Archive for Juni 2005

Missstände in der Zirkustierhaltung & Vollzugsprobleme

Mittwoch, 29. Juni 2005

Die Recherchen von animal public haben gezeigt, dass sehr viele Zirkusunternehmen, darunter auch namhafte und renommierte Großzirkusse, die Vorgaben der Zirkusleitlinie nicht in allen Punkten einhalten.

Folgende Missstände werden bei vielen Zirkussen immer wieder dokumentiert:

  • Kranke Tiere müssen auftreten, eine tierärztliche Behandlung wird nicht oder nicht ausreichend vorgenommen. Man transportiert sie weiter von einem Gastspielort zum nächsten bis sie tot umfallen.
  • Elefanten werden ausschließlich in Ketten gehalten oder werden noch nicht einmal aus dem Transporter herausgelassen.
  • Zahlreiche Elefanten werden dauerhaft alleine gehalten.
  • Es wird im Winter mit Tieren in der Fußgängerzone gebettelt.
  • Tiere werden so geprügelt oder mit Eisenhaken malträtiert, dass sie blutige Wunden davontragen.
  • Rhesusaffen und Paviane werden dauerhaft an einer Kette um den Hals gehalten.
  • Menschenaffen, die eigentlich nicht mehr im Zirkus gehalten werden sollten, werden in geschlossenen LKWs vor den Behörden versteckt.
  • Tiere werden unzureichend mit Wasser versorgt.
  • Die Tiere bekommen nicht das Futter, das sie benötigen. Stattdessen bekommen sie Essensreste, Süßigkeiten oder müssen gar hungern.
  • Die Tiere werden mit Gewalt dressiert. Immer wieder wird der Einsatz von Elektroschockgeräten beobachtet. In der Dressur von Elefanten ist der Einsatz von spitzen Elefantenhaken allgegenwärtig.
  • Großkatzen werden die Krallen gezogen und die Zähne abgeschliffen.
  • Für Elefanten, Seelöwen, Großkatzen und Bären werden keine Außengehege aufgebaut.
  • Die Gehege und die Ausläufe der Tiere sind wesentlich kleiner als sie sein sollten.
  • Es werden keine Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten. Es gibt kein festes Winterquartier.
  • Das Winterquartier ist so gestaltet, dass den Tieren nicht der vorgeschriebene Auslauf zur Verfügung steht.
  • Dringend nötige Heizungen für exotische Wildtiere fehlen.
  • Tiere die nicht mehr zu gebrauchen sind, werden getötet.

Diese Liste läßt sich beliebig lang  fortsetzen.

Nur in den wenigste Fällen hat ein solcher Umgang mit Tieren Konsequenzen für die Verantwortlichen. Zumeist trägt der zuständige Amtsveterinär in das Tierbestandsbuch eine Auflage zur Änderung der Tierhaltung ein. Am nächsten Ort macht der nächste Veterinär das gleiche. Bevor eine Behörde aktiv eingreifen kann, um den Tieren zu helfen, ist der Zirkus weiter gezogen – oftmals mit unbekanntem Ziel. Für die Tiere ändert sich nichts.

Theoretisch sollten die Tierhaltungsprobleme dann dem Heimatveterinäramt des Zirkus mitgeteilt werden. Die meisten Zirkusunternehmen aber haben kein festes Winterquartier, in welches sie zurückkehren, so gibt es auch kein Heimatveterinäramt. Da es  keine zentrale Registrierung gibt, an die die Veterinäre ihre Beanstandungen weiterleiten können, bleibt ihnen oft keine andere Möglichkeit, als den Fall zu den Akten zu gelegt.

Eine Beschlagnahme von misshandelten Wildtieren ist fast unmöglich, da es kaum Plätze gibt, zu denen die Tiere gebracht werden können. Die wenigen Auffangstationen, die existieren, sind ausgelastet und führen teilweise noch Wartelisten. So vegetieren zahlreiche exotische Wildtiere unter katastrophalen und absolut gesetzwidrigen Bedingungen in deutschen Zirkussen vor sich hin, weil es keine Möglichkeit gibt ihnen zu helfen.

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Ausbrüche von Wildtieren & Unfälle mit Wildtieren

Mittwoch, 29. Juni 2005

Die Haltung von Wildtieren im Zirkus ist alles andere als ungefährlich. Regelmäßig kommt es zu Unfällen oder Ausbrüchen, mitunter mit tödlichem Ausgang. Nicht nur Großkatzen und Bären, von denen dies jeder erwartet, sondern auch Elefanten, die gemeinhin als sanfte Riesen gelten, töten immer wieder ihre Dompteure und auch Zuschauer. 

