolfshass flammte wieder auf und erhielt täglich neue Nahrung.

Der Wolfsjunge, aus dem ja längst ein Mann geworden war, wurde gesucht und in Gewahrsam genommen. Natürlich war er es, der unter Verdacht stand, die Wölfe frei gelassen zu haben. Doch er leugnete hartnäckig. Nie hätte er etwas unternommen, was seine Freunde in Gefahr bringen würde. Doch man glaubte ihm nicht. Schließlich fesselte man ihn und schleifte ihn in den Wald. Dort wurde er gezwungen, wie ein Wolf zu heulen. Natürlich hoffte der König, was einmal gelungen war, könnte auch ein zweites Mal glücken. Diesmal jedoch erschienen die Wölfe nicht, denn der Wolfsmann hatte sie mit seinem Ruf nicht gelockt, sondern gewarnt. Das war alles, was er noch für sie tun konnte.

Da gab der König auf Drängen seiner Ratgeber sein Wohlwollen auf und rief den Krieg gegen die Wölfe aus. Dieser Krieg wurde von allen Männern, die eine Waffe hatten, furchtbar und erbarmungslos geführt. Obwohl sich die Wölfe in alle Himmelsrichtungen zersteuten, kamen täglich neue Siegesmeldungen über erschlagene und erschossene Feinde. Frauen und Kinder, die nicht an dem Feldzug beteiligt waren, versteckten sich in den Häusern und verrammelten die Türen. Schafe und Rinder wurden von der Weide geholt und in den Stall gesperrt. Felder wurden nicht mehr bestellt und die Dorfstraßen waren selbst tagsüber menschenleer.

Endlich traf die Siegesmeldung ein. Die Waidmänner schrieen am lautesten und tuteten ins Horn: Wolf tot! Horrido, der Krieg ist gewonnen! Kein einziger ist mehr am Leben! Alle sind erledigt! Wir haben die Wölfe ausgerottet! Die toten Tiere wurden auf dem Schlossplatz aufgereiht und zur Schau gestellt. Das Volk eilte herbei, um ein großes Fest zu feiern. Auch der Wolfsmann wurde geholt, denn er war ja der einzige, der jeden Wolf im Lande kannte. Nur er konnte wissen, ob nicht einer fehlte.

Der erwies seinen toten Freunden die letzte Ehre und betrachtete sie lange, lange. Die Anzahl stimmte. Aber zwischen den erschossenen und erschlagenen Wölfen entdeckte er eine Hündin, der ihre Wolfsähnlichkeit zum Verhängnis geworden war. In seine unendlichen Trauer, mischte sich ein winziger Hoffnungsschimmer. Eine tragende Wölfin, die bald ihre Jungen bekommen sollte, musste demnach noch am Leben und in Freiheit sein. Er verriet sein Geheimnis keinem Menschen und hat es sicher mit ins Grab genommen.

Jene Wölfin aber, der es gelang, sich vor den Menschen zu verbergen und die schlau genug war, keine Spuren zu hinterlassen, brachte in der Abgeschiedenheit der Wälder ihre Jungen zur Welt. Es waren fünf prächtige, gesunde, neugierige Welpen. Sie wuchsen schnell, lernten von ihrer klugen Mutter alles, was ein Wolf wissen muss, um in einer feindlichen Welt zu überleben. Und als sie erwachsen waren, zerstreuten sie sich in alle Winde, jeder auf der Suche nach seinem eigenen Glück.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch.

 

Text: Karin Hutter

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Wenn Caretta kribbelig wird – aus dem Leben einer Meeresschildkröte

Montag, 29. Mai 2006

Hallo! Guten Tag. Mein Name ist Caretta Caretta. Jawohl, so heiße ich mit vollständigem Vor- und Nachnamen. Klingt hübsch, nicht wahr? Ich bin eine Meeresschildkröte und schätzungsweise schon 50 Jahre auf dieser Welt. So genau weiß ich das gar nicht. Auf ein Jährchen mehr oder weniger kommt es auch nicht an, denn wir Carettas können steinalt werden. 80 Jahre oder mehr sind keine Seltenheit. Ich bin etwa einen Meter lang und wiegen mit meinem Panzer so viel wie ein großer, kräftiger Mensch. Trotzdem kann ich prima schwimmen und tauchen.

