Archive for Mai 2005

Verbotene Souvenirs

Donnerstag, 26. Mai 2005

Tausende deutsche Touristen endet der Urlaub alljährlich mit einem bösen Erwachen. Ihre exotischen Andenken und Geschenke werden vom Zoll beschlagnahmt, da sie aus geschützten Tier- oder Pflanzenarten hergestellt sind. Den ertappten Urlaubern drohen saftige Geldstrafen bis zu 50.000 Euro.

Die Ferienzeit ist für die meisten Menschen die schönste Zeit des Jahres. Immer mehr nutzen sie, um in ferne Länder zu reisen, sich zu erholen, fremde Kulturen und einen Hauch von Exotik zu erleben. Fotos und Souvenirs sollen später an das Erlebte erinnern. Besonders beliebt sind landestypische Andenken, die auf Märkten, von fliegenden Händlern oder in Souvenirshops verkauft werden. Schildkrötenpanzer werden genauso angeboten wie Krokotaschen, ausgestopfte Paradiesvögel, Korallenketten oder getrocknete Seepferdchen. Doch was viele Touristen nicht beachten, immer mehr Tiere und Pflanzen sind vom Aussterben bedroht und stehen daher unter Artenschutz. Der Handel mit diesen Arten oder Produkten aus diesen Arten unterliegt strengen Vorschriften oder
ist teilweise auch ganz verboten.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen

Nach Schätzung von Biologen sterben jedes Jahr 27.000 Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich aus, das sind allein 3 Arten pro Stunde. Grund für das Artensterben sind nicht nur Umweltverschmutzung und Zerstörung von Ökosystemen, sondern auch der internationale Handel mit seltenen Tier- und Pflanzenarten. Um dem unkontrollierten Handel mit diesen Arten Einhalt zu gebieten gibt es seit den siebziger Jahren das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, kurz WA genannt. Mittlerweile vereint das WA über 150 Staaten. Deutschland trat ihm bereits 1976 bei. Mehr als 8.000 Tierarten und 40.000 Pflanzenarten stehen heute unter seinem Schutz, darunter zum Beispiel Wale, Elefanten, Tiger, Meeresschildkröten, aber auch Steinkorallen, Orchideen und Kakteen. Und es werden immer mehr. Seit diesem Jahr stehen auch alle Seepferdchen unter Schutz, da sie in den letzten Jahren immer seltener geworden sind.

Das WA unterscheidet in drei Schutzkategorien. Den strengsten Schutz genießen Tier- und Pflanzenarten, die unmittelbar von der Ausrottung bedroht sind. Sie sind im Anhang 1 des Abkommens enthalten. Die Ein- und Ausfuhr dieser Arten ist bis auf sehr wenige Ausnahmen verboten. In den Anhängen 2 und 3 des WA sind jene Tier- und Pflanzenarten aufgeführt, deren Erhaltung gefährdet ist. Diese Arten dürfen deshalb nur mit einer Ausfuhrgenehmigung des Herkunftslandes aus- und in die Bundesrepublik eingeführt werden. In den meisten Fällen ist zudem noch eine Einfuhrgenehmigung der Bundesrepublik Deutschland erforderlich. Die EU-Artenschutzverordnung setzt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen in europäisches Recht um.

Augen auf beim Souvenirkauf

Nicht nur lebende Tiere und Pflanzen fallen unter das Artenschutzrecht, sondern ebenfalls tote Tiere und Pflanzen oder Produkte aus ihnen. Mäntel oder Schuhe aus geflecktem Katzenfellen sind genauso illegal wie ein Aschenbecher aus einem Elefantenfuß oder Schildpatt-Schmuck aus dem Panzer von Meeresschildkröten. Auch beim Kauf von Traditioneller Chinesischer Medizin ist Vorsicht geboten. Verwendet werden Tigerknochen, Bärengalle oder das Horn von Nashörnern. Versprochen wird die Heilung von Wunden, die Linderung von Rheuma oder die Steigerung der Potenz. Doch diese Präparate sind ebenfalls illegal, denn auch die Tiere aus denen sie gewonnen werden sind vom Aussterben bedroht. So gibt es von ehemals acht Tigerunterarten heute nur noch drei. Und diese werden immer noch von Wilderern, die mit ihren Fellen und Knochen Geld verdienen wollen, gnadenlos verfolgt.

Verstöße gegen das Artenschutzrecht

Das Washingtoner Artenschutzeinkommen wird ständig überarbeitet und ergänzt. Immer mehr Tiere müssen unter Schutz gestellt werden. Keinem Touristen ist es möglich im Kopf zu haben, welche Tier- und Pflanzenarten in seinem Reiseland gerade in welcher Schutzkategorie aufgelistet sind. Oft werden sie zudem von den Händlern noch belogen oder bekommen gefälschte Herkunftsnachweise zu den Produkten. So erleben allein in Deutschland Tausende Urlauber jedes Jahr am Zoll ein Böses erwachen. Das von ihnen gekaufte Andenken stammte von einer geschützten Tier- oder Pflanzenart. Die Einfuhr ist daher illegal. Die Bilanz des Jahres 2003 ist erschreckend: insgesamt wurden vom Zoll 63.597 geschützte Tiere und Pflanzen, bzw. aus ihnen hergestellte Produkte sichergestellt. Viele von ihnen wurden von ahnungs- oder achtungslosen Touristen ins Land gebracht. Neben der ersatzlosen Beschlagnahme des Schmuggelguts droht den Reisenden auch ein Verwarnungs- oder Bußgeld, dass bis zu 50.000 betragen kann. 

Der Tier- und Artenschutzverein animal public rät Urlaubern grundsätzlich auf Souvenirs aus Tieren oder Pflanzen zu verzichten. Der Kauf dieser Artikel fördert nicht nur weiteren illegalen Handel mit seltenen Tieren und Pflanzen und treibt deren Ausrottung voran, sondern bedeutet auch das sinnlose Töten und Quälen von wild lebenden Tieren in Kauf zu nehmen. Wild lebende Katzen werden beispielsweise auf grausame Weise mit Schlingen gefangen, Vögel mit engmaschigen Netzen, in denen sie sich hilflos verheddern und Schildkröten werden mit Knüppeln erschlagen. Auch rät animal public vom Mitleidskäufen bei lebenden Tieren ab. In vielen Fällen ist die Einfuhr illegal, zudem bedeutet der Transport und die Haltung in Gefangenschaft für die Tiere enormen Stress, den viele nicht überleben. Mit Andenken aus Keramik, Metall, Glas oder Stein kann man hingegen nichts falsch machen.

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