  • Im Jahr 1987 trampelte ein Elefant des Zirkus Giovanni Althoff in Goslar eine Tierschau-Besucherin zu Tode.
  • Bei einer Vorstellung im Jahre 1991 stößt eine Elefant des Zirkus Busch-Berolina einen anderen Elefanten aus der Pyramide, dieser stürzt in die vorderen Sitzreihen. Mehrere Zirkusbesucher werden verletzt.
  • Im Jahr 1990 und im Jahre 1993 brach das Zwergflußpferd des Zirkus Fliegenpilz aus.
  • Im Zirkus Arena wird um das Jahr 1992 ein Pfleger von einem Elefanten getötet.
  • Im Jahr 1995 wird ein Baby verletzt, als eine Elefant des Zirkus Althoff ein Stück Holz in einen Kinderwagen schleudert.
    Während einer Vorstellung des Zirkus Don Carlos im Jahr 1997 in Kaiserslautern gebärdeten sich die Elefanten bei einer Vorstellung so unkontrolliert, dass die Zuschauer ängstlich flüchteten.
  • Im Juli 1997 brach beim Zirkus Don Carlos während einer Vorstellung ein Elefant durch das Zelt aus.
  • Ebenfalls im Jahre 1997 riss ein Elefant des Zirkus Don Carlos die Trägerstange des Stallzelts ein.
  • In Marbach geriet im Juni 1997 ein Elefant in der Fußgängerzone außer Kontrolle. Die Polizei versuchte das Tier aus der Fußgängerzone zu treiben, um eine Gefährdung der Bevölkerung zu verhindern.
  • Im November 1997 brachen in Fürstenfeldbruck zwei Elefanten des Zirkus Don Carlos aus dem Gehege aus.
  • Im Jahr 1999 verschwand in Duisburg die Python des Zirkus Atlantik spurlos. Polizei und Feuerwehr konnten sie nicht finden. Erst ein Jahr später wurde sie von spielenden Kindern gefunden.
  • Im Jahr 2000 brach in Kalsruhe beim Zirkus Carl Busch ein Affe aus.
  • Im Jahr 2000 brach beim gleichen Gastspiel des Zirkus Carl Busch in Karlsruhe auch ein Elefant aus.
  • Im August 2000 wurde eine 32-jährige Passantin von der Elefantenkuh des Zirkus Luna mit dem Rüssel niedergeschlagen. Das Kind der Frau erlitt einen Schock.
  • Im September 2000 brachen bei einem Gastspiel des Zirkus Don Carlos in Wasserburg drei Elefanten aus. Die Tiere knickten einen Baum um und schmissen eine Mülltonne um.
  • Im September 2000 brach der Pavian des Zirkus Sarani aus. Kinder wurden gewarnt dem Tier nicht zu nahe zu kommen, da es stark beißen kann.
  • Im Oktober 2000 griff ein Liger im Zirkus Carl Busch ein Kind an und verletzte es schwer. Die nötigen Sicherheitsvorkehrungen waren vom Zirkuspersonal nicht eingehalten worden.
  • Im Dezember 2000 brach in Wiesbaden ein Tiger aus dem Zirkus Sarrasani aus. Eine Autobahn musste in beide Richtungen gesperrt werden. Erst nach Stunden konnte das Tier mit einem Betäubungsgewehr außer Gefecht gesetzt werden.
  • Im Dezember 2000 griff ein Elefantenbulle während der Aufzeichnung zu „Stars in der Manege“ den Schauspieler Harald Krassnitzer an. Er drückte den „Tatort“-Kommissar mit dem Stoßzahn so zu Boden, dass dieser kurzzeitig keine Luft mehr bekam. Durch das Eingreifen der Dompteurin kam er mit einige blauen Flecken davon.
  • Im Februar 2001 griff ein sieben Monate alter Bengaltiger des Zirkus Busch-Roland während einer Live-Sendung den Moderator an. Er biss ihn in die Schulter und fuhr mit den Krallen über den Rücken des Sat 1 Moderators. Dieser wurde vom Notarzt ins Krankenhaus überstellt.
  • Im April 2001 brach ein Elefant in Braunlage aus einem Zirkus aus. Ein Förster entdeckte ihn, wie er auf dem Friedhof Blumen fraß. Personen wurden nicht verletzt, mehrere Gräber waren verwüstet.
  • Im April 2001 nahm der Braunbär des Zirkus Probst zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit auf dem Weg in die Manege reißaus und streunte durch die Innenstadt von Chemnitz. Wenige Tage zuvor war er in Hohenstein-Ernstahl mitten durch die Stadt spaziert.
  • Ausbruch eines Elefanten aus dem Zirkus Barelli in Nürnberg im Mai 2001.
  • Im August 2001 brach bei einem Gastspiel des Zirkus Don Carlos in Karlsruhe ein Elefant gleich zweimal aus.
  • Im Oktober 2001 brach beim Berlin-Gastspiel des Zirkus Barelli erneut ein Elefant aus.
  • Im November 2001 brach ein Elefant des Zirkus Luna aus und lief durch Aschersleben. Er riss eine Hecke aus, Personen kamen nicht zu schaden.
  • Im Juli 2002 brachen in Zingst drei Elefanten aus dem Zirkus Berolina aus. Personen wurden nicht verletzt, der Sachschaden war beträchtlich. Erst nach einer Stunde konnten die Tiere wieder eingefangen werden.
  • Im August 2002 spießte ein Elefant des Zirkus Don Carlos ein Auto mit seinem Stoßzahn durchs Fenster auf und schüttelte es, mitsamt Insassen. Die Familie kam mit dem Schrecken davon.
  • Im August 2002 wurde der Auftritt der Elefanten beim Zirkus Barelli vorzeitig abgebrochen, da die Tiere durchdrehten.

Dies sind nur einige Beispiele für Unfälle in Zirkusbetrieben. Eine vollständige Dokumentation ist kaum möglich, da viele Unfälle nicht bekannt werden.

Update: Ausbrüche von Wildtieren & Unfälle mit Wildtieren ab 2009

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Tatort Zirkus

Mittwoch, 29. Juni 2005

Wenn der Zirkus kommt, droht der örtlichen Feuerwehr Arbeit. Es hat den Anschein, als würden vor allem die kleineren Zirkusse Tierausbrüche, Unfälle und Brände während ihrer Gastspiele inszenieren und zu Werbezwecken und Spendenaktionen missbrauchen.

„Irgendwie kam mir der Brand komisch vor“, erinnert sich Fritz Stemplinger, Kreisbrandinspektor und damals Kommandant der Feuerwehr Wegscheid im Bayrischen Wald. Damals, das war der 22.September 2001. Gegen 16 Uhr meldete ein Passant einen brennenden Zirkuswagen auf dem Festplatz. Ganz in der Nähe befindet sich das Gerätehaus der Feuerwehr. Zufälle gibt´s. Angeblich soll der umgebaute Sattelauflieger älteren Baujahrs mehreren Artisten als Wohnquartier gedient haben. Stemplinger hat da so
seine Zweifel: „Das hat darin fürchterlich ausgesehen.“

Und noch eine Tatsache gibt dem Kreisbrandinspektor zu denken. Niemand vom „Zirkus  Barlay“ war beim Brandausbruch vor Ort. Die Artisten gaben eine Kurzvorstellung in einem Nachbarort. Kann es ein besseres Alibi geben?