Meine Heimat ist das Mittelmeer. Bei euch im Norden könnte ich nicht leben. Mir ist es da einfach zu kalt. Ich liebe laues Meerwasser, je wärmer desto besser. Herrlich! Im Winter ist mir selbst das Mittelmeer zu kühl. Dann wandere ich aus und schwimme viele Meilen – bis nach Mexiko und weiter.

Meine zweite Liebe sind warme, weiche Sandstrände. Ihr müsst wissen, von Zeit zu Zeit, besonders wenn es Frühling wird, werde  ich ganz kribbelig. Dann sagt mir meine innere Uhr, dass ich aus dem Meer auftauchen und an Land gehen muss. Zusammen mit anderen Carettas, die ich unterwegs treffe, schwimme ich so lange, bis ich genau den Strand erreiche, wo ich zur Welt gekommen bin. Wenn ich meinen Geburtsort wiedergefunden habe, warte ich im Wasser, bis es Nacht wird. Erst wenn ich sicher bin, dass kein Mensch in der Nähe ist, der mich bei meinem Vorhaben stören könnte, tauche ich auf. Dann schiebe ich mich langsam auf den Strand. Das ist für mich eine so schwere und mühsame Arbeit, dass ich vor Anstrengung stöhnen und keuchen muss. Meine Flossenbeinen, die sich im Wasser leicht und elegant bewegen lassen, sind für einen Landgang ziemlich schlecht geeignet.

Warum ich das trotzdem mache? Ihr werdet staunen! Ich will euch nämlich erzählen, auf welch wunderbare Weise Schildkrötenbabys auf die Welt kommen. Also, wenn ich eine passende Stelle auf dem Strand gefunden habe, räume ich Steine, Müll und was sonst noch im Weg ist, beiseite. Dann kratze ich mit den Hinterbeinen eine Kuhle aus. Nicht sehr groß, aber gerade groß genug, um etwa hundert Eier hineinzulegen. Reine Gefühlssache – so genau zähle ich sie natürlich nicht. Und weil das Eierlegen wieder eine so schwere Arbeit ist, kullern mir manchmal vor lauter Anstrengung ein paar Tränen aus den Augen. Übrigens sehen Schildkröteneier ganz ähnlich aus wie eure Tischtennisbälle – sie fühlen sich auch so an. Wenn nach Stunden endlich alle Eier in dem Loch liegen, schaufele ich es sorgfältig zu, klopfe den Sand fest und verwische die Spuren. Dann verschwinde ich wieder im Meer, ohne mich weiter um meine Brut zu kümmern.

Bevor ihr mich jetzt für eine Rabenmutter haltet, muss ich schnell erzählen, wie es weitergeht: Die Sonne ist es, die meine Eier ausbrütet! Sie heizt den Sand auf und sorgt dafür, dass in dem Nest ganz allmählich winzige Schildkrötchen heran wachsen. Eins in jedem Ei. Und soll ich euch ein Geheimnis verraten? Dort, wo es in dem Nest kühler ist, entstehen die Männchen und wo es so richtig knallwarm ist, die Weibchen. Logisch, oder? Nach zwei Monaten wird es den Kleinen in ihrer Behausung zu eng. Sie zappeln und strampeln dann so lange, bis die Eierschale zerbricht und sie aus dem Ei schlüpfen können. Das passiert aber nur nachts, wenn es dunkel ist. Die kritzekleinen, fast schwarzen Schildkrötenbabys haben es dann sehr eilig. 50 Junge oder mehr drängeln und strampeln durch den Sand und erscheinen fast gleichzeitig an der Strand-Oberfläche. Und dann beginnt ein toller Wettlauf. Jede kleine Caretta robbt so schnell sie kann zielsicher zum Meer. Die Richtung weist ihr die im Mond-und Sternenlicht hell schimmernde Wasserfläche. Neugeborene Meeresschildkröten haben nämlich nichts anderes im Sinn, als sich in die Brandung zu stürzen und sich von den Wellen weit hinaus tragen zu lassen. Das sieht sehr verwegen aus, doch keine Sorge, die Kleinen können schwimmen. Sie brauchen es nicht zu lernen. Sie können es einfach – von Geburt an.

Jetzt werdet ihr auch verstehen, warum Menschenkinder auf unseren letzten Brutstränden keine Burgen bauen oder Löcher graben sollen: Für die Caretta-Babys sind das Fallen und unüberwindliche Hindernisse auf ihrem lebenswichtigen Weg zum Meer. Sie haben es so furchtbar eilig, weil sie unbedingt die Wasserlinie erreichen müssen, bevor der Tag anbricht. Sonst laufen sie Gefahr, in der Sonne auszutrocknen oder von Krabben und Vögeln erbeutet zu werden. Ihr Mini-Panzer kann sie noch nicht schützen, der ist anfangs noch weich und biegsam. Auch ist es uns Carettas nicht möglich, unseren Kopf unter dem schützenden Panzer zu verstecken.

Wenn meine Kleinen ihre erste Seereise antreten, sind sie nicht größer als die Faust eines Menschenbabys. Von jetzt an ist das Meer ihr zu Hause. Das wunderbare Meer, das sie nicht mehr verlassen, bis sie erwachsen sind. Hier finden sie alles, was eine Caretta glücklich macht. Auch an Nahrung fehlt es nicht: Quallen, Seeigel, Krabben, Seegras gibt es im Überfluss. Aber im Meer lauern auch Feinde und Gefahren. Ich werde tieftraurig, wenn ich nur daran denke, dass viele meiner Kinder sich in Fischernetzen verheddern, an Ölklumpen zu Grunde gehen, an Plastiktüten ersticken oder von Schiffsschrauben schrecklich verstümmelt werden.

Die Caretta-Weibchen aber, die es schaffen, allen Gefahren zu trotzen, führt nach Jahren ein innerer Kompass an ihren Geburtsstrand zurück. Sie bauen eine Nistkuhle, legen ihre Eier ab, vergießen ein paar Tränen, verwischen ihre Spuren und verschwinden wieder im Meer. Und alles wird wieder von vorne anfangen. Wie seit Millionen von Jahren schon. Haltet uns die Daumen, dass es so bleibt und wünscht uns Glück. Wir Meeresschildkröten können es gebrauchen.

Eure
Caretta Caretta
z.Z.
auf Seereise zu ihrem Brutstrand auf der griechischen Insel Zakynthos

 

 

Text: Karin Hutter

Foto: macdivers – Fotolia

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animal public e.V. legt offiziellen Widerspruch gegen Bärenabschussgenehmigung ein

Freitag, 26. Mai 2006

Düsseldorf, den 26.05.06

Wie die Tier- und Artenschutzorganisation animal public e.V. mitteilte, hat sie bei der Regierung von Oberbayern Widerspruch gegen die Genehmigung zum Abschuss des eingewanderten Braunbären eingelegt.

Der Braunbär, der seit 170 Jahren in Deutschland ausgerottet ist, gehört nach dem internationalen Artenschutzrecht zu den streng geschützten Arten und darf daher weder gefangen noch getötet werden. Am 22.05.06 erließ die Regierung von Oberbayern eine Allgemeinverfügung die diese Verbote für den eingewanderten Braunbären „Bruno“ aufhebt und seinen Fang oder Abschuss genehmigt. „Es ist allen geeigneten Jagdausübungsberechtigten gestattet, dem von Österreich auf oberbayerisches Gebiet übergewechselten Braunbären nach zustellen, um ihn zu fangen und oder zu töten“, heißt es in der Verfügung.
(mehr …)

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Protest gegen Delfinarium auf Rügen

Donnerstag, 11. Mai 2006

Bitte unterstützen Sie den Protest gegen den Bau eines Delfinariums auf Rügen.

Bitte machen Sie den verantwortlichen Politikern deutlich, dass Sie die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft als nicht artgerecht ablehnen.

Schreiben Sie an:

Minister Dr. Otto Ebnet
Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg- Vorpommern
Johannes-Stelling-Str. 14
19053 Schwerin
 

Ministerpräsident Dr. Harald Ringstorff
Staatskanzlei
Schlossstraße 2-4
19053 Schwerin

Mehr Informationen zum Thema Delfinarien

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Stopp! Kein neues Delfinarium in Deutschland!