Fast zweieinhalb Stunden benötigte die Feuerwehr, bis auch die letzten Brandnester in dem Sattelauflieger abgelöscht waren. Den Schaden bezifferten die Zirkusleute auf rund 10.000 Euro. Eine Versicherung gab es natürlich nicht. Zum Glück rief die örtliche Presse zu Sach- und Geldspenden für den arg gebeutelten Zirkus auf.

Auch Zirkusfan Ralf Holstein, der die Seite circusweb im Internet betreibt, hat angesichts solcher Brände seine Zweifel: „Die
Masche kennen wir ja. Ein zumeist mit Unrat voll gestopfter alter Zirkuswagen wird mit einem elektrischen oder gasbetriebenen Heizer
versehen und schon nimmt das Geschehen seinen Lauf. Wegen der Überhitzung gehen zuerst die eingeladenen Textilien und dann der ganze Wagen in Flammen auf, um anschließend auf die Mitleidsmasche zu setzen.“

Genau in dieses Muster passt auch das Feuer beim „Zirkus Liani“. Während der Winterpause in Asbach-Bäumenheim (Bayern) brannte am 4. Januar 2002 ein Zirkuswagen vollständig aus. Nach Auskunft des Direktors soll es sich dabei um „den besten Wohnwagen“ des kleinen Familienunternehmens gehandelt haben. „Nun jaaaaaa“, sagt Feuerwehrchef Jürgen Scheerer. „Es könnte tatsächlich der beste Wagen gewesen sein, aber richtig gut war keiner.“ Der Schaden betrug deshalb auch nur 5000 Euro.

Positiver Begleiteffekt des Brandes für die Zirkusfamilie: Die Gemeinde besorgte ihnen eine Sozialunterkunft. Und die restlichen Wagen sowie die Tiere durften nun doch bis zum Ende des Winters auf dem Volksfestplatz in Asbach-Bäumenheim bleiben. Ursprünglich war dies von der Gemeinde abgelehnt worden. Und bei der Beschaffung eines gebrauchten Wohnwagens halfen die örtlichen Dienststellen der Zirkusfamilie auch.

Oft brennen die Futtervorräte

Aber nicht nur Wohnwagen brennen bei den Zirkussen – 350 touren regelmäßig durch Deutschland – unerklärliche häufig. Immer wieder gehen auch Heu- und Strohvorräte in Flammen auf. Meistens durch Brandstiftung. Die Schäden sind jeweils gering, die öffentliche Anteilnahmen dafür um so größer. Den Lokalzeitungen sind diese „Katastrophen“ immer einen Story wert.

Beim Gastspiel des Augsburger „Zirkus Barelli“ in Mannheim beispielsweise vernichtete ein Feuer am 17. August 2001 die gesamten
Futtermittelvorräte. Volker Dressler, der Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Mannheim, beziffert den Schaden auf höchstens 250 Euro. Der Mannheimer Morgen berichtet trotzdem ausführlich über den Brand. Und über die heldenhaften Löschversuche der Zirkusmitarbeiter: „Der junge Franz Spindler-Barelli schwingt sich auf den Gabelstapler, um die brennenden Ballen von den Stallungen wegzuschieben. Als er vom Fahrersitz springt, weil ihm die Flammen bedrohlich nahe kommen, verstaucht er sich den Knöchel. „Zu Glück gibt es ja noch Timmy Spindler-Barelli. Der Comedy-Star des Zirkus stürzt sich nach dem Zeitungsbericht in die verqualmten Pferdeboxen, befreit die Tiere und bricht dann ohnmächtig zusammen. Rauchvergiftung.

Mit Verletzungen seiner Artisten scheint der „Zirkus Barelli“ überhaupt ein wenig Pech zu haben. Beim Gastspiel in Bremen im Oktober 2000 soll angeblich ein Tiger bei einer Probe eine Dompteuse angegriffen haben. Nicht die erste Pressemeldung dieser Art von Barelli.

Die neueste Masche: Elefant ausgebrochen

Neuerdings hat sich der Zirkus anscheinend eine neue und noch medienträchtigere Masche einfallen lassen. Innerhalb weniger Monate brachen wiederholt Elefanten aus dem Gehege. Zuletzt in Nürnberg (siehe Feuerwehrmagazin 2/02) und in Berlin.

Äußerst verdächtig: Anhand der Bilder lässt sich erkennen, dass zumindest in Nürnberg und in Berlin (5. Oktober 2001) derselbe Elefant ausgebrochen ist. In Nürnberg nannten die Zirkusmitarbeiter den Dickhäuter „Lubne“. In Berlin hieß der Flüchtling dann „Tonga“. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe übrigens nie bestanden, berichtete Zirkusdirektor Harry Barelli: „Das ist unser zahmster Elefant, absolut friedlich.“ In Nürnberg soll Harry Barelli übrigens persönlich die Presse von dem Ausbruch informiert haben.

Nach Nachfrage räumt die Zirkusfamilie ein, dass in beiden Fällen tatsächlich die gleiche Elefantendame ausgebüxt ist. Das Tier habe
mehrere Namen. Den Vorwurf der vorsätzlichen Medieninszenierung weisen die Barrelis weit von sich: „Niemals. So ein Elefant kostet 50.000 Euro.“ Zukünftig wolle man besser aufpassen.

Sowohl Nürnberg als auch in Berlin beteiligten sich Löschzüge der Feuerwehren an der Suche und dem Einfangen des entflohenen Dickhäuters. Schaden entstand nicht. Unverletzt konnte „Lubne“ alias „Tonga“ in der jeweils folgenden Vorstellung bereits wieder auftreten.