Donnerstag, 11. Mai 2006

 10.05.2006 – In Glowe auf der Insel Rügen plant die Firma „Nature Projekt GmbH“ den Bau eines neuen Delfinariums. Fünf Delfine
sollen mit Shows mehrere Hundert Tausend Touristen in die strukturschwache Gegend locken. animal public vertritt die Überzeugung,
dass eine tier- oder artgerechte Haltung von Delfinen in Gefangenschaft nicht möglich ist.  Die öffentliche Kritik an der Haltung von Delfinen in Gefangenschaft hat dazu geführt, dass in den letzten Jahren fünf von neun Delfinarien in Deutschland geschlossen haben. In Großbritannien schlossen sogar alle 30 Delfinarien ihren Betrieb. Daher versuchen die Projektbetreiber den Bau des Delfinariums mit Delfintherapien zu rechtfertigen. Deren Wirkung wird in Fachkreisen durchaus angezweifelt. Woher die fünf Delfine für das geplante Delfinarium kommen sollen haben die Verantwortlichen noch nicht dargelegt. Da die Nachzucht von Delfinen in Gefangenschaft kaum erfolgreich ist, ist nicht auszuschließen, dass die Tiere direkt oder indirekt aus Wildfängen stammen werden.

In einer gemeinsamen Erklärung haben 20 Tier- und Artenschutzverbände aus Deutschland, darunter auch animal public e.V., sich gegen den Neubau dieses Delfinariums ausgesprochen.

 Gemeinsame Erklärung

 

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Exotenbörsen – Tiere als Wühltischware

Donnerstag, 11. Mai 2006

Elf Uhr morgens in Hamm Westfalen. Stimmengewirr schlägt mir entgegen, als ich die Zentralhallen betrete. Hunderte Menschen unterhalten sich lebhaft, stehen dicht gedrängt um Verkaufsstände herum. Die Luft ist stickig. Auf den ersten Blick sind nur Köpfe und Rücken zu  erkennen. Sie versperren die Sicht auf die Ware. Nur das Blöken eines Schafes erinnert daran, was hier gehandelt wird – lebende Tiere. Ich bin bei einer Exotenbörse, das ist ein Börse, bei der Tiere aus aller Welt zum Verkauf angeboten werden. Solche Veranstaltungen finden mehrmals im Jahr statt. Bei manchen werden Reptilien und Amphibien, wie Schildkröten, kleine Frösche oder Krokodile, bei anderen Säugetiere, wie Waschbären, Affen oder Stinktiere verkauft. Heute sind es Säugetiere.

Gleich auf dem ersten Tisch sehen ich einen kleinen Gitterkäfig, an dessen Oberteil sich einige Flughunde festklammern. Flughunde sehen so ähnlich aus wie Fledermäuse. Sie sind nachtaktiv und leben zumeist in großen Kolonien bis zu einer Millionen Tiere. Die Flughunde versuchen vor sich vor dem hellen Licht, das in ihren Käfig dringt, zu verstecken. „Wildfang“ steht auf einem kleinen Hinweisschild. Bis vor kurzem haben die Tiere noch in Afrika in Palmen gelebt, bis man sie eingefangen und einmal um die halbe Welt verschickt hat, um sie bei der Exotenbörse zu verkaufen. Nicht besser ergeht es den anderen Tieren. Langohrigel aus den Steppengebieten am Rande der Sahara werden neben Gürteltieren aus Argentinien und Wüstenspringmäusen aus Marokko angeboten. Fast alle Tiere, die bei solchen Börsen verkauft werden, sind Wildtiere. Viele von Ihnen wurden aus der freien Wildbahn gefangen, manche sind auch die Nachkommen von solchen wild gefangen Tieren, doch das ändert nichts daran, dass sie anders als Hunde oder Katzen nicht an ein Leben mit dem Menschen gewöhnt sind. Sie sind Regen, Sonne und auch Stürme gewöhnt, sie sind es gewöhnt sich ihr Futter und Wasser selbst zu suchen, in luftigen Baumwipfeln, an sumpfigen Flussufern oder gar unter der Erde zu
leben. Nicht gewöhnt sind sie die Nähe des Menschen, das Eingesperrt sein in einen kleinen Käfig, das Fehlen ihrer natürlichen Umwelt. Das alles bedeutet für sie Stress. Dennoch verkauft man die Wildtiere bei Exotenbörsen in kleine Plastikdosen, Käfige oder Glaskästen gepackt. Oft fehlt sogar eine Rückzugsmöglichkeit, Futter und Wasser.