Elefanten scheinen aber auch wirklich einen großen Freiheitsdrang zu haben. Im Oktober 2000 schlenderte ein Dickhäuter des „Zirkus Busch“ ganz alleine durch Karlsruhe (BW). Er hatte sich unbemerkt aus seinem Gehege entfernt.

Im April 2001 brach ein Elefant des in Braunlage (NI) gastierenden „Zirkus Luna“ aus. Auf einem nahen Friedhof fraß er den
Blumenschmuck von den Gräber. Im gleichen Monat verschwand in Schaffhausen (Schweiz) auch ein Elefant aus dem „Zirkus Knie“. Bei seiner Flucht beschädigte das Tier eine Ampelanlage.

Als „schlaues Kerlchen“ bezeichnete die Presse „Benjamin Blümchen“ vom „Zirkus Don Carlos“ . Während eines Gastspiels in Karlsruhe im August 2001 brach das Tier gleich zweimal aus. Angeblich hatte der Elefant den Elektrozaun seiner Weide jeweils mit Futterbündeln herunter gedrückt. Anton Gramlich, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe, mag die Geschichte nicht so recht glauben: „Die Ausbrüche kamen uns schon verdächtig vor, aber beweisen konnten wir nichts.“ Ähnlich erging es seinen Kollegen in Nürnberg, Wegscheid, Mannheim, Braunlage, Worms, Berlin, Wiesbaden…

Die Fälle häufen sich:

Oktober 1999:
In Jüterbog (BB) entwischt einem Zirkus ein Mantelpavian. Erst Tage später kann das bissige Tier wieder eingefangen werden.

Oktober 2000:
In Fellbach (BW) brennt der Wohnwagen der Kinder des „Zirkus Mercury“ ab.

November 2000:
Polizisten entdecken in Worms (RP) ein dem „Zirkus Barum“ entwischtes Kamel.

Dezember 2000:
Aus dem „Zirkus Sarrasani“ bricht in Wiesbaden ein Tiger aus. Polizei, Feuerwehr und THW fangen das Tier wieder ein.

April 2001: Auf dem Weg in die Manege des „Zirkus Probst“ reißt Braunbärin „Bruni“ aus und streunt durch die Innenstadt von Chemnitz (SN).

August 2001:
Ein Feuer vernichtet in Mannheim (BW) die Futtermittelvorräte des „Zirkus Barelli“.

September 2001:
Ein Wagen des „Zirkus Barlay“ brennt in Wegscheid (BY) aus.

Oktober 2001:
Beim „Zirkus Don Carlos“ stürzt angeblich ein Artist während der Proben in Mönchengladbach (NW) vom Trapez. Der Verletzte reist sofort nach Spanien ab, um dort seine Rippenbrüche auszukurieren.

November 2001:
Einem bettelnden Zirkusmitarbeiter läuft in Hamburg ein Lama weg. Die Polizei blitzt das Tier, als es mit 17 km/h über eine rote Ampel läuft.

Januar 2002:
Durch einen überhitzten Ölofen gerät ein Wohnwagen des „Zirkus Liani“ auf dem Festplatz in Asbach- Bäumenheim (BY) in Brand.

Mai 2001:
Beim Gastspiel des „Zirkus Barelli“ in Nürnberg (BY) bricht ein Elefant aus.

Die beliebtesten Tricks:

1. Ein Tier bricht während des Gastspiel aus dem Zirkus aus. Besonders häufig handelt es sich dabei um Elefanten. Aber auch Bären, Kamele, Pferde und Lamas mussten schon von Polizei und Feuerwehr eingefangen werden. Auffällig: Der Ausbruch findet fast immer tagsüber statt. Und grundsätzlich sind die Ausbrecher sonst „die liebsten und harmlosesten Tiere“ des Zirkus.

2. Kleinbrände auf den Festplätzen. Mal brennt das Stroh im Futterlager, mal ein Wohnwagen der Artisten. Häufigste Brandursache: Brandstiftung. Meist können die Zirkusmitarbeiter die Flammen selbst löschen. Dabei…

3. …ziehen sich die Mitarbeiter oft leichtere Verletzungen zu. Gerne wird die örtliche Presse auch über Unfälle während der Proben
informiert.

 

 

 

Quelle: Jan-Erik Hegemann / Feuerwehr-Magazin / Ausgabe 4/2002

chrissgrey – Fotolia

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Zirkusmärchen

Mittwoch, 29. Juni 2005

Gekonnt verstehen es manche Zirkusunternehmen, sich durch Lügenmärchen in der Öffentlichkeit zu inszenieren. So kommt es bei diesen Unternehmen immer wieder zu Tierausbrüchen, über die die Lokalpresse dann mit einem Verweis auf das Gastspiel berichtet. Auch werden großzügig „Freikarten“ verschenkt, auf die dann eine Schutzgebühr erhoben wird.  Der Zirkus „Don Carlos“ schreckte bei seinem Gastspiel in Karlsruhe  nicht einmal davor zurück, eine Elefantengeburt zu erfinden, obwohl alle dort gehaltenen Elefanten Wildfänge sind. Sie wurden im Kindesalter ihrer Familie entrissen, um alberne Kunststücke im Zirkus vorzuführen. Seit über einem Jahrzehnt fristen sie jetzt ein elendes Dasein in Gefangenschaft.

Gutgläubig rief der lokale Radiosender alle Hörer auf, einen Namen für das Elefantenbaby im Zirkus Don Carlos zu suchen. Bei Sekt und Gemüsetorte sollte es in der Abendvorstellung vom Moderator getauft werden. Nachdem sich bei dem Sender Hörer gemeldet hatten, die darauf hinwiesen, dass es keine Elefantengeburt gegeben hatte und der Zirkus wegen wiederholter Verstöße gegen das Tierschutzgesetz einschlägig bekannt ist, wurde die Taufe kurzfristig abgesagt. Eine Journalistin, die das Elefantenbaby fotografieren wollte, wurde vom Zirkusgelände gejagt und bedroht.

Nachdem die Taufe geplatzt, brach wenige Tage später ein Elefant aus dem Zirkus aus und marschierte medienwirksam durch die Stadt.

Mittwoch, 08. August2001 ka-news 2001
Kleiner Zirkuselefant zur Welt gekommen
Karlsruhe – Nein, nicht der Karlsruher Zoo bekam Nachwuchs, sondern der Zirkus „Monte Carlo“, der zur Zeit auf dem Karlsruher Messplatz gastiert.

Freitag, 10. August 2001 ka-news 2001
Zirkus im Zwielicht

Karlsruhe – ein angebliches Elefantenbaby des Zirkus Monte Carlos sollte gestern Abend mit Sekt und Gemüsetorte von den Hörern des Radiosenders „Die Welle“ auf den Namen Fidelitas getauft werden. Ein ka-news Leser hatte den Sender darauf aufmerksam gemacht, dass das Geschwisterpaar Weisheit, das den Zirkus gemeinsam leitet, wegen mehrerer Delikte verurteilt worden war. Der Sender hatte daraufhin die Taufparty abgesagt.

Dienstag, 14. August 2001 ka-news 2001
Elefant graste am Ostring
Zirkus weiter in Schlagzeilen/ Zwei unterschiedliche Namen
Karlsruhe – Elefant „Benjamin Blümchen“ vom Zirkus Don Carlos, der momentan auf dem Messplatz gastiert, war seiner gewohnten Umgebung offensichtlich überdrüssig: Am gestrigen Montagabend entschloss er sich dann wohl, auf große Entdeckungstour zu gehen.

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Täuschung der Öffentlichkeit

Mittwoch, 29. Juni 2005

Um über offensichtliche Missstände in der Tierhaltung hinwegzutäuschen ziehen die Zirkusunternehmen alle erdenklichen Register. Von Schönfärberei kann dabei keine Rede mehr sein, sondern vielmehr von systematischer Täuschung der Öffentlichkeit. So wird immer wieder angegeben, das Unternehmen sei von einem Tierschutzverein für seine vorbildliche Tierhaltung ausgezeichnet worden. Bis jetzt konnte diese Behauptung noch nie einer Überprüfung standhalten.
Auch wird der Presse gerne erzählt, man gehe regelmäßig mit den Elefanten oder Tigern spazieren oder ließe die Affen auf die umstehenden Bäume klettern. Die Presse berichtet natürlich gerne. Doch auf Nachfrage stellt sich dann heraus, dass die Journalisten dies gar nicht gesehen haben, sondern gerade eintrafen, als der Elefant sich vom Spaziergang erholte oder die Affen nur auf Bäume klettern, wenn keine Fremden anwesend sind. Und bei genauerer Nachforschung stellt sich dann heraus, dass der Elefant nur für den fünfminütigen Manegenauftritt aus seinem LKW kommt und der Affenkäfig schon solange nicht geöffnet wurde, dass er bereits zugerostet ist. Doch das Publikum glaubt der Berichterstattung und zahlt, um den Zauber der Zirkuswelt zu erleben.

Besonders dreist versuchte der Zirkus Don Carlos im August 2001 die Presse und die Öffentlichkeit zu täuschen. Die Geburt eines Elefantenbabys wurde verkündet. Der lokale Radiosender rief die Hörer auf einen Namen für das Tier zu finden und lud zu einer Taufparty ein. Dabei gibt es in ganz Deutschland nur einen Elefanten, der im Zirkus geboren wurde und dies vor nunmehr über zwanzig Jahren. Alle anderen Elefanten, die im Zirkus gehalten werden und wurden sind Wildfänge, die als Jungtiere gewaltsam ihrer Herde entrissen wurden. So auch die Elefanten des Zirkus Don Carlos. Auf kritische Nachfrage der Journalisten gab das Unternehmen erst einmal an, Elefanten seien bei der Geburt sehr groß und die Geburt würde schon etwas zurückliegen, deshalb sähe das zu taufende Elefantenbaby nicht richtig wie ein Baby aus. Kein Wunder, der jüngste Elefant des Zirkusunternehmens war zu diesem Zeitpunkt sechzehn Jahre alt. Erst als Tierschützer den Radiosender auf die Unmöglichkeit einer Elefantengeburt aufmerksam machten und darauf hinwiesen, dass der Direktor dieses Zirkus wegen Tierquälerei vorbestraft ist, wurde die Taufe abgesagt. Wenige Wochen später rief das Unternehmen in einer anderen Stadt erneut in der Lokalpresse zur Namenssuche für einen seiner Elefanten auf. Und auch anerkannte Wissenschaftler tragen zur Täuschung der Öffentlichkeit bei. So schreibt Prof. Dr. Klaus Zeeb, Vorsitzender der Sachverständigengruppe für die Zirkusleitlinien, in seinem Buch (Prof. Dr. Klaus Zeeb: „Wie man Tiere im Zirkus ausbildet“, Stuttgart 2001, Seite 50): „Ebenso wie bei Pferden beginnt die Erziehung schon beim Elefantenbaby wenige Tage nach der Geburt. […] Das Baby muss lernen, der Mutter auf den Wegen, die der Tierlehrer vorgibt zu folgen. Zu diesem Zweck wird ihm ein Halsband mit einem Seil daran umgelegt, dessen anderes Ende die Mutter im Maul hält.“ Welch beschauliches Bild. Doch die Realität sieht anders aus. Von den 250 in Europa gehaltenen Zirkuselefanten wurden nur drei in Gefangenschaft geboren. Alle anderen sind Wildfänge, die nicht von ihrer Mutter in die Manege geführt, sondern ihr auf brutale Weise entrissen wurden. Um sie gefügig zu machen, werden die wild gefangenen Elefanten traditionell „eingebrochen“. Das heißt nichts anderes, als dass die Tiere an Vorder- und Hinterbeinen festgekettet, über Wochen mit Stöcken, Peitschen und spitzen Haken geschlagen werden, bis sie sich dem Menschen bedingungslos unterordnen. Erst wenn ihr Wille gebrochen ist, sind sie für den Zirkus brauchbar. Und auch dort werden sie mit roher Gewalt dressiert. Doch dies erwähnt Prof. Dr. Zeeb mit keinem Wort.