Hilflos wirkt der Blick einer kleinen Ginsterkatze. Immer wieder rennt sie aufgeregt durch ihren Käfig. Hin her, hin her. Sie versucht den Blicken der vielen Menschen zu entrinnen, kauert sich neben ihre Artgenossin. Doch die Besucher der Exotenbörse wollen die Tiere sehen. Sie stecken ihre Hände in die Käfige und schubsen die Tiere, damit diese sich bewegen. Neben mir reicht ein Händler einen kleinen Präriehund herum, um die Kunden zum Kauf anzuregen. Auch er ist ein Wildfang. Zwei Sugar-Glider wechseln den Besitzer. Der Verkäufer packt die nachtaktiven Tiere in eine kleine Plastikbox, nimmt dankend das Geld entgegen. „Und was sind das jetzt für Tiere?“ fragt der Käufer. Er weiß nicht, dass diese Tiere aus den bewaldeten, heißen Klimazonen Papua-Neu-Guineas, Indonesiens oder Australiens stammen. „Gleitbeutler“, lautet die knappe Antwort des Händlers. Wie Wühltischware werden die Tiere bei der Börse verkauft. An Menschen, die nicht wissen was sie füttern sollen, welches Klima die Tiere brauchen und welche arttypischen Bewegungsbedürfnisse die Tiere haben. Noch schlimmer geht es bei den Tierbörsen zu, bei denen Reptilien und Amphibien verkauft werden. Zumeist sitzen die Tiere in kleinen Plastikdosen, die immer wieder hochgehoben und auch geschüttelt werden. Wasser, Futter oder Rückzugsmöglichkeiten fehlen in vielen Fällen. Manche der Tiere machen einen kranken Eindruck oder haben sogar offene Wunden. Um mich herum wechseln immer mehr Tiere den Besitzer.

Mit Tüten, Schachteln und Kisten beladen verlassen die Käufer die Börse. Die frisch erworbenen Wildtiere sehen einem ungewissen Schicksal entgegen. Manche von ihnen werden schon bald sterben, da ihr neuer Halter nicht mit ihnen umzugehen weiß und sie aus Versehen verhungern, verdursten, erfrieren oder verbrennen lässt. Andere werden in einem viel zu kleinen Käfig, wahnsinnig vor Langeweile und Einsamkeit. Sie dämmern ihrem Tod entgegen. Traurig verlasse die Exotenbörse, lasse die lauten Stimmen, die Menschenmassen und die der stickigen Luft hinter mir. Ich muss an all die Tiere denken, die einem ungewissen Schicksal entgegen gehen und die, die nicht verkauft wurden und bald wieder bei einer solchen Börse landen.

Probleme bei Exotenbörsen:

  • Die Tiere werden über lange Strecken, manchmal sogar aus dem Ausland, zu den Börsen gebracht. Während des ganzen
    Transportes befinden sie sich in kleinen Dosen oder Käfigen, in denen sie sich kaum richtig bewegen können.
  • Bei der Börse sind die Tiere in kleinen Käfigen untergebracht, die ihren Bedürfnissen nicht entsprechen. Vielen
    fehlt sogar die Möglichkeit sich vor den Blicken und Berührungen der vielen Menschen zurückzuziehen.
  • Sehr viele Tiere sind Wildfänge, die extra für den Verkauf bei einer Börse aus ihrer Familie und ihrer Heimat gerissen
    wurden und ganz besonders unter der Gefangenschaft leiden.