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Betteln mit Tieren

Mittwoch, 29. Juni 2005

Bettelnde Zirkusmitarbeiter gehören alljährlich zum weihnachtlichen Straßenbild in Deutschlands Fußgängerzonen. Mit Ponys, Lamas, Eseln oder Kamelen werden Spenden gesammelt. Pappschilder mit Aufschriften wie „Wer Tier liebt, der gerne gibt“ lassen die Passanten glauben, dass das Geld zum Kauf von Tierfutter verwendet wird. Doch die Realität ist anders.

Den notleidenden Tieren kommt das Geld nicht zugute. Vielmehr wandert es in die Kassen der Tierhalter. Diese haben gelernt, dass sich mit leidenden Tieren gutes Geld verdienen läßt. Finanziell sind die Zirkusse oft nicht in der Lage die Versorgung ihrer Tiere zu gewährleisten. Gerade im Winter, bei schlechter Witterung und unzureichenden Winterquartieren, leiden die Tiere besonders. Menschen, die für diese notleidende Kreaturen spenden, vermitteln den Zirkussen nur, dass es sich lohnt die eigenen Tiere leiden zu lassen.

Deshalb muss jeder tierliebe Mensch davon Abstand nehmen an bettelnde Zirkusbetriebe Geld zu spenden. Dadurch wird Tierleid nicht gelindert sondern nur subventioniert.

Was Sie tun können:

  • Informieren Sie in jedem Fall Veterinäramt und Polizei, dass mit Tieren gebettelt wird.
  • Schreiben Sie einen Brief an die Lokalpresse und machen Sie so andere Menschen auf das Problem aufmerksam.
  • Unterstützen sie den Tierschutz, damit diesen Tieren wirklich geholfen werden kann.
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Die Masche mit dem Mitleid

Mittwoch, 29. Juni 2005

„Kleiner Zirkus in großer Not“, so oder so ähnlich lauten die Überschriften in den Lokalzeitungen, wenn mal wieder irgendwo ein Zirkusunternehmen gestrandet ist. Unverschuldet, erzählen die Betreiber dann, ist der kleine traditionsreiche Familienzirkus, durch unvorhersehbare Widrigkeiten in Not geraten. Mal ist ein Zirkuswagen abgebrannt, ein anderes Mal die Zugmaschine kaputt gegangen oder der Sprit reicht nicht bis zum Winterquartier.  „Der Zirkus ist auf Spenden angewiesen.“ „Futter für die Tiere wird dringend gebraucht.“ Dazu ein Foto des Direktors mit seinen Tieren.

Hat die Stadt, ein ansässiges Unternehmen oder die Kirche geholfen, zieht der Zirkus irgendwann weiter, um in einer anderen Stadt die gleiche Vorstellung zu geben. Der Gemeinde bleibt zumeist ein demolierter Festplatz, einige Misthaufen und schrottreife LKWs. Die Fälle häufen sich und das Schema ist immer das gleiche: Ein Unglück geschieht, der Zirkus ist unverschuldet in Not, es werden Spenden gebraucht.

Nicht eben wenige Zirkusse ziehen als reine Bettelunternehmen durchs Land. Sie leben nicht von ihrem Können, sondern von Sozialhilfe und dererlei Betteleien. Und dies über Jahre! Ob es bei den Unfällen immer so mit rechten Dingen zugeht, wird von vielen Fachleuten angezweifelt. Zu seltsam sind manche Zufälle. Auch stellt sich die Frage, welche Berechtigung Unternehmen haben, die sich selbst nicht annähernd tragen, sondern deren Mitarbeiter über Jahre immer wieder auf Sozialhilfe angewiesen sind?

Doch solange die Mitleidsmasche der Zirkusse bei Tierfreunden und Journalisten zieht, werden diese Unternehmen weitermachen. Leidtragende sind dabei immer die Schwächsten, die Tiere. Sie fristen ein erbärmliches Dasein, in dreckigen, zu kleinen Käfigen, ohne tierärztliche Versorgung oder auch nur ausreichend Futter. Mit den gut gemeinten Spenden kann ihnen nicht geholfen werden. Nur eine Wegnahme der Tiere kann das Elend beenden.

Was Sie tun können:

  • Schreiben Sie Briefe an die Lokalpresse und bitten um kritischere Berichterstattung. Sie können gerne auf animal public verweisen.
  • Bitten Sie Bekannte, Verwandte, die Kirchengemeinde und die Schulen diese miese Mitleidsmasche nicht zu unterstützen.
  • Unterstützen sie den Tierschutz, damit diesen Tieren wirklich geholfen werden kann.
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Unterschriftenlisten an Ministerin Künast übergeben

Montag, 27. Juni 2005

In Düsseldorf haben Mitarbeiter der Tierschutzorganisation animal public der Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast 7000 Unterschriften für ein Verbot der Wildtierhaltung im Zirkus überreicht.  Tierfreunde aus ganz Deutschland hatten sich in den letzten Jahren an der Unterschriftensammlung beteiligt. Renate Künast versprach animal public, dass man im Ministerium an diesem Thema arbeite und entsprechende gesetzliche Maßnahmen in Vorbereitung seien. 