Das könnt Ihr tun:

  • Kauft keine Wildtiere! Bittet auch Eure Freunde und Verwandte vom Kauf eines Wildtieres abzusehen. Auch wenn die Tiere noch so niedlich aussehen, sie fühlen sich nur in Freiheit und nicht bei Menschen Zuhause wohl.
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Frau Adebar im gemachten Nest

Donnerstag, 11. Mai 2006

Hallo! Ich bin Adebar. Ach was, ich muss mich nicht vorstellen – den Klapperstorch kennt doch jedes Kind! Dass er die Babys bringt, ist natürlich ein Märchen. Heutzutage brauche ich eine gehörige Portion Glück, um heil über die Runden zu kommen. Wenn ich nur an meinen letzten Rückflug aus dem afrikanischen Winterquartier denke – kaum in meinem Brutgebiet eingetroffen, fing der Stress schon wieder an. Ich hatte keine Minute zu verlieren, denn es war bereits Ende April. Höchste Zeit für die Brutvorbereitungen. mein Nest war zwar noch gut erhalten, trotzdem mussten ein paar kleine arbeiten erledigt werden. Während ich hier und da etwas ausbesserte, unterhielt ich mich mit den neuen Untermietern, einem netten Bachstelzen-Paar. Nicht zu vergleichen mit dem lärmenden Spatzengesindel, das seit Ewigkeiten in meinem Horst Wohnrecht hat.

Anschließend unternahm ich einen Ausflug in die Umgebung. Schlechte Aussichten: Felder und Wiesen knorpeltrocken. Selbst Regenwürmer hatten sich tief in die Erde zurückgezogen. Von anderen Leckerbissen wie Insekten, Mäusen, Fröschen oder gar Schlangen keine Spur. Ich lief eine Weile hinter einer Pflugschar her und suchte mir auf der aufgerissenen Erde mühsam eine Mahlzeit zusammen.

Und dann fing die elende Warterei an. Auf wen? Na, auf meine Partnerin natürlich. Sie trifft normalerweise pünktlich zwei Tage nach mir ein. Als sie am dritten noch nicht da war, wurde ich unruhig. Am vierten geriet ich in helle Aufregung. War sie an einer Stromleitung verunglückt? Doch dann trudelte sie endlich ein. Sie hatte einen dieser aufdringlichen Jungstörche im Schlepptau. Was der sich einbildet, mir mein treues Weib abspenstig machen zu wollen! Dabei ist dieser unreife Schnösel mit seinem ein oder zwei Jahren noch gar nicht brutfähig. Als er auf dem First unserer Scheune landete, drohte ich ihm Hiebe an. Storchen-Schnäbel können einen Gegner schwer verletzen, ja, sogar töten. Zum Glück räumte der Störenfried kampflos das Feld.

Endlich konnten ich meine Partnerin begrüßen. Mit Geklapper, Geflatter und Luftsprüngen feierten wir die Rückkehr aus unserem Winterquartier. Dann wurde es Zeit, zur Brut zu schreiten, wie die Vogelkundler sagen. Im Abstand von zwei Tagen legt die Störchin je ein weißes Ein in die Nistkuhle. Dieses Jahr waren es drei, es können sonst aber auch vier oder fünf sein. Beim Brüten herrscht Gleichberechtigung. Männchen und Weibchen wechseln sich ab. Allerdings besteht meine Partnerin darauf, des nachts auf den Eiern zu sitzen. Nach gut einem Monat schlüpft ein Junges nach dem anderen. Na ja, schön sind sie nicht, diese ewig bettelnden Nesthocker.

Anfangs sind sie ganz scharf auf Regenwürmer, die wir ihnen aus unserem Schlund erbrechen. Wenn sie größer sind, reißen sie uns die mitgebrachte Nahrung direkt aus dem Schnabel. Sollte aber das Wetter kalt und nass sein, sind alle Mühen umsonst. Dann können wir froh sein, wenn eines unserer Jungen überlebt.

Diesmal hatten wir großes Glück. Trotz ungünstiger Witterung sind alle Kleinen gesund und munter. Im Moment entdecken sie gerade wozu ihre Flügel gut sind. Immer wenn wir Alten nicht da sind, hopsen sie mit ausgebreiteten Schwingen auf dem Horst herum. Bis sie richtig fliegen können, dauert es noch ein Weilchen.
Bald werden unsere Kinder flügge sein und mit anderen Jungstörchen nach Afrika abreisen. Später werden wir Alten folgen. Und alle hoffen wir auf ein glückliches Wiedersehen. Bis zum nächsten Jahr mit Adebar!

 

Text: Karin Hutter

Foto: Sergiy Grek – Fotolia

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