In anderen Ländern gibt es bereits entsprechende Gesetze. So dürfen z.B. in unserem Nachbarland Österreich keine Wildtiere mehr von Zirkusunternehmen mitgeführt werden. Und auch in Finnland und Schweden ist das Mitführen bestimmter Wildtierarten im Zirkus seit Jahren untersagt.  In Deutschland wurde nach massiven Öffentlichem Druck im Jahr 2003 der Bundesrat aktiv. Die Bundesregierung wurde aufgefordert, ein Zirkuszentralregister einzurichten und das Mitführen bestimmter Wildtierarten im Zirkus, insbesondere Bären, Affen und Elefanten grundsätzlich zu verbieten. Bis heute ist dies jedoch vom zuständigen Ministerium für den Verbraucherschutz noch nicht umgesetzt.  Gemeinsam mit den Unterschriftenlisten überreichte animal public der Ministerin einen Stoffelefanten in Eisenketten für ihr Büro, damit Sie das Problem der Wildtierhaltung im Zirkus nicht aus den Augen verliert.

 

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Wilde Greifvögel – geraubt und verschachert

Mittwoch, 22. Juni 2005

Der Bestand freilebender heimischer Greifvögel wurde seit Mitte des letzten Jahrhunderts zusehends weniger. Die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume, Umweltgifte, rücksichtslose Bejagung und andere Störungen durch den Menschen brachten diese Tierart an den Rand des Aussterbens. Deshalb wurden Anfang der 80er Jahre alle heimischen Greifvogelarten unter Schutz gestellt. Die Tiere zu fangen, zu jagen oder ihre Nester auszuhorsten ist seither verboten.

Wie im Drogenhandel

Von Seiten der Falknerverbände wird gerne die Behauptung aufgestellt, dass Nestplünderungen in Deutschland nicht mehr vorkommen. Der Handel mit Nachzuchten, hätten den mit Wildfängen abgelöst. Doch die Realität sieht anders aus. Jahr um Jahr entdecken deutsche Artenschutzbehörden bei Falknern und in Greifvogelschauen illegal aus der Natur geraubte Greifvögel. Sobald im Frühjahr die Brutzeit der Greife beginnt, beobachten die Vogeldiebe die Nester. Ist die Brut erfolgreich, schlagen sie zu. Im Morgengrauen klettern sie dann zu den Nestern, um die Gelege auszunehmen. Die Jungtiere werden zu horrenden Preisen verkauft. Mehrere Tausend Euro bringt jeder Vogel auf dem Schwarzmarkt. Ein sicheres Geschäft, denn währende die Gewinne so hoch sind wie im Drogenhandel, ist die drohende Strafe, falls man erwischt wird, so wie beim Falschparken.

In Sachsen und Brandenburg wurde 2001 ein international operierender Greifvogelhändlerring gesprengt. Über Jahre hatten die Täter zahlreiche Falkner und Schaufalknereien mit ausgehorsteten Jungtieren beliefert. Um der Strafverfolgung zu entgehen, hatten sie die Tiere als Nachzucht ausgegeben. Den Falknern fielen anscheinend die unmöglich hohen Zuchterfolge nicht weiter auf. So konnte allein dieser Händlerring etwa 250 illegal der Natur entnommene Greifvögel gewinnbringend verkaufen.

Der illegale Handel mit vom Aussterben bedrohten Greifvögeln ist weltweit professionell organisiert. Schottische Wanderfalken werden nach Deutschland geschmuggelt, Habichte aus Deutschland nach England, Adler aus Russland nach Österreich und Gerfalken aus Grönland in die Arabischen Emirate. Nicht nur Eier, sondern auch ausgewachsene Vögel werden gehandelt. In kleine Röhren gezwängt, die Augen zugenäht, werden sie durch den Zoll geschmuggelt. Welche Qual dies für die wilden Greifvögel bedeutet ist kaum
vorstellbar.

Schaufalknereien

Vielerorts haben sich Schaufalknereien in Wildparks, Schlössern und Burgen niedergelassen. Sie versprechen den Besuchern ein ganz besonderes Naturerlebnis. Greifvögel aus aller Welt werden aus nächster Nähe vorgeführt, manche darf man streicheln. Doch der idyllische Eindruck täuscht. Gerade Schaufalknereien sind immer wieder in den illegalen Handel mit Greifvögeln verstrickt. Immer neue Vögel werden benötigt, um dem Publikum Abwechslung zu bieten. Wildfänge gelten als besonders rasante Flieger, da sie geschicktere Jäger sind, als ihre in Gefangenschaft gezüchteten Artgenossen. 

Die Folgen

Trotz Artenschutzgesetzen und Naturschutzmaßnahmen sind nach wie vor viele Greifvogelarten vom Aussterben bedroht. Die illegalen Aushorstungen gefährden die Bestände zusätzlich. Es ist dringend nötig, dass das Strafmaß für den illegalen Handel mit geschützten Tieren erhöht wird und das Greifvogelhaltungen und vor allem Zuchten strenger kontrolliert werden.

 
Unabhängig von der Bestandsgröße, sind Naturentnahmen von Greifvögeln aus Tierschutzgründen abzulehnen. Die Haltung der Wildtiere in einer Voliere oder gar angebunden auf einem Block ist weder art- noch verhaltensgerecht, sondern Tierquälerei übelster Art. Deshalb fordert der Tierschutzverein animal public ein Verbot der Greifvogelhaltung und Falknerei.

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Greifvogelhandel- und aushorstung in Deutschland

Mittwoch, 22. Juni 2005

Von interessierter Falknerseite wird immer wieder behauptet, dass Greifvogelaushorstungen in Deutschland nicht mehr vorkommen, weil der Bedarf durch Zucht gedeckt wird und die Nachzuchten erschwinglich sind. Falknerorganisationen verweisen auf ihre Zuchterfolge und auf die angeblich geringen z.B. für Wanderfalken erzielbaren Preise.

Ein aktueller Fall in Brandenburg und Sachsen zeigt wieder einmal in erschreckender Weise, in welchem Umfang Greifvögel auch in Deutschland illegal ausgehorstet werden. Er bestätigt Greifvogelschützer und ihre Aussagen, dass der illegale Handel weiterhin einen erheblichen Umfang hat und eine Bedrohung für viele Arten darstellt. Die Täter erzielten mehrere 100.000 Euro Gewinn.

Aufgrund eines Hinweises der RSPB (Royal Society for the Protection of Birds) führten die Landeskriminalämter Brandenburg und Sachsen umfangreiche und aufwendige Ermittlungen mit hohem technischen und personellen Aufwand durch. Am 26. Juni 2001 wurden bei vier Verdächtigen Durchsuchungen der Wohngrundstücke durchgeführt und über 70 lebende Greifvögel und Eulen sowie zwei Kolkraben beschlagnahmt. Die zwei Haupttäter beides bekannte Jäger und Falkner, kamen in Untersuchungshaft. Der Drahtzieher mit besten Beziehungen zu Greifvogelhändlern mit zweifelhaftem Ruf sitzt weiterhin in Haft. Der zweite Haupttäter ist nach einem umfangreichen Geständnis vorerst wieder auf freiem Fuß. Sie haben langjährige Haftstrafen wegen schwerer Jagdwilderei, illegalem Handel, mittelbarer Falschbeurkundung sowie Betrug zu erwarten.

Ermittlungen ergaben, dass die Gruppe allein in den letzten fünf Jahren über 80 Habichte, mehr als 70 Kolkraben, 66 Rotmilane, 19 Schwarzmilane und 14 Sperber ausgehorstet, in Jagdzeitschriften annoncierte und verkaufte. Abnehmer waren Falkner, Burgfalknereien und Greifvogelschauen in Deutschland und umliegenden Ländern, wobei Österreich und Spanien eine besondere Rolle spielten. Über mehrere Jahre waren die Greifvogelzüchter durch ihre „Schnellen Brüter“ in der Szene bekannt geworden und sie konnten mit den vielen Aushorstungen den Markt kaum befriedigen. Gerne wurde gutgläubig oder wohlwissend von Tiersammlern und Falknern auf diese Vögel zurückgegriffen.

Es wurden Eier oder kleine Dunenjunge entnommen, damit sie noch mit geschlossenen Ringen gekennzeichnet werden konnten. Diese Kennzeichnungsmethode sollte als Beweis für Gefangenschaftsnachzucht dienen. Wie man sieht taugt diese Methode nicht als Beleg. Nur der DNA-Abstammungstest gibt tatsächlich den Behörden die Sicherheit, dass die von den Haltern behaupteten Zuchten auch stimmen. Damit die Aushorstungen nicht auffielen, ließ man zur Tarnung meist einen Jungvogel zurück. Zur Vermeidung von Kletterspuren wurde der untere Teil der Bäume meist mittels Strickleiter oder Anstellleiter überwunden. Jahrelang wurden die ausgehorsteten Vögel bei der zuständigen Naturschutzbehörde als Nachzuchten deklariert, obwohl derlei Zuchterfolge biologisch unmöglich sind. Bis zum vergangenen Jahr wurden auch ohne Probleme dafür CITES-Bescheinigungen und EU-Vermarktungsgenehmigungen ausgestellt. Genetische Untersuchungen bestätigten die Aussage von Greifvogelexperten, dass solche Zuchterfolge utopisch sind und alle Alarmglocken hätten läuten müssen: die Zuchten hätten keineswegs ungeprüft von den Behörden akzeptiert werden dürfen.

Da für Kolkraben nach den Vorschriften der Bundeswildschutzverordnung (BWildSchV) keine besonderen Handelsdokumente vorgeschrieben sind, wurden sie gegen Quittung und ohne Kontrolle der Jagdbehörde verkauft, obwohl z.T. nicht ein einziger Altvogel im Bestand der Wilderer war. Selbst Stadtverwaltungen und Filmtierschulen haben sich mit diesen Tieren eingedeckt. Bei heimischen Greifvögeln, die alle nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) zu den „streng geschützten Arten“ zählen und in der EU-Verordnung 338/97 zur Umsetzung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) im Anhang A aufgeführt sind, ist eine EU-Vermarktungsgenehmigung erforderlich. Diese kann nur für gezüchtete Tiere und nicht für Naturentnahmen erteilt werden. Der Staatsanwalt ermittelt nun auch gegen Mitarbeiter der zuständigen Naturschutz- und Jagdschutzbehörden.

Die BWildSchV verbietet die Haltung von 17 heimischen Greifvogelarten und lässt lediglich für Falkner insgesamt zwei Exemplare der Arten Habicht, Wanderfalke oder Stainadler zu. Ausnahmemöglichkeiten für die anderen Arten bestehen nur für wissenschaftliche Lehre und Forschung, Aussetzungsprojekte, Pflegestationen und Zoos der Öffentlichen Hand. Somit sind Haltung und Schaustellung z. B. von Milanen, Bussarden und Turmfalken in privat geführten Zoos, bei Privatpersonen, Falknern oder auf Falkenhöfen verboten- und auch nicht genehmigungsfähig. Wie die Jagd- und Naturschutzbehörden diese Verbote der BWildSchV in Deutschland umsetzen, kann jeder Besucher privater Zoos und von Greifvogelschaubetrieben erleben; fast überall finden sich diese Arten, ohne dass die Behörden
einschreiten.

Der Fall zeigt wieder deutlich, dass viele Naturschutzbehörden überfordert oder nicht gewillt sind, ihren Aufgaben nachzukommen. Eine alte Forderung der Naturschützer, dass bei Greifvögeln und anderen bedrohten Arten Jungvögel von den Naturschutzbehörden nur dann akzeptiert werden sollten, wenn eine amtlich überwachter DNA-Fingerprint die Zuchtbehauptung beweist, wurde (hiermit erneut) bestätigt.

Ein Großteil der beschlagnahmten Greifvögel wurde ausgewildert. 13 diesjährige Rotmilane wurden einem Wiederansiedlungsprojekt der RSPB in Schottland zugeführt.

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